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1989, Bonn, Kanzlerbüro Kohl. Er bekommt in dieser Filmszene mitgeteilt, dass die Grenzen zwischen Ost- und Westdeutschland geöffnet werden.

TV-Kritik: So war der Helmut-Kohl-Film

Am Dienstagabend hat das ZDF den Film über Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) gezeigt. Über dem Streifen „Der Mann aus der Pfalz“ liegt ein Schlagschatten der Melancholie. Eine TV-Kritik.

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Dieser Film zeigt keine hart verhandelnden Regierungschefs und keine Kämpfchen eines Regenten mit den Medien. Er zeigt wortkarge Kungelrunden, Strandspaziergänge von Staatsmännern, die gerade europäische Geschichte schreiben. Und er zeigt – das am allerliebsten – einen einsamen Kanzler, der zur Zeit der Wende im Jahr 1989 über seine Karriere reflektiert, als sei sie ein einziger Leidensweg gewesen.

Ein Schlagschatten der Melancholie liegt über Thomas Schadts Film „Der Mann aus der Pfalz“ (ZDF). Das soll der lebenslustige, machttrunkene Ludwigshafener sein, der schlitzohrige, verschmitzte Taktiker? Ein unüberhörbar (und irritierend) sächselnder Thomas Thieme verengt, verkleinert Helmut Kohl auf einen alten, kranken Mann ohne Charisma, dem das Amt zur Qual geworden zu sein scheint. Ganz und gar unglaubwürdig der Wandel vom jungen, nicht uncharmanten Wilden (Stephan Grossmann) zum Zauderer an der Macht. Nicht eine Minute lang beglaubigen die erdachten, hölzernen Dialoge die (gut ausgewählten) dokumentarischen Szenen dieses Films.

Thomas Schadt hat sich verzettelt, er hat sich verhoben an einem politischen Schwergewicht, dessen Biografie sich nicht in eineinhalb Stunden zwängen lässt. Dass er viele Facetten weglassen musste – den Innenpolitiker, den Wahlkämpfer, den Spendensammler –, würde man dem Autor und Regisseur nicht übel nehmen, wenn er wenigstens den Außenpolitiker glaubwürdig porträtiert hätte. Sein Werk vermittelt jedoch den Eindruck eines Paralleluniversums zerfurchter Geronten, das in Depression versinkt, während sich draußen die Welt verändert.

von Rudolf Ogiermann

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