Trauer um Anton Pointecker

München - Es sind "nur" Fernsehfamilien, ihre Schicksale von fleißigen Autoren erdacht, und doch wachsen die Darsteller einer "Daily Soap" schnell zu einer echten Familie zusammen, vor allem dann, wenn wie für diese Produktion seit einem Dreivierteljahr Tag für Tag, Woche für Woche gedreht wird. Umso größer die Betroffenheit, wenn dieser Familie etwas zustößt, was nicht im Drehbuch steht.

Darsteller des Franz Kirchleitner in "Dahoam is dahoam" (BR) starb im Alter von 70 Jahren

Und so trauern der Bayerische Rundfunk (BR) und das gesamte Team von "Dahoam is dahoam" nun um Anton Pointecker, in der Rolle des Brauereibesitzers Franz Kirchleitner einer der Hauptprotagonisten in den Geschichten aus dem fiktiven oberbayerischen Dorf Lansing. Der Schauspieler starb, wie erst am Freitag bekannt wurde, Anfang der Woche nach langer Krankheit im Alter von 70 Jahren. Ironie des Schicksals, dass Pointecker im Fernsehen noch einige Wochen zu sehen sein wird.

BR-Fernsehdirektor Gerhard Fuchs würdigte Pointecker als "beeindruckenden Charakterdarsteller", der dem Bayerischen Fernsehen "eine ausgezeichnete Reputation eingebracht" habe. "Wir verlieren einen großen Schauspieler und unverwechselbaren Charakter", sagte Caren Toennissen, verantwortliche Redakteurin von "Dahoam ist dahoam". Bestürzt äußerten sich die Produzenten Fred Kogel und Hubertus Meyer-Burckhardt. Pointecker habe ganz wesentlich zum Erfolg der Serie beigetragen: "Wir sind stolz darauf, mit ihm gearbeitet zu haben. Er wird uns allen sehr fehlen."

Pointeckers Karriere im Schatten der ganz großen Stars des (Volks-)Theaters begann nach dem Schauspielstudium in Linz am Salzburger Landestheater. Es folgten Engagements in Ulm in Nürnberg. Unter der Regie von Otto Schenk und Rudolf Noelte war er auch in Inszenierungen der Salzburger Festspiele zu sehen. Das Münchner Volkstheater, das Bayerische Staatsschauspiel, das Theater in der Josefstadt in Wien und die Komödie im Bayerischen Hof in München waren weitere Stationen seines Wirkens.

Sein Talent, glaubwürdig auch bayerische Charaktere zu spielen, verschaffte ihm Rollen im Fernsehen. Einem großen Publikum wurde Pointecker durch die Serie "Die Leute von St. Benedikt" bekannt, es folgten Produktionen wie "Tatort", "Der Bulle von Tölz", "Julia ­ eine ungewöhnliche Frau" und "Forsthaus Falkenau".

Seit dem Start von "Dahoam is dahoam" im vergangenen Herbst spielte Pointecker in 180 bereits abgedrehten Folgen einen der streitbarsten Charaktere im Dorf. Aufgrund seiner schweren Erkrankung habe man die Drehbücher in den letzten Wochen verändert, um ihm eine ständige Präsenz am Set zu ersparen, sagte eine Sprecherin der Produktionsfirma. Pointecker habe bis zuletzt "mit größter Disziplin" weitergearbeitet. Gerne hätte er die 200. Folge, an der ein großes Fest stattfindeen soll, geschafft. Es war ihm nicht mehr vergönnt.

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