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Sebastian Bootz (Felix Klare, 2.v.li.) ist überzeugt, dass Viktor de Man (Filip Peeters, 2.v.re.) sie linken wird, kaum dass er die Polizeidienststelle verlassen hat. Thorsten Lannert (Richy Müller, li.) dagegen ist bereit, de Man zu vertrauen.

Spiel auf Zeit

Tatort-Kritik: Krimi an die Wand gefahren

Stuttgart - Den Ermittlern eine ganze Folge lang dabei zuzusehen, wie sie ein Verbrechen zu verhindern versuchen, ist eine reizvolle Variation im ARD-„Tatort“. Aber nur, wenn man das Potenzial hat, eine solche Geschichte glaubwürdig und spannend zu erzählen.

Der jüngste Fall aus Stuttgart, „Spiel auf Zeit“, zeigt, wie man einen Krimi an die Wand fahren kann, weil eine gute Idee zu einem schlechten Drehbuch (Holger Karsten Schmidt) verwurstet wird und die Darsteller – mit Ausnahme von Filip Peeters als in allen Farben schillerndes Schlitzohr – nicht das Potenzial haben, der Story wenigstens noch einen Restcharme zu verleihen.

Beispielhaft für die Schwäche des Plots steht das angestrengte Rätselraten der Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) darüber, zu welchem Coup sie die Tipps ihres Informanten wohl führen mögen. Dass neben einer Bank auch ein nicht alltäglicher Werttransport ein Ziel sein könnte, haben die Stuttgarter partout nicht wissen können? Hinzu kommt das amateurhafte Vorgehen der beiden Ermittler, die am Ende mit ihren Dienstpistolen gegen – bekanntermaßen – schwer bewaffnete Räuber in den Kampf ziehen. Viel Action, null Realismus.

Überhaupt befremdet der Entschluss von Drehbuch und Regie (Roland Suso Richter, der es eigentlich besser kann), den braven Bootz als Rambo zu inszenieren, der nichts zu verlieren hat. Nicht nur beim Finale, auch schon bei einem Alleingang am Anfang wirkt das ziemlich lächerlich. So wie die Macher am Fall selbst scheitern, versieben sie auch die Szenen aus dem Privatleben des Kriminalers. Ihn beim Krisengespräch mit der Noch-Ehefrau im Café „Ist was mit den Kindern?“ fragen zu lassen, ist nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von peinlichen Dialogen – auch mit dem tröstenden Kumpel Lannert („Hör’ auf zu grübeln!“).

Eine Carolina Vera als dauerhaft fehlbesetzte Staatsanwältin, die nicht viel mehr kann als ernst dreinzuschauen, passt ins Bild dieses gänzlich misslungenen Krimis.

Rudolf Ogiermann

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