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Der Entführer David Frank ist seinen Verfolgern voraus.

Kritik zum Krimi aus Wien

Tatort „Schock“: Mordfantasien eines Studenten

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München - Am Sonntag handelten der Tatort „Schock“ aus Wien vom schmalen Grat zwischen Anpassung und der Bereitschaft, bis zum Äußersten zu gehen. Eine Kritik.

Er werde tun, woran viele andere nur dächten, sagt Student David Frank kurz vor Schluss. Die Selbstmord-, die Mordfantasie als Normalität, die nur deswegen Theorie bleibt, weil sich die meisten, die solche Fantasien hegen, zum Glück doch nicht trauen, sie auszuleben? Der neue Tatort (ARD) aus Wien beschäftigt sich mit dem extremen Leistungsdruck an den Universitäten. Im Mittelpunkt der Handlung steht eben jener David Frank (Aaron Karl), Sohn erfolgreicher, ehrgeiziger Eltern, der mit der Auslöschung seiner Familie ein Zeichen setzen will gegen ein „krankmachendes System“.

Die Jagd der Ermittler nach dem potenziellen Amokläufer gibt den Rhythmus vor in diesem Krimi, dessen kalte Farben die Kälte des (hoch-)schulischen Milieus von heute illustrieren sollen. Gemütliches Studentenleben – war da mal was? Erstaunt stellt man fest, wie schnell ein vermeintlich Irrer zum Sympathieträger mutiert, wie schmal der Grat zu sein scheint zwischen Anpassung und der Bereitschaft, bis zum Äußersten zu gehen. „Maximaler Wettbewerb, minimale Zukunftsperspektiven“ – Autor und Regisseur Rupert Henning findet eindringliche Bilder für die seelische Not der künftigen Akademiker (unter ihnen auch die Tochter des Chef­ermittlers). Die permanente Prüfungssituation bestimmt den Alltag, zu bewältigen offenbar nur noch mit Psychopharmaka.

Die bunte Polizeitruppe mit Alphatier Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) an der Spitze ist das Kontrastprogramm – zumindest auf den ersten Blick. Denn auch hier ist der Egoismus die bestimmende Kraft, auch hier versucht jeder, den anderen im Team schlecht aussehen zu lassen. Vieles ist gelungen, beispielsweise das skurrile Duell zwischen Eisner und Partnerin Bibi Fellner (Adele Neuhauser), anderes wie die Motive der Komplizen des (Selbst-)Mörders aus Verzweiflung – Mercedes Echerer als Dozentin – wirken ein wenig konstruiert.

Am Ende wird’s philosophisch, dennoch liefert Schock, wie der Titel schon sagt, ganz und gar alarmierende Einblicke in die Lebenswirklichkeit der jungen Generation.

Lesen Sie auf merkur.de, wie der Tatort „Schock“ in der Vorab-Kritik bewertet wurde.

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