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Jung und Alt: Johanna Stern (Lisa Bitter, l.) und Lena Odenthal (Ulrike Folkerts).

Angestrengte Selbstreflexion

Tatort-Kritik: Die Krise der Kommissarin

Ludwigshafen - Bei "Blackout" geht es neben einem verzwicktem Kriminalfall vor allem auch um die Krise der Kommisssarin. Die Kritik zur 60. Tatort-Folge aus Ludwigshafen:

„Sie nehmen das alles zu persönlich“, sagt die Neue zu Lena Odenthal irgendwann in diesem Film, wohl nicht zufällig in einem Raum, in dem sonst Vernehmungen stattfinden. Um hinzuzufügen: „Die Zeiten ändern sich, und Sie werden auch nicht jünger!“ Zu diesem Zeitpunkt ist längst klar, dass in dieser 60. ARD-„Tatort“-Folge aus Ludwigshafen nicht nur ein Mörder gesucht, sondern auch die persönliche Krise der Kommissarin thematisiert wird.

Von Anfang an steht in „Blackout“ die von Ulrike Folkerts seit 25 Jahren gespielte Ermittlerin im Fokus der Handlung, die Diagnose von Fallanalytikerin Johanna Stern (Lisa Bitter) scheint über den eigentlichen Krimiplot hinauszuweisen. Es klingt, als werde hier vor allem die Zukunft der Figur und der Darstellerin verhandelt und bereits laut über eventuelle Nachfolger(-innen) nachgedacht.

Eine Selbstreflexion, die allerdings über weite Strecken recht angestrengt wirkt. So wie sich die Kamera (Andreas Schäfauer) immer wieder nah ans graue, wie versteinert wirkende Gesicht Odenthals heranzoomt, so beschwört auch das Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn (zu) viele Situationen herauf, in denen die Kommissarin mit den Defiziten ihres Lebens konfrontiert wird. „Sie wissen doch gar nicht, was Liebe ist“, sagt die Witwe des Opfers, im Gespräch mit dem Barkeeper geht’s um den Horror, einsam zu sterben, mehr als einmal wird Lena darüber hinaus klar gemacht, dass, wenn man jung ist, „Spaß haben“ die Hauptsache sei. Ja, ja, verstanden!

Folkerts als körperlich und seelisch kränkelnde Kriminalerin und Andreas Hoppe als sensibler Kollege und Mitbewohner Mario Kopper spielen ihre Rollen so gut sie können, doch richtig echt wirkt das alles nur selten. Am besten sind die Szenen, an denen die starke Lisa Bitter als neue Kraft beteiligt ist – so, als blase allein die Existenz eines frischen Charakters bei allen Mitwirkenden den Staub der Routine weg.

Auch was den eigentlichen Fall angeht, die Rache eines Vergewaltigungsopfers, die den Falschen trifft, gelingt es den Schauspielern nur schwer, sich vom Papier zu lösen und ihren Figuren Konturen zu verleihen. Regisseur Patrick Winczewski gibt ihnen kaum Gelegenheit dazu. Das (allzu) klassische Finale kaschiert die inszenatorische Blutleere dieser im Prinzip gar nicht schlecht gebauten Geschichte.

Kann schon sein, dass Lena Odenthal in der Krise ist, ganz sicher sind es die Macher, die nun schon länger keinen richtig guten Ludwigshafener „Tatort“ mehr hinbekommen haben.

Rudolf Ogiermann

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