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Johannes Leopold Trachtenfels (Udo Samel, Mitte) führt die Wiener Tatort-Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) an der Nase herum.

Kritik zum ARD-Sonntagskrimi

Tatort in Wien: Da fehlte einfach der Wums

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München - Der Tatort in Wien hat sich mit "Deckname Kidon" Großes vorgenommen: Iran, Atom, Mossad - fast schon bondmäßig. So richtig durchgezogen hat das Team es leider nicht. Die Kritik zum ARD-Krimi.

Die Bibi hat schon recht, wenn sie sagt, sie und Eisner steckten mitten in einem Agentenkrimi. Immerhin kriegen’s die beiden mit dem israelischen Geheimdienst zu tun. Der murkst quasi planmäßig Wissenschaftler ab, die das iranische Atomprogramm vorantreiben, diesmal einen Dr. Bansari. Der Fall ist, wie Polizeichef Rauter (Hubert Kramar) sagt, „extrem glattes Parkett“. Einen James Bond hätte das heiß gemacht. Aber wir sind ja nicht bei Bond. Sondern bei Bibi (Adele Neuhauser) – und Eisner (Harald Krassnitzer).

Leider wagen sie sich nicht weit vor auf dieses glatte Parkett. Dabei wär’s nötig, denn das Szenario des Wiener „Tatort“ mit dem Titel „Deckname Kidon“ ist ja durchaus denkbar. Israel und Iran sind nicht gerade dicke Freunde, das Atomprogramm ein echtes Problem. Aber weder Buch (Max Gruber) noch Regie (Thomas Roth) schaffen es, dem brisanten Stoff Wums zu geben. Stattdessen lassen sie Bibi und Eisner gegen einen Provinzfürsten anrennen. Der ist mit Udo Samel zwar wunderbar halbseiden besetzt, wirkt aber schon durch seinen Namen Johannes Leopold Trachtenfels-Lissé – für Freunde „Scholli“ – wie die Karikatur eines Bösewichts. Im Film wird das genauso zum Problem wie der Versuch, ein globales Thema zu provinzialisieren. Die Kommissare werden selbst von einem Lokalpolizisten übertölpelt. Mit den richtig Bösen, heißt das, können sie erst recht nicht mithalten.

Diesem Tatort Wien fehlt einfach die Schlagkraft

Sie versuchen es und streifen in manchen Szenen sogar die Agenten-Action. Dass zwei „Tatort“-Ermittler einen Güterzug mit illegaler Fracht jagen, ist so noch nicht da gewesen. Dass der Zug aber von irgendeinem Fahrdienstleiter per Weichenmanöver gestoppt werden muss, passt wieder ins Bild. Wie ein Bond das wohl gemacht hätte – oder ein Schimanski?

Das ist zwar allemal besser als der Vorgänger-Fall, bei dem es um drogendealende Senioren ging. Aber es ist weit weg von der Schlagkraft, die dem Wiener Team schon den Adolf-Grimme-Preis einbrachte. Wie weit, das zeigt das Ende. Der böse Scholli darf noch einen richtig bösen Satz über Geld, Macht und die Machtlosigkeit der Polizei sagen. Sekunden später bringt ihn der Mossad um. Das wird irritierend positiv inszeniert. Im Anschluss fährt Eisner nonchalant seine Tochter im Krankenhaus besuchen. Machen Österreichs Polizisten frei, wenn der Geheimdienst Menschen erschießt? Heikel.

Marcus Mäckler

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