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Wolfgang Jandl (r.) berichtete aus Würzburg.

Am Abend des Anschlages

Reporter blamiert sich in ARD-Live-Schalte nach Würzburg

München - Eine schnelle und umfangreiche Berichterstattung ist bei Ereignissen wie dem Anschlag bei Würzburg wichtig. Dass Aktualität aber auch zum peinlichen Schnellschuss werden kann, beweist dieses Beispiel.

Update vom 24. Oktober 2016: Der USA-Korrespondent der ARD kehrt nach Hamburg zurück: Ab dem heutigen Montag ist Ingo Zamperoni als "Tagesthemen"-Moderator zu sehen.

Zugegebenermaßen, der BR-Reporter des Regionalstudios Mainfranken, Wolfgang Jandl, hatte am Montagabend eine denkbar undankbare Aufgabe: Nur kurze Zeit nach der ersten Meldung über ein Attentat in Würzburg-Heidingsfeld sollte er live in das ARD-Tagesthemen-Studio zugeschaltet werden, um über die ersten Erkenntnisse vor Ort Bericht zu erstatten. Die Schalte wurde zum Debakel. 

Als Moderator Thomas Roth seine erste Frage an Reporter Jandl richtet, entschuldigt der sich bereits im Vorhinein, dass er erst sehr spät von seinem Sohn, der sich Sorgen um seinen Vater gemacht hat, über die Meldung informiert worden sei. Dementsprechend fällt die Berichterstattung dann auch aus. Zunächst wiederholt er die Fakten, die der Moderator bereits genannt hat. Doch ein vermeintliches Ass hat Jandl noch im Ärmel: Nämlich die Nachricht, "dass der Täter inzwischen gefasst sei, aber das ist nur ein Gerücht, das mir noch niemand bestätigt hat", berichtet Jandl. 

Terroranschlag Würzburg: "Ich zitiere nur die Personen, die ich in der Tankstelle belauscht habe"

Moderator Roth muss intervenieren und klärt den stummgeschalteten Reporter darüber auf, dass der Täter wohl bei dem Einsatz erschossen worden sei. Es folgt der Höhepunkt des Debakels: Denn Wolfgang Jandl enthüllt seine doch recht ungewöhnliche Quelle: "Ich zitiere nur die Personen, die ich in der Tankstelle belauscht habe", sagt er und berichtet ungerührt weiter von einer möglichen Verhaftung, obwohl der Moderator ihn bereits auf den neuesten Stand gebracht hat. 

Das Debakel mag wohl dem Umstand geschuldet sein, dass zu dem Zeitpunkt tatsächlich noch wenige Details zu dem Angriff im Regionalzug bekannt waren. Dass der Täter höchstwahrscheinlich erschossen worden ist, hatten allerdings schon vor der Live-Schalte mehrere andere Medien vermeldet.

Wer den Schaden, hat braucht anscheinend für den Spott nicht zu sorgen: Bei Twitter witzelten die Zuschauer unmittelbar nach der Sendung über die wenig ruhmreiche Leistung des Reporters:

Den Abend wird Jandl also wohl nicht vergessen. Ihm gebührt allerdings auch Mitleid und Respekt nach dieser undankbaren Aufgabe.

vf

Axt-Attacke: Die Bilder zu den Ermittlungen

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