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Harald Krassnitzer als Moritz Eisner und Adele Neuhauser als Bibi Fellner im österreichischen "Tatort".

Krimi plätschert dahin

"Tatort" aus Österreich: Brav, zahnlos, machtlos

München/Wien  - Ruhig fließt die Donau. Und ruhig plätschert auch dieser Wiener „Tatort“ unter dem Namen „Gier“ dahin. Bis auf den Auftakt, als sich eine junge Frau in einer Chemiefabrik verzweifelt ihren verätzten und durchlässigen Schutzanzug vom Leib reißt, passiert erst einmal herzlich wenig.

Das auch noch derart gedehnt, dass man sich an alte „Derrick“-Folgen erinnert fühlt. Nicht nur des tranigen Inszenierungstempos von Regisseur Robert Dornhelm, sondern auch der permanenten inhaltlichen Doppelungen wegen. Irgendwann hat es selbst der unaufmerksamste Zuschauer begriffen, aber es wird zur Sicherheit nochmals in Bild und Ton wiederholt: Bei der jungen Frau handelt es sich um das geliebte Patenkind ihres Chefs. Das ist dann auch der – nicht sehr plausible – Grund, warum sich Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) von der Mordkommission überhaupt mit diesem tragischen Unglücksfall befassen müssen.

Überraschend schnell – wenn auch nicht unerwartet – stellt sich heraus, dass der Gummianzug aus minderwertigem Material gefertigt wurde. Der Betrugsskandal, der dahinter steckt, will aber auch nicht so recht greifen. Gewissenlose Geschäftemacher und die fatalen Folgen dieses Profitdenkens sollen angeprangert werden. Schließlich heißt die „Tatort“-Folge ja auch „Gier“. Kommt aber trotzdem vor lauter braver Zahnlosigkeit nicht in die Gänge.

Daher verfiel Drehbuchautorin Verena Kurth auf die Idee, noch ein deftiges Beziehungsdrama innerhalb der Besitzerfamilie der Firma zu konstruieren. Dieser Handlungsstrang ist zwar mit Maria Köstlinger als intriganter Gattin und allen voran Anian Zollner als ins Irrenhaus verfrachteter Konzernchef bestechend gut gespielt. Doch gegen die konsequente Häufung von unglaubwürdigen Zufällen und am Reißbrett ersonnenen Konflikten und Beziehungen sind auch die besten Darsteller irgendwann einfach machtlos.

Ulrike Frick

"Tatort"-Jubiläum

Es war der 950. "Tatort"-Fall in der ARD. Wahrscheinlich Ende 2016 steht der 1000. an. Für diesen will sich die ARD etwas Besonderes ausdenken. Die Krimireihe "Tatort" gibt es seit Ende 1970.

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