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Wer ist der Stärkere? Der Verdächtige Fritz Kreininger (Matthias Lier, Mitte) kämpft mit den Kommissaren Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, l.) und Ivo Batic (Miroslav Nemec)

Platt und verstaubte Sätze

München-"Tatort": Klischeehaft bis zur Lächerlichkeit

München - Mit einem Haufen Klischees hat sich der Münchner Tatort "Allmächtig" am Sonntag durch die Sendezeit gekämpft. Der Regisseur hatte keine Chance, aus diesem Buch einen guten Film zu machen. Eine Kritik:

Der Ex-Neonazi, der seine Vergangenheit nicht los wird, der Wirt, der sein Lokal zumachen muss, weil seine Frau als Messie geoutet wird, der katholische Pfarrer, dem man ein uneheliches Kind andichtet – von Cybermobbing handelt der jüngste Münchner "Tatort" (ARD). Und weil es bei diesem Sujet starker Bilder bedarf, haben sich Gerlinde Wolf, Harald Göckeritz und Edward Berger dazu einen Internetsender ausgedacht, dessen "Star" (überdreht bis zur Karikatur: Alexander Schubert) seinen Opfern auflauert wie ein Stalker, verfolgt von einer wackeligen Kamera. Schon das ist zugespitzt, doch in ihrer Lust aufs Grobe erfindet das Autorentrio noch eine Gegenseite, die den modernen Rufmord auf ausgesprochen archaische Weise bestraft – zwei Priester, die auf Exorzismus schwören.

Es ist schon unglaublich platt, was der Bayerische Rundfunk in "Allmächtig" seinen Zuschauern als "Realität" bietet – hier ein zynischer Menschenjäger, dessen zur Schau gestellte Skrupellosigkeit nur noch lächerlich wirkt, dort die offensichtlich direkt aus dem Mittelalter importierten Geistlichen, die verstaubte Sätze sagen müssen wie: "Der Teufel zeigt seine Fratze in der Lüge." Wie tief im Klischee muss man eigentlich wühlen, um sich so einen Schmarrn auszudenken?

Es wundert nicht, dass Regisseur Jochen A. Freydank aus diesem Buch keinen guten Film machen konnte. Hubschrauberflüge über Almen (aber die "Spusi" ist trotzdem eher da als die Kommissare!), "Wo-waren-Sie-am-Sonntag?"-Dialoge, ein zu Tode gerittenes Motiv des Fliegenbefalls als Symbol für Verrohung oder Verwahrlosung, mehr ist ihm nicht eingefallen. Und weil klassische TV-Ermittlungsarbeit nicht gefragt ist, wird die den Exzess auslösende Tat dem Zuschauer zwischendurch als Videoclip geliefert. Keine Fragen mehr.

Angesichts so vieler Schwächen fallen die unterirdischen Schauspielerleistungen nicht weiter ins Gewicht. Schade um Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl als Ermittlerduo Batic und Leitmayr, die bessere Stoffe verdient hätten. Dass Hannes Karlhuber (David Baalcke) das Angebot, ihr Assistent zu werden, erst mal ablehnt – wer will es ihm verdenken?

Rudolf Ogiermann

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