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Welcher der Entführer Lena Odenthals ( Ulrike Folkerts) hat Bernd Watzlawick auf dem Gewissen?

Stau in der Drehtür

Ludwigshafen - Nach dem "Tatort" sollten die Zuschauer im Netz weiterermitteln, doch der Server war dem Ansturm nicht gewachsen.

Den Leiter des Rauhberghofs oder die Hauspsychologin des Heimes für jugendliche Straftäter befragen, Anrufe des Kriminaltechnikers entgegennehmen, über neuen Obduktionsergebnissen grübeln – wer wollte, konnte und kann sich auch nach dem Ende des „Tatort“ (ARD) am vergangenen Sonntagabend um 21.45 Uhr mit dem jüngsten Fall der Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) beschäftigen. Denn die Befreiung der Ermittlerin aus der Hand der fünf jugendlichen Geiselnehmer ist zwar gelungen, doch die genauen Umstände des Todes ihres Betreuers liegen im Dunkeln. Welcher der fünf jungen Männer hat Bernd Watzlawick ermordet? Oder waren es alle gemeinsam? Oder keiner von ihnen?

Wer gleich am Sonntagabend online losermitteln wollte, wurde allerdings auf eine harte Probe gestellt. Der Server des Südwestrundfunks (SWR), aus dessen Haus der jüngste Lena-Odenthal-Krimi kam, war dem Ansturm nicht gewachsen. „Vor allem in der ersten Stunde dauerte es sehr lange, bis man sich anmelden konnte“, räumte Ingrid Günther von der Online-Redaktion des Ersten in München auf Anfrage unserer Zeitung ein. Beim SWR sprach man auch gestern Nachmittag noch von einer „großen Belastungssituation“. Es würden sich „unendlich viele Menschen“ für das Rätsel interessieren, so Marion Dilg von der Online-Redaktion des Senders: „Das ist so, als würden hundert Leute gleichzeitig durch eine Drehtür gehen wollen. Da geht dann auch nichts mehr.“ Jeder Click eines Spielers löse einen Prozess aus, den der Server verarbeiten müsse, daher könne es zu Verzögerungen im Spielablauf kommen. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Probleme zu lösen“, versprach Dilg.

Beim SWR bezifferte man die Zahl der Hobbyermittler gestern auf mindestens 35 000, eine vierstellige Zahl von Usern habe den Fall bereits abgeschlossen.

Auf die Idee gebracht hat die Verantwortlichen die hohe Zahl der „Tatort“-Fans, die sich nach – und manchmal auch schon während – der Ausstrahlung in sozialen Netzwerken über den aktuellen Fall austauschen und Kommentare abgeben. Allein die Facebook-Seite des „Tatort“ habe mehr als 500 000 Fans. „Natürlich konnten wir nur mutmaßen, wie viele davon den Schritt vom bloßen Kommentieren zum aktiven Mitspielen machen würden, umso mehr freuen wir uns, dass es so viele sind“, so Dilg.

Und so konzipierte die Redaktion erstmals in der mehr als vierzigjährigen Geschichte der Kultkrimireihe eine Fortsetzung im modernen Medium Internet. Man habe die Charaktere aus dem Film fortgeschrieben und das, was an Ermittlungsergebnissen, an Spuren vorlag, aus dem Krimi übernommen. „Der Spieler soll sich über die Identität des Täters und seine Motive im Klaren werden“, erläuterte Dilg. Autorin und Regisseur seien in die Fortsetzung nicht involviert gewesen.

Noch bis kommenden Sonntag können User in den Arbeitsalltag der Ludwigshafener Kommissarin und ihres Teams hineinschnuppern, dann wird – voraussichtlich online – die richtige Lösung bekanntgegeben. Vorwürfe, den Zuschauern, die sich im Netz nicht weiter mit dem Fall beschäftigen könnten oder wollten, sei die Lösung vorenthalten worden, wies man gestern sowohl in München, als auch beim SWR zurück. Der im Fernsehen gezeigte Fall sei abgeschlossen gewesen. Und: „Es ist mitnichten so, das künftig der Mörder im ,Tatort‘ erst via Internet gefunden werden muss.“

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