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Zivilcourage mit tödlichen Folgen: Jannik Schümann, Edin Hasanovic und Enno Kalisch (v. l.) im „Tatort“ aus Berlin.

TV-Kritik

Brunner "Tatort": Kein moralischer Appell

Kameras an dunklen Orten vermitteln Sicherheit - doch der Schein trügt. Der aktuelle ARD-"Tatort", der am Fall Dominik Brunner angelehnt ist, spielt vor allem mit der Macht der Bilder. Lesen Sie hier die Kritik:

Kameras im Zug, Kameras auf dem Bahnsteig, Kamera im Handy, das natürlich stets dabei ist, wenn Menschen unterwegs sind – (U-)Bahnhöfe scheinen zu den öffentlichsten, den sichersten Räumen zu gehören, die es gibt. Und doch können sie zu den einsamsten, hoffnungslosesten Orten des Lebens werden. Augen- und Ohrenzeugen eines tödlichen Gewaltausbruchs werden – dank der fast perfekten Überwachungstechnik – sukzessive die ARD-„Tatort“-Kommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) in der Episode „Gegen den Kopf“. Und mit ihnen die Zuschauer, die mit jedem Ermittlungsfortschritt mehr Details des Verbrechens zu sehen bekommen.

Drehbuchautor und Regisseur Stephan Wagner nahm für Berlin Maß am Fall des Münchners Dominik Brunner, hier wie dort ist die Zivilcourage eines Einzelnen Auslöser eines sprachlos machenden Blutrauschs vor mehr oder weniger großem Publikum. Wagner gelingt, zusammen mit den Schauspielern, eine außerordentlich authentische Zeichnung des Schauplatzes und der Personen, die hier zufällig zusammentreffen. Es gibt keine moralischen Appelle, es wird nur nüchtern protokolliert, wie sehr die Tat auch Menschen verstört und versehrt, die „nur“ zugesehen und zugehört haben.

Nicht auf die Intuition der Kommissare setzt dieser Krimi, sondern auf die Möglichkeiten der (Kriminal-)Technik, die ganz en passant offenbart, wie gigantisch die tagtäglich erzeugte Bilderflut geworden ist – und wie wenig Sicherheit sie tatsächlich schafft. Daraus ergibt sich eine spannende Dramaturgie, deren Schöpfer sich nur in den Nebenhandlungen der (Boulevard-)Medienkritik und des „Verrats“ in den eigenen Reihen ein wenig Kintopp erlaubt.

Ernüchternd und eindrucksvoll zugleich dagegen die Zeichnung der Mörder. Keine tumben Tötungsmaschinen führen die brillanten Jannik Schümann als Konstantin und Edin Hasanovic als Achim hier vor, sondern junge Männer, denen die Fähigkeit zur Empathie irgendwann und irgendwie abhanden kam. Kein Wort des Bedauerns, bis zum Schluss. Auch „Gegen den Kopf“ liefert keine Erklärung – und schon gar keine Entschuldigung, der Film überlässt dem Haupttäter die Antwort auf die Frage nach dem Warum: „Einfach so. Es gibt keinen Grund.“

Rudolf Ogiermann

Der Fall Dominik Brunner - Bilder vom Tatort

Jugendliche prügeln 50-Jährigen zu Tode

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