+
Szene aus dem "Polizeiruf 110 - Grenzgänger".

Neubeginn für Kommissarin Lenski

TV-Kritik: "Polizeiruf 110" mit großer Authentizität

  • schließen

Frankfurt/Oder und seine Menschen sind unübersehbar ungestylt – der ideale Schauplatz für einen Maßstäbe setzenden Neubeginn für Kommissarin Olga Lenski. Die Kritik zum  „Polizeiruf 110“.

Triste Hochhäuser, leerstehende Fabrikhallen, ein Boxclub, der schon bessere Tage gesehen hat, Dunkelheit in Seelen und Blicken, dazu osteuropäische Sehnsuchtsklänge – erstaunlich, wie leicht es manchen Filmemachern doch fällt, für Atmosphäre zu sorgen, und wie unendlich schwer sich so viele andere tun.

Gewiss, der Schauplatz kommt Regisseur Jakob Ziemnicki entgegen, Frankfurt/Oder ist eben nicht (zum Beispiel) Ludwigshafen, Authentizität muss nicht erst mühsam her- beziehungsweise ausgestellt werden. Die Stadt und ihre Menschen sind unübersehbar ungestylt – der ideale Schauplatz für einen Maßstäbe setzenden Neubeginn für Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon), die beim „Polizeiruf 110“ (ARD) nun in einer deutsch-polnischen Ermittlungsgruppe mit Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) zusammenarbeitet.

Wer sich auf die – nicht immer optimal transportierte – Zweisprachigkeit einlässt, wird mit einem zwar konventionellen, aber richtig gut inszenierten Plot belohnt. „Grenzgänger“ sind hier viele – die heimatlosen Tschetschenen, die jede Gelegenheit nutzen, Geld zu verdienen, auch wenn sie dafür mit ihrer Gesundheit bezahlen, der polnische Student, dem die Schicksale der Bürgerkriegsflüchtlinge nicht egal sind, aber auch der deutsche Rechtsanwalt (stark: Manfred Zapatka), der es nicht fertig bringt, seine Familienangelegenheiten zu regeln.

Mit wenigen Strichen zeichnen Buch (Claudia Boysen und Uwe Wilhelm) und Regie diese komplizierte Kain-und- Abel-Geschichte, sie zeigen einen jungen Mann (Christoph Luser), der die permanente Kränkung durch den eigenen Vater brutal mit den Fäusten abreagiert. Regisseur Ziemnicki hält souverän die Balance zwischen dem eigentlichen Fall und kleinen deutsch-polnischen Scharmützeln, er nimmt seine Figuren ernst, sorgt aber auch für kuriose Szenen. Die kleinen Frotzeleien zwischen Lenski und Raczek werden ebenfalls nicht überbetont.

In seinen besten Momenten erinnert „Grenzgänger“ an Dominik Grafs Meisterwerk „Im Angesicht des Verbrechens“ – kein schlechter Einstand für das neue Duo.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Ende der „Kopper-Ära“: An diesem Tag läuft der letzte Tatort mit Andreas Hoppe
Ein trauriger Tag für alle Tatort-Fans: Andreas Hoppe wird demnächst zum Letzten mal als Ermittler Mario Koppe im Fernsehen zu sehen sein. 
Das Ende der „Kopper-Ära“: An diesem Tag läuft der letzte Tatort mit Andreas Hoppe
WWM: So viel Geld erspielten Mittermeier, Moschner und Co.
Eine hübsche Stange Geld haben Günther Jauchs prominente Kandidaten bei „Wer wird Millionär?“ am Donnerstagabend für den guten Zweck erspielt.
WWM: So viel Geld erspielten Mittermeier, Moschner und Co.
„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Tickets und Live-Stream
Die „Helene Fischer Show“ ist auch an Weihnachten 2017 wieder zu sehen. Hier gibt‘s alle Infos zu Gästen, Tickets, Live-Stream und Sendetermin.
„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Tickets und Live-Stream
So wenig Trekkie-Feeling steckt in „Star Trek: Discovery“
Star Trek ist im Netflix-Zeitalter angekommen. Auf der Plattform ist gerade die erste Hälfte der ersten Staffel der Serie „Discovery“ abgelaufen. Technisch bleibt die …
So wenig Trekkie-Feeling steckt in „Star Trek: Discovery“

Kommentare