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Larissa Pantschuk (Emilia Schüle) kommt in einer Szene des "Tatort - Wegwerfmädchen" auf einer Müllverbrennungsanlage schwerverletzt wieder zu sich. Der Film geht am Sonntag in den zweiten Teil

Am Sonntag geht's weiter

Tatort: Viele wussten nichts vom 2. Teil

Berlin - Für fast elf Millionen "Tatort"-Zuschauer gab es beim letzten Mal kein Happy End. Dass Menschenhändler und Mörder ungeschoren davon zu kommen scheinen, hat viele Zuschauer verdutzt und manchen geärgert.

Viele Tausend „Tatort“-Fans sind nach der letzten Folge „Wegwerfmädchen“ verwundert ins Bett gegangen. Am vergangenen Sonntagabend war nach 87 Minuten auf einmal der Film aus. Und wie er ausging! Staatsanwalt tot, Kronzeugin in den Fängen der Verbrecher, LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm in der Sackgasse, ihr Freund im Zwielicht. Dass der Fall am kommenden Sonntag um 20.15 Uhr weitergeht, hatten viele der fast elf Millionen Zuschauer gar nicht mitbekommen. Manche, die davon wussten, waren dennoch irritiert. Die drastischen Darstellungen hätten ihnen „Schmerzen bereitet“, sagt der NDR-Verantwortliche Christian Granderath.

Auf einen Hinweis auf Teil zwei hatte der NDR im Abspann bewusst verzichtet. Granderath erläutert, jeder „Tatort“ solle für sich selbst stehen können. „Gut, dass man wenigstens hier im Forum erfährt, dass das ein Zweiteiler ist. Auf der ARD-Seite steht nämlich nichts davon“, klagt ein Nutzer mit dem Pseudonym „dasVeilchen“ im Zuschauerforum der „Tatort“-Internetseite. „jani66“ antwortet: „Hatte es auch nicht gewusst, wollte mich schon beschweren, dass es da keinen gescheiten Schluss gibt.“ Manche Zuschauer erfuhren davon erst nach Tagen.

Rund 1000 Reaktionen von Twitter bis hin zu Anrufen und Briefen hätten den Sender erreicht, sagt Granderath, der beim NDR Leiter der Abteilung Film, Familie und Serie ist. Die große Mehrheit sei positiv gewesen. Knapp ein Zehntel der Reaktionen drehte sich allerdings darum, dass Zuschauer Probleme mit dem Schluss der ersten Folge hatten. „Es gab eine Minderheit von Zuschauern, die verunsichert waren, dass die Übeltäter in Hannover ungeschoren davon zu kommen scheinen. Das hat sie nicht wirklich gefreut.“ Granderath sagt: „Es gibt offenbar ein starkes Bedürfnis, dass am Ende von 90 Minuten "Tatort" der Bösewicht in Ketten hinter Gittern sitzt.“ Beim Kieler „Tatort“ mit dem Titel „Borowski und der stille Gast“, bei dem vor kurzem ein Verbrecher davonkam, habe es ähnliche Reaktionen gegeben.

Im zweiten Teil von „Wegwerfmädchen“ - er trägt den Titel „Das goldene Band“ - setzt die Handlung Wochen nach der tödlichen Sexparty in einem Villenviertel ein. Lindholm weiß: Ihre wichtigste Spur zu der Verschwörung in Hannovers Oberschicht ist Klaus Littchen, der Mörder der 16-jährigen Osteuropäerin Gretchen Kubina und unterbelichtete Handlanger von Rockerchef Uwe Koschnik. Littchen lebt aber nicht mehr lange - und das ist nicht die letzte Leiche im Film.

„Wir werden nun sicher nicht jeden "Tatort" als Zweiteiler konzipieren, aber es ist ganz sicher auch möglich, so zu erzählen. Man muss Grenzen immer wieder ausloten, Neues entdecken wollen“, schildert Granderath. Er beteuert, dass man den zweiten Teil auch gut verstehe, wenn man die erste Folge nicht gesehen habe.

Wer aufholen will, kann allerdings in der ARD-Mediathek noch Teil eins sehen. Wegen der Gewaltszenen in dem Krimi schaltet das „Erste“ die Episode ihn nur zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens frei.

„Wegwerfmädchen“ bescherte dem NDR eine Rekordquote für den „Tatort“ aus Hannover mit Maria Furtwängler: Es war die meistgesehene Sendung des Wochenendes. Der Marktanteil betrug 28,4 Prozent.

Christof Bock, dpa

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