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„Alberne Shownummern – da schlägt mein Herz höher“: Thomas Hermanns ist heute Abend Gastgeber der „Großen Comedy Winter-Show“.

Thomas Hermanns: „Heute wird zu kurzfristig gedacht“

Zum Start der neuen Staffel: Thomas Hermanns über den Dauererfolg von „Quatsch Comedy Club“

Comedy ist längst ein eigenes Genre im deutschen Fernsehen. Dass dem irgendwann so sein würde, ahnte Thomas Hermanns lange, bevor Mario Barth oder Cindy aus Marzahn ganze Hallen füllten. Schon 1992 gründete der Moderator, Autor und Regisseur in Hamburg den „Quatsch Comedy Club“, der seit 1996 von Pro Sieben übertragen wird. Heute startet mit der „Großen Comedy Winter-Show“ (20.15 Uhr, Pro Sieben) die nächste Staffel. Gäste sind unter anderem Ingo Appelt, Matze Knop, Bülent Ceylan, Olaf Schubert, Johann König und Model Marcus Schenkenberg.

-Für eine Show im Privatfernsehen hat der „Quatsch Comedy Club“ ein nahezu biblisches Alter. Was hat das Format, das andere nicht haben?
Einen eingebauten Verjüngungseffekt. Wenn wir ein Ensemble wären aus sechs festen Leuten, dann hätten die Zuschauer uns vielleicht irgendwann satt gehabt. Aber bei uns kommen ständig neue Leute nach, Leute, die tatsächlich jeden Abend auf der Bühne stehen und das wirklich können – niemand, der bloß Texte vom Teleprompter abliest. Das andere Geheimnis ist, dass sich aus einer Handvoll Revoluzzern, die wir am Anfang ja waren, mittlerweile eine regelrechte Comedy-Industrie entwickelt hat. Es gibt inzwischen so viele Comedians mit so vielen unterschiedlichen Nummern, dass wir das gar nicht mehr abbilden können. Das bringt eine Menge Abwechslung in die Show. Außerdem sind wir über die Jahre beim „Quatsch Comedy Club“ so etwas wie eine große Familie geworden. Gerade die Aufzeichnung der ,Winter-Show‘ in Füssen einmal im Jahr ist inzwischen irgendwas zwischen Klassenfahrt und Betriebsausflug. Das merkt auch das Publikum.

-Könnte das heute nochmal funktionieren, oder waren 1996 die Bedingungen anders?
Damals herrschte tatsächlich noch eine ganz andere Stimmung in der Branche. Wir sind zwar auch nach drei Folgen in die Nacht versetzt worden, weil die Quote nicht gestimmt hat, aber die Staffel wurde gezeigt und nicht gleich abgesetzt. Das hat uns den Hintern gerettet. Das Publikum braucht in dieser riesigen Masse an TV-Angeboten einfach Zeit, um etwas zu entdecken, es zu kapieren und schließlich weiterzuempfehlen. Das hat unseren Erfolg, aber auch den von Bully oder Stefan Raab erst ermöglicht. Der Druck war nicht so groß. Heute wird viel zu kurzfristig gedacht.

-Erfolg hat auch Kehrseiten. Sie selbst sprechen von „Comedy-Industrie“. Hat das nicht auch einen faden Beigeschmack?
Nein, nicht unbedingt. Ich bin überzeugt, dass es Comedy immer geben wird, dass die Leute Comedy trotz der großen Zahl an Angeboten nicht über bekommen. Die große Auswahl bedeutet schließlich auch, dass sich das Publikum aussuchen kann, was ihm gefällt. Es wird nicht mehr alles in einen Topf geworfen. Der eine mag Johann König, der andere Martin Schneider. Und das ist gut so. Die Leute wollen unterhalten werden – auch und gerade in Krisenzeiten.

-Sie betonen gern, dass Sie selbst kein Comedian sind, aber auch nicht nur Moderator der Show...
Das stimmt. Ich sehe mich als Gastgeber, als Show-Macher, der nicht nur das Forum bietet für die Nummern, sondern auch mal blödsinnige Dinge anstellen darf. Alberne Shownummern – da schlägt mein Herz höher, und da kann ich mich so richtig austoben. Wenn Barbara Schöneberger in der ,Winter-Show‘ ein erotisches Duett mit einem Maulwurf singt oder ich im Brautkleid neben dem halbnackten Marcus Schenkenberg über die Bühne stolpere – das ist mein Ding!

-Sie scheinen bei allem, was Sie machen, mit Leidenschaft dabeizusein. War das der Grund, warum Sie die Moderation des „Grand Prix d‘Eurovision“ hingeschmissen haben?
Ja. Ich hab’ den Grand Prix immer als Fan moderiert. Und als Fan war ich irgendwann müde zu sagen: Wir haben es wieder nicht geschafft! Mir war klar: Es muss sich etwas ändern. Sonst wird das nie wieder etwas mit einem deutschen Sieg.

-Und was sollte sich ändern?
Zum Beispiel das, was jetzt passiert. Die ARD hat sich Stefan Raab und Pro Sieben mit ins Boot geholt. Das halte ich für eine gute Idee. Kaum einer kennt den Grand Prix wie Stefan. Außerdem hat er ein Händchen für gute Leute, ist ein Stimmfetischist wie ich. Zu ihm kommen andere als die, die zu Dieter Bohlen gehen, weil sie wissen, dass Stefan wertschätzt, was sie machen. Ich denke, daraus könnte etwas werden.

-Und wenn nicht?
Dann schicken wir nächstes Jahr Barbara Schöneberger mit dem Maulwurf ins Rennen, und Marcus Schenkenberg und ich machen den Background. Damit setzen wir dann auf puren Sex, wenn das mit der Stimme wieder nicht klappt.

Gespräch: Melanie Brandl

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