Türkische Soap-Opera verzückt arabische Frauen

Istanbul - Mit Romantik und Leidenschaft hat der türkische Serienheld Mohannad die Herzen Millionen arabischer Frauen im Sturm erobert.

Die Soap-Opera "Nur", in der er als Ehemann seine Angetraute verständnisvoll unterstützt und liebevoll umsorgt, ist von Dschidda bis Damaskus seit Monaten ein Straßenfeger. So groß ist die Begeisterung, dass sie einen bisher nicht erlebten Andrang arabischer Touristen in Istanbul auslöst. Hunderttausende "Nur"-Zuschauer sind in diesem Jahr in die Türkei gereist. Die Bosporus-Villa in Istanbul, in der die Serie spielt, ist zur Attraktion geworden.

Nura und Diya aus Saudi-Arabien sind nach Istanbul gekommen, um drei Wochen lang ungestört auf den Spuren ihres Traumprinzen zu reisen. "Wir mögen Mohannad, weil er die Damen respektiert. Er zeigt Emotionen und Liebe", sagt Nura, die ihr Haar mit einem kunstvoll gewickelten weißen Kopftuch verhüllt. "In die Villa waren wir noch nicht. Aber wir sehen uns all die schönen Plätze an, die in der Serie gezeigt werden", sagt sie.

Perfekt bedient die Serie, die in der Türkei selbst kein Erfolg war, Sehnsüchte. Sie spielt in einem islamischen Land, greift aber auch heikle Themen auf, die sonst tabuisiert sind. So hat der Serienheld, der von dem blauäugigen Ex-Modell Kivanc Tatlitug gespielt wird, vor der Ehe Beziehungen und ist bereits Vater eines Kindes. Auch öffentliche Zärtlichkeiten sind in der Serie zu sehen.

Als satanisch und unmoralisch wurde die Serie in Saudi-Arabien kritisiert. Inzwischen ist es dort verboten, Bilder von Mohannad und Nur in die Autos zu hängen. Ein syrischer Scheich hat seinen Studenten Pilgerreisen versprochen, wenn sie auf die Serie verzichten. Selbst die radikal-islamische palästinensische Hamas- Organisation hat die Serie verdammt, weil sie gegen gesellschaftliche Werte und Traditionen verstoße.

Die Begeisterung der Zuschauer konnte das nicht stoppen. "Schon bei der Ankunft fragen sie mich noch auf dem Flughafen, ob sie die Villa sehen können. Das ist wichtiger noch als die Blaue Moschee. Erst war ich überrascht, dann auch beschämt", sagt Sami, der als arabischer Stadtführer Touristen in Istanbul begleitet. "Sie zahlen 50 oder 60 Dollar extra, um sich in der Villa fotografieren zu lassen. Die Mädchen wollen dort weinen, wo die Stars geweint haben. Die Männer sind kaum besser, verbergen es aber." Eine türkische Agentur hat die Villa gemietet und nimmt nun den Besuchergruppen Eintrittsgeld ab.

Während der beliebten Bootsfahrten auf dem Bosporus kann der Andrang sogar gefährlich werden. "400 Leute rennen auf eine Seite des Schiffes, um die Villa im Bild zu haben. Der Kapitän hat mich mehrfach gewarnt, weil das Schiff kentern kann. Aber Worte helfen da nicht", sagt Stadtführer Sami.

Vor allem die türkische Tourismuswirtschaft freut sich aber über den unerwarteten Andrang, den auch Restaurants und Geschäfte spüren. Fast alle arabische Gäste gingen in Fünf-Sterne-Hotels, sagt Cüneyt Bengü, Leiter einer Reiseagentur, in einem Interview. "Ein arabischer Tourist entspricht 15 bis 20 Europäern. Sie geben ein enormes Geld aus", sagt er.

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