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Im Kampf für das Gute: Devid Striesow als Jens Stellbrink.

Tatort-Kritik

Zwischen "James Bond" und Drogenrausch

Saarbrücken - Der ARD-"Tatort" mit dem neuen Saarbrücker Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) bricht mit allen Konventionen der Krimireihe. Zur Kritik der Folge "Melinda".  

Ankunft im Präsidium, die Kollegen schauen (was sonst?) skeptisch – das wäre so ein Einstieg, wie man ihn schon hundert Mal gesehen hat. Jens Stellbrink tritt dem Zuschauer dagegen zum ersten Mal in einem Baumarkt entgegen, wo er kurz vor Feierabend seinem Warenkorb noch eine Klobürste hinzufügt. Schließlich muss sich der Kommissar aus Mecklenburg-Vorpommern in Saarbrücken erst häuslich einrichten.

Schon in den ersten Minuten wird klar, dass dieser „Tatort“ (ARD) mit allen Konventionen dieser Krimireihe bricht – und darin am ehesten den Fällen aus Münster ähnelt. Es gibt keine Leiche hinterm Absperrband, und nicht der Täter, sondern der Polizist ist die meiste Zeit auf der Flucht, als Beschützer des Mädchens „Melinda“ (so auch der Titel dieser Episode), das von finsteren Männern verfolgt wird.

Lars Montag und Dirk Kämper sorgten mit ihrem Drehbuch dafür, dass das Debüt von Devid Striesow am Saarbrücker „Tatort“ zu einem Paukenschlag wurde – so oder so. Die gewohnten Bausteine, vom Verhör bis zur Soko, vom Hahnenkampf der Kommissare bis zum finalen Geständnis, sie wurden atomisiert oder neu kombiniert und zuvor knallbunt angemalt.

Es sieht ein bisschen aus wie „James Bond“, wenn ein Rudel Ganoven mit gezückten Waffen dem Helden hinterher über Stock und Stein hetzt, im nächsten Moment kommt man sich vor wie im Drogenrausch, wenn im verwunschenen Ex-Freizeitpark die Miniatureisenbahn im Gegenlicht schimmert oder sich Margot Müller (Silvia Bervingas), in deren Villa Stellbrink mit seinem Schützling (bezaubernd: Mila Böhning) Zuflucht gesucht hat, in Miss Marple zu verwandeln scheint.

Die Geschichte um Kinder als hilflose Handlanger skrupelloser Drogendealer (Regie: Hannu Salonen) ist frei von „Wie-schlecht-ist-doch-die-Welt!“-Tremolo – und dennoch ziemlich spannend. Keinen anderen als Devid Striesow mag man sich allerdings vorstellen als verschrobenen Kommissar mit großem Herzen. Ihm gelingt es, die Leichtigkeit des Seins mit der Leidenschaft des Kampfes für das Gute zu verbinden, ohne die ein „Tatort“-Kommissar gleich wieder einpacken kann. Auch bei der Wahl seiner Partnerin hatten die Macher ein sicheres Händchen. Elisabeth Brück ist als Lisa Marx eine Domina mit Selbstironie. Ob sich dagegen Hartmut Volle als Leiter der Spurensicherung und vor allem Sandra Steinbach als Staatsanwältin mit ausgeprägtem Hang zur Obrigkeitsgläubigkeit auf Dauer profilieren, bleibt abzuwarten.

Abzuwarten bleibt übrigens auch, ob sich die Saarländer nach dem zu erwartenden, nun ja, „lebhaften“ Echo auf diese Premiere trauen, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Von Rudolf Ogiermann

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