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Der Film erschüttert selbst die Kommissare Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic, r.) in ihren Grundfesten.

Tatort-Kritik: Krimi wagt sich an heikles Thema

Berlin - Im Tatort "Edel sei der Mensch und gesund" ging es am Sonntagabend nicht nur um Alibis und Verhöre sondern auch um ein gesellschaftlich heikles Thema. Eine Kritik:

Ist ein Mörder automatisch böse? Und ein Arzt, der seinen Patienten die bestmögliche Behandlung angedeihen lässt, per se gut? Einfache Antworten gibt es auf diese Fragen nicht in Florian Froschmayers aktuellem Berliner „Tatort: Edel sei der Mensch und gesund“ (ARD). Was er langsam, fast langatmig beginnen lässt als zähe Ermittlung im Fall um einen Ärztefehler, gewinnt im Laufe der Handlung ganz unvermittelt Brisanz (Buch: Dinah Marte Golch mit Gerhard J. Rekel).

Der Betrug bei Abrechnungen von Privatpatienten entpuppt sich nicht als reines Wirtschaftsdelikt, sondern als ethischer Dreh- und Angelpunkt unseres Gesundheitssystems: Muss ein Arzt strikt den gesetzlichen Richtlinien folgen, auch wenn das bedeutet, dass er seinen hippokratischen Eid verletzt und gesetzlich versicherte Patienten nur unzureichend behandelt? Wo beginnen moralische Verpflichtungen, wo enden individuelle Ermessensspielräume? Dort, wo ein Kind leidet, ein Mensch stirbt?

Froschmayer wagt es, unter dem Deckmantel des klassischen Krimis mit Alibis, Nebenhandlungen und Verhören ein gesellschaftlich heikles Thema aufzugreifen. Natürlich überhöht er es dramaturgisch, spitzt es zu, damit der Mord an der jungen, ehrgeizigen Medizinerin Antja Berger (Julika Jenkins) plausibel wird. Doch er schafft es gleichzeitig, nicht nur seine Kommissare Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic) in ihren Grundfesten zu erschüttern. Auch der Zuschauer bleibt zutiefst verunsichert zurück. Ein eindeutiges „Gut“ oder „Böse“ gibt es hier nicht mehr.

Alle Tatort-Teams ab Herbst 2012

Von Melanie Brandl

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