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Kam nicht oft zu Wort: zu Guttenberg gegenüber von Stefan Aust und Sabine Christiansen.

TV-Kritik: Christiansens Politzirkus

München - Die erste Folge von „Ihre Wahl! Die Sat.1-Arena“ ist ausgestrahlt. Fazit unseres Kritikers: Die Moderatoren produzieren mehr Chaos als Informationsfernsehen.

Eine Arena kann der Schauplatz eines Wettkampfes sein, aber auch mit Zirkus assoziiert werden. Sabine Christiansen hatte ganz offenkundig eher Zirkus im Sinn, als sie die „Ihre Wahl! Die Sat.1-Arena“ konzipierte und den Wahlkampf aufpeppen wollte. Gleich in der ersten Sendung am Sonntag hatte sie mit Karl-Theodor zu Guttenberg den Shootingstar der deutschen Politszene zu Gast.

Leider kann man als Zuschauer nicht so recht entscheiden, ob das Bohei um den CSU-Wirtschaftsminister gerechtfertigt ist. Das liegt nicht so sehr an Guttenberg als vielmehr am Rahmenprogramm – der Mann kommt nicht oft zu Wort und kann seine Gedanken selten länger als 20 Sekunden ausführen.

Entweder unterbricht ihn Christiansen, die ihr vorübergehendes TV-Comeback höchst aufgeräumt genießt. Oder Guttenberg wird vom anderen Polit-Gast unterbrochen: Oskar Lafontaine, der Spitzenkandidat der Linken ist, aber unerwartet Werbung für die FDP macht. „Leistung muss sich wieder lohnen“, poltert er, wie es Guido Westerwelle nicht überzeugender könnte. Ein feiner Zug von Lafontaine – in diesen harten Zeiten müssen auch die Politiker zusammenrücken.

Die Sat.1- Wahlarena

läuft noch viermal sonntags um 22.15 Uhr.

Überhaupt geht es um Gemeinsamkeit in der „Wahlarena“. Per elektronischer Interaktion soll das Volk in der Arena zusammenkommen und sich bemerkbar machen. Der Zuschauer kann per SMS, E-Mail oder Twitter seine Meinung kundtun oder Fragen stellen. Während also Guttenberg wahlweise von Christiansen oder Lafontaine am Sprechen gehindert wird, laufen am Bildrand die Botschaften des Volkes durchs Bild, und die sind, man muss es sagen, meist ebenso platt wie die Politiker-Phrasen. Jedes Land hat wohl doch die Spitzenpolitiker, die es verdient, könnte man denken, kommt aber nicht dazu, weil gerade ein Zuschauer per Webcam zugeschaltet wird und etwas sagt, was man in dem Moment wieder vergessen hat, in dem die nächste Twitter-Botschaft gereicht wird.

Stefan Aust, der Co-Moderator, versucht angesichts des fröhlichen Durcheinanders halbwegs journalistische Standards zu halten und nimmt den schwarzen Baron wegen des berühmt-berüchtigten Thesenpapiers aus seinem Ministerium in die Zange. Guttenberg wirkt nicht mehr ganz so souverän, sondern ziemlich dünnhäutig und gereizt. Aber nicht über weite Strecken, denn Christiansen fällt Aust so lange ins Wort, bis der sich dafür entscheidet, den Rest des Abends als schweigender Beobachter zu verbringen.

Unterdessen wird ins Wohnzimmer von „Prinzen“-Sänger Sebastian Krumbiegel geschaltet, der eigentlich keine Fragen hat, aber immerhin gute Laune verbreitet. Mittendrin sitzt eine Unternehmerin, eine Frau aus dem Volk, die ein paar interessante Fragen hat, die aber nicht beantwortet werden können, weil dringend eine E-Mail vorgelesen werden muss. Man vergewissert sich zwischendurch mal lieber, ob man nicht zufällig bei Pro Sieben und „Switch Reloaded“ gelandet ist, aber es stellt sich heraus: Das Kasperltheater ist keine Parodie.

Nach 60 Minuten lautem Nichts bei Sat.1 landet man zufällig bei Phoenix, wo die Elefantenrunde von 1980 wiederholt wird. Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Franz Josef Strauß und Helmut Kohl haben ziemlich unterschiedliche Ansichten über so ziemlich alles. Und die legen sie dar. Jeder lässt den anderen ausreden, und danach weiß man, wen man 1980 gewählt hätte und warum. Man wäre gern wieder im Jahr 1980, ehrlich gesagt.

Übrigens legte die „Wahlarena“ auch quotentechnisch einen Fehlstart hin: Nur 830 000 Zuschauer schalteten um 22.15 Uhr die einstündige Sendung ein (Marktanteil: 4,0 Prozent). Die ARD erreichte mit ihrem Polit-Talk „Anne Will“ (21.45 Uhr) recht ordentliche 3,29 Millionen Zuschauer (12,8 Prozent).

von Zoran Gojic

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