Die teuerste Fernsehproduktion Europas - "Krieg und Frieden" in vier Teilen

München - Es ist eine Produktion der Superlative. "Krieg und Frieden" nach dem 1868 erschienenen Roman des Russen Leo Tolstoi ist mit 26 Millionen Euro die bisher teuerste europäische Fernsehproduktion. Das ZDF zeigt das sechsstündige Mammut-Werk ab diesem Sonntag an vier Abenden.

Blutige Schlachten, raffinierte Intrigen, große Emotionen: "Krieg und Frieden" zu verfilmen gleicht einer Herkulesaufgabe. Über 1500 Seiten stark ist Tolstois Roman, und er gilt als eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur. Meisterhaft verknüpft Tolstoi in einer Mischung aus Kriegsepos, Psychodrama und historischem Roman die Schicksale der Mitglieder zweier russischer Adelsfamilien zu Zeiten der napoleonischen Kriege. So entstand ein umfassendes Porträt des Lebens in einer Epoche, die zu den bedeutsamsten der russischen Geschichte zählt.

Um solch ein Werk zu verfilmen, bedarf es eines Regisseurs, der sich auf organisatorische Glanzleistungen versteht. Robert Dornhelm, österreichischer Filmemacher mit rumänischen Wurzeln, will von Vergleichen mit den Vorläufer-Filmen aus den USA und der Sowjetunion (siehe Kasten) nichts wissen: "Ich habe versucht, meinen Film zu machen", sagt Dornhelm. "Es ist ein Film mit vielen Emotionen, die Menschen ziehen in den Krieg, um vielleicht als bessere Menschen zurückzukehren. Das will ich erzählen."

Das Fernsehen, sagt der Geschäftsführer der für die Produktion zuständigen Firma Eos, Jan Mojto, brauche große literarische Vorlagen. Der Stoff sei einfach universell, für viele Menschen in vielen Ländern. In Italien liefen die vier Teile bereits und erreichten im Schnitt 6,1 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 26 Prozent), in Frankreich waren es im November 5,25 Millionen (Marktanteil: 20 Prozent). Keine gigantischen Zahlen, aber zufriedenstellende.

Beeindruckender sind jedoch die Zahlen, die den enormen Aufwand für die Produktion verdeutlichen. 2400 Kostüme mussten geschneidert werden, 105 Drehorte in Russland und im Baltikum dienten als Schauplätze der historischen Kulisse. 15 000 Darsteller und 1500 Pferde ­ fast alle für die Schlachtenszenen ­ waren im Einsatz.

Von deutscher Seite wirken unter anderen die Schauspieler Hannelore Elsner, Alexander Beyer, Benjamin Sadler und Ken Duken mit ­ zusammen mit Darstellern aus Italien, Frankreich und England. Beyer ("Good Bye, Lenin") spielt Pierre, einen reichen russischen Adeligen, der nur mit Mühe seinen Weg durchs Leben findet und sich erst spät zu seiner wahren Liebe bekennt. Die Französin Clémence Poésy ist Natascha Rostowa, eine junge, lebenslustige und unbeschwerte Frau voller Neugier auf das Leben. Ihr Verlobter, Prinz Andrej Bolkonski, wird gespielt vom Italiener Alessio Boni. Hannelore Elsner ("Alles auf Zucker") ist Nataschas Mutter Gräfin Rostowa, Ken Duken ("Störtebeker") verkörpert den intriganten Anatol Kuragin, einen jungen Offizier, dessen Charme Natascha erliegt. Benjamin Sadler ("Contergan") spielt den Draufgänger Dolochow.

Für Ken Duken ist Tolstois Vorlage vergleichbar mit den Inhalten von Fernseh-Serien der Gegenwart. "Leo Tolstoi war schon ein bisschen soapig", sagt der 28-Jährige. "Auch moderne Serien stecken voller Liebe und Leidenschaft. Der große Unterschied zu den Soaps von heute ist aber, dass es in den Geschichten von Tolstoi wirklich um Leben und Tod ging."

Der erste Teil von "Krieg und Frieden" ist am Sonntag um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen, die weiteren am 9., 13. und 16. Januar.

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