Ich bin ein Tiroler

- "Dienen will gelernt sein", sagt der Knecht Martl zum Knecht Franz Raffl. Aber wie soll einer dienen können, wenn er von der Dorfgemeinschaft in die Außenseiterrolle gezwungen wird und schon die Mutter keinen guten Menschen in ihm sehen mochte? Weshalb sollte so einer, wenn sich die Gelegenheit bietet, sein Glück nicht endlich durch Verrat verdienen wollen?

Und so hat der Franz Raffl im Januar 1810 gegen ein kleines Vermögen den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer an Napoleons Truppen und die mit ihnen verbündeten Bayern verraten, die zusammen über die Region die Knute schwangen. "Der Judas von Tirol" heißt das Bühnenstück, das der Tiroler Karl Schönherr 1897 darüber geschrieben hat und das nun von Regisseur Werner Asam für den Bayerischen Rundfunk verfilmt wurde.

Den Gegenspieler Raffls (Johann Schuler), nämlich Hofers treuen Knecht Martl, gibt Dietmar Schönherr. Auch wenn der BR eine Verwandtschaft konstruiert und Dietmar Schönherr, den Schauspieler ("Raumpatrouille") und Fernsehmoderator ("Wünsch dir was", "Je später der Abend"), als Nachfahre von Karl Schönherr bezeichnet, sind die beiden jedenfalls nicht familiär miteinander verbunden. Er habe das durch Ahnenforscher prüfen lassen, gesteht Dietmar Schönherr lachend.

Verwandt sind die beiden Schönherrs freilich in ihren Heimatgefühlen: "Ich bin ein Tiroler, im Gegensatz zu vielen anderen an diesem Film Beteiligten", betont der Schauspieler. "Und ich habe eine starke Beziehung zu den Bergen, das ist meine Welt." Die eine jedenfalls, die andere nämlich ist Nicaragua. Dort engagiert sich Schönherr seit Jahren für die Entwicklungshilfe und gründete zusammen mit Ernesto Cardenal eine Fabrik und ein Kulturzentrum, das "Haus der drei Welten", wo er am 17. Mai auch seinen 80. Geburtstag feiern wird.

Schönherr, der einst in der Friedensbewegung aktiv war und mit seinem Engagement auch polarisierte, will sein 81. Lebensjahr geruhsam angehen lassen. Aber man mag es ihm gar nicht recht glauben. In fünf Filmen hat er im vergangenen Jahr mitgespielt einschließlich des "Judas", der unter harten Bedingungen gedreht wurde. Auf 1800 Metern Höhe, im Winter bei um die minus 20 Grad, sieht man da Schönherr als Knecht das Brennholz in das Versteck seines Herrn Andreas Hofer schleppen - der Handlanger eines Freiheitskämpfers, das scheint so recht nach Schönherrs Geschmack zu sein.

"Ich langweile mich nie", stellt er zufrieden fest. Denn selbst nachts oder unterwegs tut er noch etwas. Handschriftlich verfasst er da seine Bücher. Gerade ist sein zehntes, der so genannte autobiografische Roman "Sternloser Himmel" erschienen, die Geschichte zweier Brüder während des Zweiten Weltkriegs. Für die eigene Person hat er gleich in mehreren Figuren ein Alter Ego geschaffen: "Weil eine wirkliche Biografie ja stinklangweilig ist." Gerade arbeitet er wieder an einem Roman über die Kriegszeit, und dann werde ein anekdotisches Buch folgen. "Es gibt ja den gequälten Schriftsteller. Aber ich schreibe gerne und nur, wenn's mir passt."

Und genauso hält er es mit dem Spielen. Als Regisseur Asam, den er respektvoll einen "bayerischen Büffel" nennt, ihm eine "tolle Rolle" im Komödienstadel vermitteln wollte, winkte er ab. Die Gage habe nicht gestimmt, so Schönherr, der andererseits auch schon einmal "für Gotteslohn" einen Film mit Straßenkindern aus Bolivien macht. Und wenn ihm das Drehbuch bei einem Filmangebot nicht gefällt, "dann landet es in der Ecke".

"Der Judas von Tirol", Bayerisches Fernsehen, Gründonnerstag, um 21.45 Uhr. Dietmar Schönherr: "Sternloser Himmel. Ein autobiographischer Roman", Eichborn Verlag, Frankfurt am Main. 191 Seiten; 18,90 Euro.

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