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Freundschaft in der Zerreißprobe: Lannert (Richy Müller, re.) und Bootz (Felix Klare) im jüngsten ARD-„Tatort“. 

TV-Kritik

Leben gegen Leben im Stuttgarter "Tatort"

Selten hat man die Stuttgarter "Tatort"-Ermittler so gut gesehen: In "Preis des Lebens" werden die Kommissare selbst zu Opfern. Lesen Sie hier unsere TV-Kritik.

„Ihr Leid gibt Ihnen nicht das Recht, sich über das Gesetz zu stellen“ – als der Stuttgarter „Tatort“-Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) diesen Satz zu Frank Mendt sagt, ist alles noch klar. Mendt und seine Frau haben den Vergewaltiger und Mörder ihrer Tochter getötet, und das ist strafbare Selbstjustiz. Als die verwaisten Eltern dann aber die Tochter seines Kollegen Sebastian Bootz (beeindruckend: Felix Klare) kidnappen, um die Herausgabe eines Komplizen von damals zu erpressen, liegt der Fall plötzlich ganz anders. Denn nun ist der Kriminaler und Vater buchstäblich persönlich betroffen, nun erweist sich ein Wort wie „Ich kann Sie gut verstehen, aber...!“ rückblickend als Phrase, schnell dahingesagt, ohne eigenes Risiko.

Eine Dreiviertelstunde lang ist „Preis des Lebens“ eine Geschichte über ein Ehepaar, das den grausamen Tod des einzigen Kindes sühnen will, indem es auch die Mörder tötet. Eine Geschichte, in der es nur darum zu gehen scheint, ob es Lannert und Bootz gelingt, die zweite „Hinrichtung“ zu verhindern. Erst dann beginnt das eigentliche Drama, dann steht ganz direkt Leben gegen Leben, das eines weiteren unschuldigen Kindes gegen das eines Mittäters, der obendrein für sein Verbrechen nie bestraft wurde.

Autor Holger Karsten Schmidt liefert keine einfachen Antworten und keinen finalen Rettungsschuss, er erzählt von einem Polizisten im extremen Gewissenskonflikt und von zwei Menschen, die nicht nach Blut dürsten, sondern nicht ertragen können, dass jede „irdische“ Strafe einmal verbüßt ist, ihr eigener Schmerz jedoch nie nachlässt.

Schmidts Krimi um Recht und Moral verlangt auch dem Team alles ab. Und das leistet Großartiges. Selten hat man die Stuttgarter so gut gesehen, sogar Carolina Vera als Staatsanwältin wächst über sich hinaus. Regisseur Roland Suso Richter fokussiert das Ringen der beiden Kommissare um die richtige Strategie, er zeigt die frischen Wunden bei Bootz und die Narben bei Lannert, eine Freundschaft in der Zerreißprobe. Er zeigt aber auch die andere Seite, ein altes Ehepaar (grandios in ihrer Härte der Verzweiflung: Robert Hunger-Bühler und Michaela Caspar), die so handeln wie sie handeln, weil sie nichts mehr zu verlieren haben. 

Rudolf Ogiermann

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