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Wieder zu dritt in München: Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec), Carlo Menzinger (Michael Fitz) und Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, v.l.).

(Gewalt-)Spirale überspannt

TV-Kritik zum Münchner "Tatort"

„Macht und Ohnmacht“, der aktuelle Münchner "Tatort", hätte ein Lehrstück werden können über die allgegenwärtige Versuchung, Rache zu üben, statt Recht walten zu lassen. Warum es den Machern doch nicht gelang: die TV-Kritik!

Wie von Sinnen prügelnde und tretende Jugendliche, ein wie von Sinnen prügelnder Polizist – schon in diesen ersten Minuten präsentieren die Macher dieses Krimis ihr Thema (über-)deutlich – die Spirale der Gewalt zwischen Straftätern und Gesetzeshütern, die sich immer weiterdreht und Gefühlskrüppel auf beiden Seiten erzeugt. „Macht und Ohnmacht“, der jüngste „Tatort“ (ARD) aus München, nimmt den Alltag der Polizei ins Visier, er zeigt Beamte, die ihren Idealismus längst verloren haben, was darin gipfelt, dass sich einer von ihnen vor den Augen der anderen auf der Wache erschießt.

Die Drehbuchautoren, Dinah Marte Golch und Edward Berger, haben sich eine Menge vorgenommen, und das merkt man dem Film an. Nichts ist heil in ihrer Welt, hier zerbrechen Ehen unter der Last des Berufs, hier kreist wie selbstverständlich die Faust, egal, ob es sich nun um das Milieu des deutschen Mittelstands oder das türkischer Migranten handelt. Sogar der für ein paar Tage aus Thailand nach München gereiste Carlo Menzinger (Michael Fitz), ehemaliger Kollege der Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), verliert die Contenance und schlägt einen, der seine Frau schlägt.

Und da fangen die Probleme dieses Krimis an. Zu konstruiert ist die Beziehung Carlos zu den Kollegen in Uniform, zu weit hergeholt der Grund, warum er ausgerechnet den Kontakt zu dem ins Visier der Kripo geratenen Matteo Lechner (Emilio de Marchi) sucht. Und auch sonst scheitern die Autoren und Regisseur Thomas Stiller an den Gesetzen der Logik. Dem Prinzip, eine möglichst große Auswahl an Verdächtigen zu präsentieren, wird alles andere untergeordnet, Mordmotive bleiben diffus. Nicht nachvollziehbar ist auch, warum die Regie so oft und ausführlich Polizisten nackt zeigt. Symbol für die Verletzlichkeit des Menschen? Oder Spielerei, die für Schlagzeilen sorgen soll?

„Macht und Ohnmacht“ hätte ein Lehrstück werden können über die allgegenwärtige Versuchung, Rache zu üben, statt Recht walten zu lassen, über die Diskrepanz zwischen den Buchstaben des Gesetzes und der bitteren Realität. Doch leider endet, was so vielversprechend begann, ziemlich beliebig und konventionell. Schade.

Rudolf Ogiermann

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