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Recherche: Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring).

Wilke Möhring überzeugt als Kommissar

Kritik: Viel zu viel Stoff für einen "Tatort"

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Wilhelmshaven - Wotan Wilke Möhring kann als Kommissar Falke beim "Tatort" aus Wilhelmshaven überzeugen. Der Krimi mit dem Titel "Kaltstart" allerdings weniger. Die Geschichte ist überladen, es gibt aber spannende Details. Eine Kritik:

Schauen wir zunächst auf Details. Denn bei dieser "Tatort"-Folge verrät Nebensächliches viel: Wie genau das Team um Regisseur Marvin Kren bei dieser Episode gearbeitet hat, zum Beispiel. Und wie sich der Ermittler Thorsten Falke entwickeln könnte, welche Anlage die Macher in die DNA dieser Figur geschrieben haben. Deshalb ist es hier auch wichtig, „Kaltstart“ als Teil einer größer angelegten Erzählung zu betrachten.

Da sehen wir also etwa den Kommissar, der inzwischen mit seiner Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) bei der Bundespolizei gelandet ist, in einer Szene im verwaschenen T-Shirt der legendären Punkband Minor Threat. Für die Musiker dieser Gruppe war der linksalternative Lebensentwurf nie Attitüde, sondern stets ernstes politisches Anliegen.

Wotan Wilke Möhring ist die perfekte Besetzung für Tatort-Kommissar Falke

Und gegen Ende dieser Episode, als das provisorische Büro der Mobilen Fahndungseinheit, für die Falke und Lorenz als erste Kommissare in der "Tatort"-Geschichte arbeiten, aufgelöst wird, gibt es eine kurze Szene, in der ein Techniker eine Schreibtischlampe wegbringt: An dieser klebt ein Foto, das Edward Snowden zeigt, der durch seine Aussagen die Aufdeckung des NSA-Abhörskandals ermöglicht hat.

Falke, das verdeutlichen diese beiden Beispiele, gehört zur Gegenöffentlichkeit, ausgestattet mit (gesundem) Misstrauen gegen das System. Umso spannender also, dass er als Polizist eben Teil dieses Systems ist – und das als Chef: Wotan Wilke Möhring zeigt immer wieder, wie schwer es seinem Falke fällt, sich in dieser Position einzurichten – und zu behaupten. Der Schauspieler, gelernter Elektriker und ehemaliger Punkmusiker, ist für diese Rolle die ideale Besetzung: Wenn Möhring ein Minor-Threat-Shirt trägt, sieht das nie verkleidet, sondern immer authentisch aus.

Viel zu viel Stoff für einen "Tatort"

Die gewissenhafte Ausstattung des Films (Kostüme: Anette Schröder; Szenenbild: Wolfgang Arens) ist eine Freude. Da sieht man dann auch gerne darüber hinweg, dass die Autoren Volker Krappen und Raimund Maessen die Hauptfigur nicht gar so sensibel etablieren wie ihre Kollegen von der Requisite: Falke-Sätze wie „Schauen’s sich die an, meine Hände. Das sind Arbeiterhände“ könnten subtiler formuliert werden, um über die proletarische Herkunft des Polizisten zu informieren.

Zurückhaltung hätte nicht nur mancher Dialogzeile gut gestanden, sondern auch dem Fall. Der führt die Ermittler von einem Schleuserring zu Waffenschiebern, die Potentaten in aller Welt, vor allem aber in Afrika, mit hochmodernen Spionage- und Kampfdrohnen versorgen. Das ist viel zu viel Stoff für einen "Tatort", sodass die Spannung manches Mal Pause macht.

Kameraführung beim aktuellen "Tatort" wie bei US-Thrillern

Kompliment indes für Kameramann Moritz Schultheiß, der eine eindringliche, dem Thema angemessene Bildsprache mit Flugaufnahmen, schnellen Schwenks und Zooms gefunden hat, die man sonst vor allem aus US-Thrillern kennt. Selbst wer das nicht mag, muss anerkennen, dass Schultheiß sein Konzept konsequent und stets im Dienst der Geschichte umgesetzt hat.

Um diese künftig zu entschlacken, sollten die Autoren beim Schreiben des nächsten Falke-Falls Minor Threat hören: Ein Punksong braucht lediglich drei Akkorde, um alles zu sagen.

Michael Schleicher

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