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Frank-Markus Barwasser (l) und Urban Priol

TV-Kritik: „Neues aus der Anstalt“

München - Das war ein furioser Auftakt für das neue „Neues aus der Anstalt“ (ZDF). Zwei „fränkische Konsonantenschänder“ haben sie nun besetzt:

der alteingesessene Urban Priol und der Immigrant Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig. Der hatte überhaupt keine Integrationsprobleme, obwohl ihm als frisch engagiertem Mann für die Öffentlichkeitsarbeit von Anstaltsleiter Priol nur eine Mischung aus Rumpelkammer und Gefängniszelle als Büro zugewiesen wurde. Wie’s den Einwanderern halt so geht... Aber Pelzig setzte seine Integration leicht brachial durch, holte sich sogleich den Büromöbel-Integrator (Schreiner) Helmut Schleich und erschütterte vehement die Autorität des Chefs. Er gebe ja nur „systemerhaltendes Genörgle“ über Politiker von sich, er müsse sich nicht wie die Sau an der Eiche wetzen, sondern diese als Borkenkäfer von innen zernagen.

So wurden die Kabarett-Positionen der beiden Ps abgesteckt – mit dem Höhepunkt, dass Priol – als Borkenkäfer – in die CSU eintreten möchte. Zuvor watschte er seinen Liebling Merkel ab. Insgesamt ließ er aber Georg-Schramm-Nachfolger Barwasser viel Spielraum. Den der zu so hinterfotzig rabulistischen wie klarsichtigen Analysen nutzte. Etwa dass eine Diktatur wie die in China ein „Standortvorteil“ sei. Oder dass es tatsächlich bei uns Integrationsprobleme gebe, und zwar „die Parallelgesellschaft der Finanzelite“. Da gibt Pelzig den Sarrazin, aber einen, der gegen das „Finanz-Gesindel“ wettert, das „unser Gemeinwesen gefährdet“.

Abwechslungsreich und pfiffig wurde Barwassers Antritts-Auftritt in der „Anstalt“ ergänzt von Schleich, Andreas Rebers und Jürgen Becker. Der klärte charmant-kölsch und bibelfest über das Religionskuddelmuddel auf: Abraham ist mit seinen Weibergeschichten schuld. Während Rebers in einer versponnenen Fantasmagorie gleich eine neue Religion anbot: eben als Kuddelmuddel, aber mit ganz vielen Feier- und Sonntagen. Altbayer Schleich erdete all die Transzendenz, indem er die Vorzüge der Nicht-Integration pries: Wer arbeitet sonst schon für drei Euro die Stunde. Am Schluss sagte Pelzig: „Priol, ich bin fast a bissl stolz auf Sie.“ Ja, das trifft auf die fünf Herren zu.

Simone Dattenberger

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