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Leidenschaft für gute Gespräche: Thorsten Otto (50) kommt mit seiner Radiotalkshow, die künftig "Mensch, Otto - Stars am Sonntag" heißt, nun auch ins Fernsehen. Gerade erhielt er für seine einfühlsamen Interviews den Deutschen Radiopreis.

"Mensch, Otto – Stars am Sonntag"

Thorsten Otto: Radioshow kommt ins Fernsehen

München - Radiomoderator Thorsten Otto spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über seine neue BR-Fernsehtalkshow "Mensch, Otto – Stars am Sonntag" und über seinen ersten Gast, Schauspieler Christian Ulmen.

Seit 1998 empfängt Thorsten Otto in der Bayern-3-Sendung "Stars & Hits" immer am Sonntagmorgen von 9 bis 12 Uhr prominente Gäste. Seit 2008 führt er werktags um 19 Uhr in "Mensch, Otto!" eine Stunde lang Gespräche mit Personen, die Außergewöhnliches tun oder erlebt haben.

Nun wagt der 50-Jährige den Sprung auf den Bildschirm. Einmal monatlich jeweils sonntags ist "Stars & Hits" nun auch im Fernsehen zu sehen – als halbstündige Kurzversion der Radioshow. Premierengast der Sendung, die in Radio und Fernsehen künftig "Mensch, Otto – Stars am Sonntag" heißen wird, ist an diesem Sonntag um 23.15 Uhr der Schauspieler und Fernsehproduzent Christian Ulmen ("Maria, ihm schmeckt’s nicht", "Tatort").

"Ich versuche immer, mir mein eigenes Bild zu machen": Thorsten Otto im Gespräch mit Merkur-Redakteur Rudolf Ogiermann.

Gäste weiterer Sendungen werden unter anderen die Schauspieler Bettina Zimmermann und Florian David Fitz sein. Thorsten Otto, der aus Weiden (Oberpfalz) stammt, kam im Jahr 1998 zum Bayerischen Rundfunk. Für sein "Mensch, Otto!"-Interview mit der Autorin Gaby Sonnenberg, die zweimal an Leukämie erkrankte, erhielt er Anfang des Monats den Deutschen Radiopreis.

Auf den ersten Blick sieht die neue Sendung so aus, als hätte man einfach in einem Hörfunkstudio Kameras aufgestellt...

Richtig, wir haben spezielle Mikros vor der Nase, und wir haben beide Kopfhörer auf...

Wollten Sie auf Nummer sicher gehen und einfach die erfolgreiche Hörfunksendung eins zu eins im Fernsehen übertragen?

Zunächst wollten wir, dass sich die Optik unterscheidet von der, die der Zuschauer aus anderen Fernsehtalkshows kennt. Wir wollten die Intimität einer Radiosendung ins Fernsehen bringen. Aber unsere Sendung ist schon etwas anderes als nur abgefilmtes Radio, es ist eher eine Art Film noir, eine Inszenierung. Wir wollen dem Zuschauer das Gefühl geben, nicht einer Radiotalkshow beizuwohnen, sondern einem Spielfilm. Und natürlich hoffen wir, dass auch die Gäste die Kameras schnell vergessen. Die Grundidee war ja , dem Publikum die Momente, die es im Radio nicht mitkriegt, weil es ja nur zuhört und nicht zusehen kann, nun zu zeigen: Schau mal, was der gerade für ein Gesicht macht, wie er lacht, wie er vielleicht gerade eine Träne verdrückt.

Das Studio sieht nicht aus wie ein modernes, helles Hörfunkstudio...

Wir wollten nicht extra für diese Sendung ein neues Studio bauen, wollten aber auch nicht in eine Halle gehen. Und dann ist mir eingefallen, dass es im Funkhaus ein uraltes Bunkerstudio gibt, das sogar atombombensicher ist! Eigentlich ein dunkles Loch – aber der Kameramann hat es geschafft, das so auszuleuchten, dass es ziemlich kultig aussieht. Zumindest fand Christian Ulmen das.

Schneiden Sie die Fernsehsendung selbst?

Ich habe überlegt, ob ich da mitreden soll, bei der Radiosendung entscheide ich ja auch selbst, was gesendet wird. Aber dann habe ich mir gesagt: Du hast vom Fernsehen keine Ahnung, also lass’ mal den Regisseur machen.

Wie bereitet man sich auf prominente Gäste vor? Indem man "Bunte" und "Gala" liest?

Natürlich lese ich alles, was ich zu meinem Gast finden kann, und schaue mir Ausschnitte aus Talkshows an, in die er eingeladen war. Und dann versuche ich, das alles wieder zu vergessen und mir mein eigenes Bild dieses Menschen zu machen. Was denkt er gerade? Wovon träumt er? Wie tickt er? Was treibt ihn an? Solche Fragen interessieren mich immer mehr als das Abhaken von Fakten. Das bewahrt mich auch vor der Gefahr, unnötig großen Respekt zu haben vor einem Menschen, nur weil er besonders berühmt ist. Diese Art, Gespräche zu führen, sich zu unterhalten, als würde man sich schon lange kennen, wissen viele Prominente zu schätzen. Weil sie sonst oft entweder angehimmelt werden oder von Leuten interviewt, die nur ihre Vorurteile bestätigt sehen wollen.

Das Erfolgsgeheimnis des guten Interviewers ist seine Bescheidenheit – kann man das so sagen?

Du darfst dich nie in den Vordergrund spielen. Der eine oder andere Kollege macht manchmal den Fehler, klüger, frecher, witziger sein zu wollen als sein Gast. Andererseits musst du schon dazu bereit sein, auch etwas von dir zu geben – in der richtigen Dosierung selbstverständlich, dann erfährst du mehr von deinem Gegenüber. Wenn Sie mit Bescheidenheit meinen, dass man nie mehr glänzen soll als der Gast, dann ist der Satz richtig. Der Gastgeber glänzt stets durch seinen Gast, nie durch sich selbst. Und wenn mein Gast gut dasteht, stehe auch ich gut da.

Ich habe mir aus der Auftaktfolge mit Christian Ulmen drei Fragen herausgesucht, die ich gerne auch Ihnen stellen würde. Erstens: Warum sind Sie so gut in dem, was Sie tun?

Weil es nichts gibt, was ich beruflich lieber täte – und ich glaube, dass man, was man wirklich mit Begeisterung tut, mit der Zeit immer besser beherrscht.

Zweitens: Ein gutes Gespräch braucht auch eine Spur Respektlosigkeit...

Ja, absolut.

Drittens: Bei wem möchten Sie sich mal bedanken?

Ich möchte mich bei meinem Vater bedanken, der leider nicht mehr lebt. Er hat mir die Liebe zur Sprache und zur Literatur beigebracht. Durch ihn habe ich auch gelernt zu argumentieren. Wenn wir über Politik gestritten haben, hat er meine Meinung nur akzeptiert, wenn ich sie begründen konnte. Sätze wie "Das und das finde ich blöd" hat er mir nicht durchgehen lassen.

Was war für Sie der schönste Moment in der Geschichte von "Stars und Hits"?

Das war, als Herbert Grönemeyer unser Gast war. Weil der als Bochumer ein Fan des VfL ist, hatten wir den damaligen Trainer Peter Neururer als Überraschungsanrufer. Aber auch wir wussten nicht, dass der gerade mit der ganzen Mannschaft im Bus unterwegs war. Und plötzlich stimmen Trainer und Mannschaft das Lied "Bochum" an. Da liefen dem Grönemeyer hier im Studio die Tränen runter. Das war schon ein ganz besonderer Moment – und danach auch ein ganz besonderes Gespräch.

Und der schrecklichste?

(Überlegt kurz.) Wir zeichnen ja manchmal, wenn es gar nicht anders geht, per Leitung auf, das heißt, Interviewer und Interviewter sitzen nicht im selben Studio. Und bei einer solchen Gelegenheit hat eine Fernsehmoderatorin, deren Namen ich nicht nenne, auf jede Frage nur gesagt: "Was soll ich dazu sagen?", "Da müsste ich länger nachdenken", "Die Frage ist mir zu intim" und so weiter. Ich denke nicht, dass ich zu den Menschen gehöre, die schnell ungeduldig werden, aber nach einer Viertelstunde habe ich gesagt: Das hat keinen Zweck, lassen Sie uns aufhören. Da ist meine Gesprächspartnerin ausgeflippt und hat uns beschimpft – ein schlimmer Moment. Das war das erste und bisher einzige Mal, dass wir bei "Stars und Hits" ein Gespräch abbrechen mussten.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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