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TV-Entertainer Thomas Gottschalk analysierte bei Maybritt Illner die Ereignisse 2016.

TV-Talk bei Maybritt Illner

Gottschalk: „Diese Ängstlichkeit hat auch mich erfasst“

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Berlin - Trump, Populisten, Wutbürger. Was war 2016 bloß los, fragte Maybritt Illner in ihrem Talk am Donnerstag. Einer konnte das überraschend gut beschreiben: Thomas Gottschalk.

“Wut, Werte, Wahrheiten - wie hat uns 2016 verändert?“ wollte Maybritt Illner bei ihrem Donnerstags-Talk von ihren Gästen wissen, und erklärte gleich zu Beginn, 2016 sei von einem „Ende der Gewissheiten“ geprägt gewesen. Trump, Brexit, neue Konfrontation mit Russland - es seien Dinge geschehen, die viele nicht für möglich gehalten hätten.

TV-Urgestein Thomas Gottschalk lebt seit 25 Jahren in Kalifornien und war wohl eingeladen, um uns zu erklären, was in die Amerikaner gefahren ist, dass sie Donald Trump zum Präsidenten wählten. Der Schock sei unter den Deutschen größer als unter den Amerikanern, beobachtet Gottschalk: „Amerikaner sind grundsätzlich nicht bereit, die Politik als entscheidende Kraft in ihr persönliches Leben zu lassen.“ Amerikaner seien es außerdem gewöhnt, extreme Meinungen zu hören, sie wüssten: Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht. 

Gottschalk stellte in der Talkrunde allerdings auch klar: „Ich kann Ihnen hier nicht die Amerikaner erklären“. Er könne aber sein eigenes Gefühl erklären. Und das, was er dann sagte, dürfte bei vielen den Nerv getroffen haben.

Thomas Gottschalk: „Ängstlichkeit hat auch mich erfasst“

Gottschalk erklärte, er habe sein ganzes Leben lang das Gefühl gehabt: „Es läuft ja“, die Politiker hatten die großen Probleme einigermaßen im Griff. Und jetzt? „Plötzlich läuft es irgendwo nicht mehr, und ich merke, dass ich nichts weiß, obwohl ich versuche, mich zu informieren.“ Ist Edward Snowden ein Freiheitskämpfer oder Vaterlandsverräter? Ist Dragis Finanzpolitik der richtige Weg? Warum kostet seit dem Euro die Pizza gefühlt doppelt so viel, aber er soll trotzdem eine gute Sache sein?

„Dieses Gefühl, dass man zusehends den Überblick verliert, dass man nicht mehr begreift, was um einen herum passiert, und dass die Politik nicht in der Lage ist, es zu erklären, das ist genau diese Ängstlichkeit, die auch mich erfasst hat“, so Gottschalk. Er könne damit leben, weil es ihm gut gehe. „Aber die, denen es nicht gut geht, die wollen etwas erklärt haben, um zumindest zu wissen: Warum geht es mir schlecht und kann es mir irgendwann besser gehen?“ Die Menschen seien nicht wütender oder schlechter als früher, sondern ängstlicher, glaubt er.

„Zwei Stunden surfen auf obskuren Webseiten reicht nicht“

Noch etwas fällt Gottschalk auf: Früher habe es in der Gesellschaft Dialog und Austausch unter den verschiedenen Generationen und Bildungsschichten gegeben, auch wenn man sich mal „gefetzt“ habe. „Es gab nicht diese Echokammern, wo Menschen sich mit sich selbst ihr Weltbild zusammengebaut haben.“ 

Politikwissenschaftlerin Sylke Tempel fand, nicht nur die Politik, sondern auch die Bürger hätten eine Bringschuld, um das Vertrauen wiederzugewinnen. „Es gibt manche, die glauben, dass zwei Stunden surfen auf obskuren Webseiten schon genügt, und die einem dann erzählen, dass man ja keine Ahnung hat.“ Blogger Sascha Lobo sieht die sozialen Medien mittlerweile als fünfte Gewalt innerhalb der Demokratie, „wo riesige Menschenmassen sich informieren, aber eben auch falsch informieren“. Wie man damit umgeht, müsse erst noch herausgefunden werden.

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