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Überfrachtet und konstruiert

"Tatort"-Kritik: Zu viel Vergangenheit

Leipzig - "Tatort"-Kommissarin Eva Saalfeld wird in "Türkischer Honig" zum zweiten Mal von ihrer Vergangenheit eingeholt. Doch der eigentlich gefällige Plot kommt in der Kritik nicht gut weg.

In „Türkischer Honig“, dem jüngsten „Tatort“ des MDR, wird Hauptkommissarin Eva Saalfeld (Simone Thomalla) zum zweiten Mal von ihrer Vergangenheit eingeholt. War es 2011 der totgeglaubte Vater, der in „Nasse Sachen“ aus der Versenkung auftauchte, im Gepäck eine ungute Stasi-Vergangenheit, ist es nun Saalfelds Halbschwester Julia (Josefine Preuß).

Die junge Frau, von deren Existenz die Ältere bis dahin nichts wusste, fordert erst überraschend ein Treffen ein, bei dem sie dann vor den Augen der Polizistin entführt wird. Starker Tobak. Doch auch derlei ruft bei Thomalla kaum eine Veränderung der starren Mimik hervor. Ex-Gatte und Kollege Keppler (Martin Wuttke) dagegen müht sich redlich, Licht in die diffuse, oft unlogische Krimihandlung rund um ein Geschäft für türkische Süßwaren und eine zerstrittene zypriotisch-türkische Sippe zu bringen.

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Eigentlich ein gefälliger Plot, den Regisseurin Christine Hartmann da zu arrangieren hatte. Leider wollte Autor Andreas Pflüger ein paar Aspekte zu viel erzählen. Und so wirkt, was eine dichte, spannende Geschichte über enttäuschte Lieben, traurige Männer und falsch getroffene Entscheidungen hätte werden können, hoffnungslos überfrachtet und konstruiert.

Die Vergangenheit drängt in den Fällen des Leipziger Ermittlerteams immer wieder in die Gegenwart hinein, das scheint beim MDR ein dringendes Anliegen zu sein. Doch außer den Szenen mit Wuttke und Denis Moschitto, denen Hartmann ein paar stimmig-intensive Momente zugesteht, lassen einen die gehäuften bitteren Erinnerungen und herzzerschmetternden Beziehungskonflikte diesmal eigentümlich kalt. Die scheinbare Dramatik, besonders in den Auseinandersetzungen zwischen den Schwestern, gipfelt in papierernen Sätzen, die sogar die wie immer großartige Josefine Preuß nicht retten kann.

Quotenrennen: „Traumschiff“ hängt „Tatort“ ab

Kräftemessen zweier Quotengaranten: Die ZDF-Serie „Traumschiff“ hat am Neujahrsabend das Quotenrennen gegen den „Tatort“ im „Ersten“ gewonnen. Die Episode „Das Traumschiff: Perth“ erstmals mit Schauspieler Sascha Hehn (59) in der Rolle des Kapitäns - früher hatte er bereits einen Steward gespielt - sahen am Mittwochabend zur Prime Time um 20.15 Uhr 8,66 Millionen Zuschauer (23,0 Prozent). Damit wurde der ARD-„Tatort“ dieses Mal auf den zweiten Platz verwiesen. 7,98 Millionen (21,1 Prozent) verfolgten die Episode „Türkischer Honig“.

Ulrike Frick/dpa

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