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Felix Murot (Ulrich Tukur) mit dem Mörder.

Unsere Vorab-Kritik ohne Spoiler

Tatort aus Wiesbaden: Eine Studie über das Morden

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Wiesbaden - "Warum sind immer nur die Menschen Helden, die Leben retten?" Das fragte der Mörder im neuen Tatort aus Wiesbaden "Es lebe der Tod". Dieser Film ist anders, denn der Zuschauer kennt den Mörder von Anfang an. Konnte das gut gehen?

Wenn Felix Murot (Ulrich Tukur) in Wiesbaden für das LKA ermittelt, darf man getrost davon ausgehen, dass man es nicht mit einem handelsüblichen Krimi zu tun bekommt. Der Hessische Rundfunk hat die Geschichten rund um den LKA-Ermittler noch nie nach dem bewährten Tatort-Muster "Leiche, Ermittlung, Mörder schnappen, Ende" erzählt. In den ersten Folgen aus Wiesbaden etwa litt Murot an einem Gehirntumor, mit dem er sich ständig unterhielt und später, im legendären Fall "Im Schmerz geboren", gab es nicht weniger als 51 Leichen und die Erzählstruktur erinnerte an Quentin-Tarantino-Filme.

In "Es lebe der Tod" wird der Mörder nach ungefähr 20 Minuten geschnappt. Ist der neue Fall aus Wiesbaden damit überhaupt noch ein Krimi? Nein. Es ist aber auch kein Thriller, in dem der Täter klassischerweise zu Beginn feststeht und die Story sich dann darum dreht, diesen zu kriegen.

Tatort eine Studie des Mordens

Was also ist es dann? Man könnte den Tatort getrost eine Studie über das Morden nennen. Denn der Mörder, der zunächst nicht einmal einen Namen hat, berichtet ganz genau: Von seinem ersten Mord als zehnjähriger Junge und davon, was ihn dazu bewegt, anderen Menschen aus dem Leben zu helfen. Denn so sieht er sich: als eine Art Erlöser. Er glaubt, er erlöst Menschen, die nicht am Leben hängen und aus den unterschiedlichsten Gründen sterben wollen. Ist er also wirklich ein Held, wenn er Menschen dieses Leben nimmt?

Es ist schwer, den Mörder (Jens Harzer) als Erlöser zu sehen. Denn er ist nicht charismatisch. Er wirkt, als wäre er einfach nur da, ist völlig unscheinbar. Würde man ihn auf der Straße sehen, er würde kaum auffallen. Er bringt auch niemanden um, der am Leben bleiben möchte. Jedenfalls denkt er das.

Die Wiesbadener Fälle leben davon, dass sie durchkomponiert sind, fast schon zu perfekt. Auch bei "Es lebe der Tod" ist das so. Da bekommt etwa ein Satz, den Murots Kollegin Magda Wächter (Barbara Philipp) am Anfang über dessen Geburtstag sagt, am Schluss eine völlig neue, zweite, ganz andere Bedeutung. Dieser Tatort ist ein Gesamtkunstwerk. Der Tod ist ästhetisch. Der Mörder sagt Sätze wie: "Keiner der Toten war komplett entkleidet, sowas mach ich nicht. Immer war die Umgebung sauber, angemessen, würdevoll."

Lohnt es sich also, "Es lebe der Tod" zu schauen?

Der Film ist etwas für Cineasten und Krimi-Liebhaber, die das Künstlerische schätzen. Hier kommt es auf die Kleinigkeiten an, auf die Bilder, die Musik, die Sätze, die die Menschen sagen. "Es lebe der Tod" ist eine Studie über das Morden. 

Wer jedoch gemütlich auf der Couch liegen und mitraten will, bei der Entlarvung des Täters dann doch ein bisschen überrascht sein, danach ins Bett gehen und am Montag mit den Kollegen über den Tatort reden möchte, könnte enttäuscht sein. 

Tatort heute aus Wiesbaden in der ARD und auf Twitter

"Es lebe der Tod" läuft am Sonntag, 20. November, um 20.15 Uhr in der ARD und ist danach 30 Tage lang in der Mediathek abrufbar.

Tatort aus Wiesbaden: Das waren die vergangenen Fälle

"Fangschuss" (Tatort aus Münster), "Borowski und das dunkle Netz" (Tatort aus Kiel), "Nachtsicht" (Tatort aus Bremen), "Tanzmariechen" (Tatort aus Köln), "Dünnes Eis" (Polizeiruf aus Magdeburg), "Der scheidende Schupo" (Tatort aus Weimar), "Schock" (Tatort aus Wien), "Land in dieser Zeit" (Frankfurt-Tatort), "Klingelingeling" (München-Tatort), "Wendehammer" (Frankfurt-Tatort), "Sumpfgebiete" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Taxi nach Leipzig" (1000. Tatort-Jubiläum), "Echolot" (Bremen-Tatort), „Die Wahrheit“ (München-Tatort), „Zahltag“ (Dortmund-Tatort), „Der König der Gosse“ (zweiter Fall aus Dresden), "Feierstunde" (Tatort Münster mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl), "Wölfe" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Und vergib uns unsere Schuld" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Wir - Ihr - Sie" (Berlin-Tatort), "Das Recht, sich zu sorgen" (Franken-Tatort), "Fünf Minuten Himmel" (Freiburg-Tatort), "Mia san jetz da wo's weh tut" (Jubiläumsfall München-Tatort), "Ein Fuß kommt selten allein" (Münster-Tatort), "Der Preis der Freiheit" (Polizeiruf des RBB).

pak

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