Wir tragen keine lila Latzhosen

- Die grausame Tradition der Beschneidung von Mädchen in Äthiopien, die systematische Vergewaltigung bosnischer Frauen während des Krieges in Ex-Jugoslawien, Aids in Afrika, Kinderpornografie - Themen, die das ZDF-Magazin "ML - Mona Lisa" aufgegriffen, mit denen es Aufsehen erregt hat und für die es mit Preisen überhäuft wurde.

Seit 1988 ist das "Frauenjournal am Sonntagabend" im Programm, am kommenden Sonntag (18 Uhr) läuft die 750. Ausgabe. Barbara Dickmann, seit 2003 Redaktionsleiterin, verspricht für die Jubiläumssendung sibyllinisch unter anderem "einen Rückblick mit Ausblick".

Sie haben zwei Millionen Zuschauer, könnten aber doppelt so viele haben, wenn Sie auf dem Platz eines Politmagazins, etwa von "Frontal 21", senden würden. Haben Sie das nie angestrebt?

Dickmann: O doch, ich kämpfe, seit ich hier Verantwortung habe, dafür, dass wir einen anderen Sendeplatz bekommen, und selbstverständlich wäre mir ein Termin nach 20.15 Uhr das Allerliebste, wobei ich ganz bescheiden auch mit einem Platz nach dem "heute-journal", also um 22.15 Uhr oder um 22.45 Uhr, zufrieden wäre. Aber ich lasse mich auch gerne von den Programmplanern überzeugen, dass das insofern nicht sinnvoll wäre, als eben schon zwei gesellschaftspolitische Magazine im Abendprogramm vertreten sind. Also werden wir wohl im Vorabendprogramm bleiben, aber im Zuge der im Augenblick diskutierten Programmreform werde ich versuchen, den Sendeplatz von 18 Uhr -direkt nach der "Sportreportage", die ja hauptsächlich von Männern gesehen wird -auf 18.30 Uhr zu verlegen.

Glauben Sie nicht, dass der Untertitel "Frauenjournal" potenzielle männliche Zuschauer abschreckt?

Dickmann: Das ist ein bisschen problematisch, keine Frage. Aber wir sind und bleiben ein Frauenmagazin, auch wenn wir uns der Zeit angepasst, den Generationswechsel mitgemacht haben. Wir tragen hier keine lila Latzhosen. Wir haben den Anspruch, investigative politische und gesellschaftspolitische Beiträge zu bringen daund damit auch Männer, Partner, Ehepartner, Familien vor den Bildschirm zu bekommen. Ich wünsche mir, dass noch mehr Männer "ML -Mona Lisa" sehen und hinterher sagen: Aus dieser Sicht habe ich das Problem, das mich ja auch betrifft, noch gar nicht gesehen.

Was würden Sie selbst als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

Dickmann: Dass wir Anstöße zu Gesetzesänderungen geben, dass wir in die Gesellschaft hinein wirken konnten. Wir wollen mit unseren Möglichkeiten Themen aufgreifen und kontrovers diskutieren. Von unserem erhöhten Platz aus haben wir Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger.

Was bleibt noch zu tun?

Dickmann: Ich glaube, dass es unsere Aufgabe ist, Männern und Frauen die Emanzipation zu ermöglichen Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen abgehoben, ist aber so gemeint, dass wir unser Ziel darin sehen, die Gesellschaft so zu verändern, dass Frauen und Männer gleichermaßen über ihre Lebensgestaltung entscheiden können. Und da haben die Frauen noch immer einen Nachholbedarf.

Was sagen Sie dann zu Frauen wie Eva Herman? Die wird sicher nie "Frau des Jahres" bei Ihnen werden...

Dickmann: Nein, da hat sie wirklich keinerlei Aussichten. Die Frauen, die wir auszeichnen, haben sich immer humanitär engagiert, manchmal unter Lebensgefahr. Eva Herman in einem Atemzug mit diesen Frauen zu nennen, wäre Blasphemie.

Was ärgert Sie so an ihren Thesen?

Dickmann: Eva Herman hat durch ihre -sagen wir mal -unüberlegten Aussagen in ihrem Buch eine Diskussion angefacht, die man zweifellos führen muss, die aber schnell Schlagzeilen erzeugt hat wie die, dass die Frauen den Männern die sowieso raren Jobs wegnehmen, dass Frauen da ran schuld sind, dass die Deutschen aussterben, weil sie keine Kinder mehr bekommen. Sie hat in unverantwortlicher Weise diese Diskussion ausgenutzt für die Vermarktung ihres Buches und damit einen Flächenbrand ausgelöst, dessen Auswirkungen ihr egal sind.

Viele Frauen pflichten ihr aber bei, sagen: Endlich wertet mal eine den Beruf der Hausfrau und Mutter auf...

Dickmann: Obwohl sie ja selbst ganz stramm Karriere gemacht hat, und zwar ohne Rücksicht auf ihr Umfeld. Aber die Frage nach der Rolle der Frau ist virulent. Natürlich sind die Kinder in den ersten Lebensjahren bei einer festen Bezugsperson -Mutter oder Vater -besser aufgehoben als in irgendwelchen Krabbelgruppen. Und dass die Arbeit der Hausfrau aufgewertet werden muss, ist auch völlig okay. Ich möchte aber, dass die Frau die Entscheidung darüber, ob sie zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert oder ob sie ihren Beruf ausübt oder ob sie vielleicht beides will, selbst treffen kann. Und das kann sie eben in der augenblicklichen gesellschaftlichen Situation nicht. Sie ist immer die Buhfrau. Entweder sie geht arbeiten, dann ist sie die Rabenmutter, oder sie bleibt zu Hause, dann ist sie das Heimchen am Herd. Sie kann im Grunde alles nur falsch machen. Und diese Situation müssen wir verändern.

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