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Dem Verbrechen auf der Spur: Justine Hauer alias das „Beckchen“ fachsimpelt mit Sebastian Bezzel, der Perlmann spielt.

Interview mit Justine Hauer

Bodensee-Tatort: So sieht die Frau im Hintergrund ihre Rolle

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München - Am Sonntagabend hat sich das Tatort-Team vom Bodensee von den TV-Schirmen verabschiedet. Justine Hauer, die als Sekretärin „Beckchen“ aktiv war, blickt im Interview zurück.

Alberich in Münster, der ­Pathologe in Köln - es sind auch die Nebenrollen, die einem Tatort oft eine besondere Note verleihen. Justine Hauer spielte seit der ersten Folge an der Seite von Eva Mattes und Sebastian Bezzel die Sekretärin Annika Beck, liebevoll „Beckchen“ genannt. Sie war in allen Folgen dabei - bis auf eine Ausnahme: 2011, da war sie gerade Mutter geworden. Am Sonntagabend nun lief der letzte Tatort vom Bodensee. Wir wollten von der 45-jährigen Wahlkölnerin wissen, was der Abschied aus der Kultkrimireihe für sie bedeutet.

Frau Hauer, alle reden davon, dass es der letzte „Tatort“ von Eva Mattes und Sebastian Bezzel ist. Es ist aber auch Ihr letzter Fall. Wie geht es Ihnen damit?

Justine Hauer: Ich bin ganz wehmütig, denn es war eine sehr schöne Zeit. 15 Jahre - das ist ja schon was …

Was bleibt Ihnen in besonders guter Erinnerung?

Justine Hauer (M.) mit Eva Mattes und Daniel Roesner.

Hauer: Für mich hat es sich immer angefühlt wie nach Hause kommen, wenn ich zum Drehen nach Baden-Baden oder Konstanz gefahren bin. Über die Jahre habe ich mich mit den Kollegen angefreundet, mit Eva und Sebastian genauso wie mit dem Team, das hinter der Kamera arbeitet. Wir waren wie eine große ­Familie und haben uns zwei Mal im Jahr sehr aufeinander gefreut.

Eva Mattes, Sebastian Bezzel und Sie - da treffen aber auch sehr unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander, oder?

Hauer: Ja, das stimmt. Wir sind sehr unterschiedlich und trotzdem eint uns sehr viel, zum Beispiel die Heiterkeit. Wir haben es immer sehr lustig gehabt am Set. Wir waren ein sehr lockeres Team.

Dabei haben sich die „Tatorte“ vom Bodensee oft durch besonders düstere Szenarien ausgezeichnet, auch durch eine starke Melancholie.

Hauer: Vielleicht brauchten wir die Heiterkeit in den Drehpausen gerade deswegen so sehr, sozusagen als Kompensation (lacht). Was mir übrigens auch sehr gefallen hat: Ich hatte die Möglichkeit, ganz viele spannende deutsche Schauspieler kennenzulernen.

Die jeweiligen Episoden-Darsteller?

Hauer: Ja, ich habe zwar immer nur die getroffen, die ins Büro kommen mussten (lacht), aber Otto Sander zum Beispiel habe ich kennengelernt, der ­leider nicht mehr lebt. An die Dreharbeiten mit ihm erinnere ich mich sehr gerne. Michael Verhoeven war damals unser Regisseur, ein so angenehmer Mensch. Wir waren alle ganz glücklich.

Welchen Stellenwert hatte die Rolle als Beckchen in Ihrem Leben?

Hauer: Sie war ein Geschenk für mich. Beckchen ist so eine positive und nahbare Figur, das mochte ich sehr gerne. Die Menschen auf der Straße begegnen mir wohl auch deswegen auf sehr angenehme Weise. Die winken mir im Zug zu und rufen „Hallo Beckchen“ oder „Frohe Weihnachten, Beckchen“. Das war immer sehr nett.

Wie viele Drehtage hatten Sie pro Film?

Hauer: Sehr unterschiedlich. Am Anfang war die Rolle ­etwas größer, da hatte ich meistens so fünf bis acht Drehtage. Später wurde es weniger, was auch damit zusammenhing, dass wir mit den Schweizer ­Kollegen zusammengearbeitet haben. Und je mehr Figuren im Spiel sind, desto kleiner werden die einzelnen.

Für Ihren Lebensunterhalt hat das nicht gereicht, oder?

Hauer: Es war immer eine Grundlage. Ich wusste, zwei Mal im Jahr kommt Geld. Das war schon mal nicht schlecht und eine gewisse Form der ­Sicherheit.

Haben Sie vor diesem Hintergrund Respekt vor der Zeit ohne „Tatort“?

Hauer: Ein bisschen durchaus, ja. Ich bin natürlich traurig, dass es zu Ende ist. Auf der anderen Seite habe ich nun die Chance, auch mal etwas anderes zu spielen, auch wenn ich durch Beckchen schon ziemlich festgelegt bin auf die Rolle der Sekretärin (lacht). Es wäre schön, wenn sich das ein bisschen verändert.

Sie spielen viel Theater.

Hauer: Ja, ich bin seit 15 Jahren im Ensemble des Fringe-Theaters in Bonn. Da bin ich sehr gerne und mit viel Leidenschaft dabei.

In der finalen Folge am vergangenen Sonntag durfte Beckchen noch mal ­ordentlich flirten …

Hauer: Ja, da haben sich die Autoren zurückbesonnen auf die Anfänge, wo Beckchen ja unglaublich viel und gerne geflirtet hat. Das war ja eigentlich ihre größte Leidenschaft (lacht). Schön, dass sich so der Kreis wieder schließt.

Interview: Stefanie Thyssen

Kolumne: Dem Tatort auf der Spur

Sie sind sich bis zum Ende treu geblieben - das kann man als Kompliment verstehen oder auch nicht. So düster, bedeutungsschwanger und getragen wie im letzten Tatort vom Bodensee, der am Sonntagabend lief, ging es in sehr vielen Filmen mit Eva Mattes als Klara Blum zu.

Immerhin hatten sich die Macher eine nette Besonderheit ausgedacht: Zum großen Finale kam Mattes noch mal mit den drei großen Fassbinder-Frauen Irm Hermann, Margit Carstensen und Hanna Schygulla zusammen. Die vier hatten einst in Die bitteren Tränen der Petra von Kant gemeinsam vor der Kamera gestanden. Nun durften sie im Tatort die großen Fragen des Lebens stellen und vor sich hin philosophieren. Nun gut. „Ich bin nicht sentimental“, hat Eva Mattes über ihren Abschied vom Tatort gesagt. „Für mich war das der richtige Zeitpunkt aufzuhören.“ Man kann sie verstehen.

thy

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