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Ein Biest wie aus dem Buch: Nadine (Emma Drogunova) mit Kommissar Schenk (Dietmar Bär).

„Kein Mitleid, keine Gnade“

So böse! TV-Kritik zum „Tatort“ aus Köln

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Der Tatort „Kein Mitleid, keine Gnade“ erzählt eindrucksvoll von der Boshaftigkeit und dem Bösen, die sich immer breitere Wege in unserer Gesellschaft bahnen. Eine Kritik von TV-Redakteurin Stefanie Thyssen.

„Diese Welt ist nicht für uns gemacht“, sagt ein resignierter Kommissar Max Ballauf am Ende dieses Krimis zu seinem Kollegen Freddy Schenk. Es ist ein Fazit, das nachhallt. Weil es die ganze Verzweiflung der Ermittler, dieses Gefühl von „Was läuft hier eigentlich alles schief in dieser Welt?“ eindringlich in eine Szene packt, die (mutmaßlich sehr vielen) Zuschauern noch dazu aus der Seele sprechen dürfte. Der Zustand unserer Gesellschaft (oder jedenfalls von Teilen von ihr) ist das Thema dieser insgesamt sehr starken „Tatort“-Folge aus Köln von Johannes Rotter (Buch) und Felix Herzogenrath (Regie).

Ballauf und Schenk stoßen auf eine Mauer des Schweigens  

Ein 17-jähriger Schüler wird ermordet aufgefunden. Nackt liegt er in einem Waldstück. Als Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk die Mitschüler befragen wollen, stoßen sie nicht nur auf eine Mauer des Schweigens, sondern auf Jugendliche, die, so der Titel des Films, „Kein Mitleid, keine Gnade“ kennen. Dafür umso besser Hass, Häme und Homophobie.

Der Tote war homosexuell. „Eine Schwuchtel“, wie die Mitschüler abfällig kommentieren, die das Gedenkfoto des Opfers am Schwarzen Brett des Gymnasiums denn auch gleich mit obszönen Kritzeleien (ein Riesen-Penis) „verziert“ haben. Man mag sich nicht ausmalen, wie diese „Kameraden“, die noch nicht einmal nach seinem Tod einen Funken Respekt für ihren Mitschüler übrig haben, ihn zu Lebzeiten quälten. Da kommt „der fette Bulle“, wie diese Halbstarken Freddy Schenk lautstark nennen, vergleichsweise harmlos daher.

Auf ihn, den beleibten Kommissar, hat es vor allem Nadine (Emma Drogunova) abgesehen. Einen unbeobachteten Moment zwischen ihr und Schenk nutzt sie, für die der Begriff Biest noch zu nett ist, um ihm sexuelle Belästigung anzukreiden. Natürlich muss (!) dann tatsächlich ermittelt werden, der Vorwurf steht schließlich im Raum. Und eh er sich versieht, steckt Schenk (gerade in diesen Momenten stark: Dietmar Bär) mittendrin im Schlamassel. Selbst manch Kollege ist sich nicht mehr sicher, ob der Freddy nicht eventuell doch ...

„Kein Mitleid, keine Gnade“ ist am Ende ein simpel gestrickter Krimi. Ein Eifersuchtsdrama. Aber er erzählt viel und eindrucksvoll von der Boshaftigkeit und dem Bösen, von Neid und Niedertracht, die sich immer breitere Wege in unserer Gesellschaft bahnen. Es ist zum Heulen. Mehr Mitleid, bitte!

Lesen Sie auch:„Tatort“- und „Traumschiff“-Schauspieler gestorben - er galt als einer der meistbeschäftigten Darsteller

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) spielt kurz nach dem Streit um den WDR im „Tatort“ sich selbst. Das führt auf Twitter zu Empörung.

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