TV-Jahr 2007: Christiansen ging, Anne Will kam

Hamburg - Der 11. Januar 2007 hat das Fernsehen nicht verändert, aber das TV-Jahr geprägt.

Denn an jenem Tag, es war ein Donnerstag, informierte Günther Jauch die ARD-Intendanten, dass er nicht wie ein halbes Jahr zuvor festgelegt als Nachfolger Sabine Christiansens den sonntäglichen Polittalk moderieren wird. Der Erdrutsch, den Jauch damit im System ARD auslöste, war beachtlich - die personellen Folgen erheblich. Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman und ihr Auftritt bei Johannes B. Kerner, einige Flops und die starken Auftritte kleinerer Sender fielen im Fernsehjahr 2007 aus dem Rahmen.

Jauchs Entscheidung für seinen Stammsender RTL und gegen die ARD begründete er unter anderem mit dem Gegenwind von Seiten der ARD- Gremien, die er in einem Interview als "Gremlins" bezeichnete. Weil Jauch nicht zur ARD wechselte, trat Anne Will im September Christiansens Nachfolge an. Wills Nachfolgerin bei den "Tagesthemen" wurde Caren Miosga. Und weil Frank Plasberg im Wettstreit mit Will den Kürzeren gezogen hatte, wurde seine Sendung "Hart aber fair" vom WDR-Fernsehen in die ARD verlegt - seinen WDR-Platz am Mittwochabend übernahm Gerhard Delling mit seinem neuen Format "Dellings Woche".

Für gewaltigen Gesprächsstoff sorgte Eva Herman. Bei der Präsentation ihres Buchs "Das Prinzip Arche Noah" machte sie missverständliche Äußerungen zur Familienpolitik der Nationalsozialisten. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) trennte sich von seiner Moderatorin, die aber nicht locker ließ. Im Oktober saß sie bei Kerner im ZDF, distanzierte sich in den Augen ihres Gastgebers aber nicht hinreichend von ihren Thesen. Kerner komplimentierte die 49-Jährige aus seiner Talkshow - die Diskussionen hielten danach tagelang an.

Auch andere TV-Stars machten außerhalb des Bildschirms auf sich aufmerksam: Oliver Geissen, täglicher Talkmaster bei RTL, trennte sich von seiner Frau und tat sich mit Schauspielerin Christina Plate zusammen. ZDF-Polittalkerin Maybrit Illner verließ ihren Mann und gab Telekom-Vorstandschef René Obermann den Vorzug. Und Anne Will sagte der "Bild am Sonntag", dass sie und die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel ein Paar sind.

Das Fernsehen bot aber auch in anderer Hinsicht Grund für Gerede. Wieder einmal mussten einige Sender Rückschläge einstecken, mit denen sie nicht unbedingt gerechnet hatten, vor allem im Serienbereich. Der ARD gelang es nicht, mit "Ein Fall für Nadja" und "Elvis und der Kommissar" am Montagabend einen neuen Serienplatz zu schaffen. Dem ZDF gelang es nicht, mit "Anna Pihl" und "Feine Freundinnen" Lizenzproduktionen zu etablieren. Sat.1 musste sich von "Verliebt in Berlin" verabschieden und konnte auch "Allein unter Bauern" dem Publikum nicht näher bringen.

RTL hatte Pech mit der Daily Soap "Ahornallee" und verschob nach einem verpatzten Start "Die Familienanwältin" mit Mariele Millowitsch. ProSieben erlitt Schiffbruch mit "Verrückt nach Clara" und "Alles außer Sex". RTL II musste die Schuldnerberatungsshow "Der Requardt" einstellen und auch "Der Club der Ex-Frauen" mit Racheengeln wie Claudia Effenberg, Giulia Siegel und Maja von Hohenzollern stieß beim TV-Publikum nicht auf Anklang.

Das Leid der Großen ging einher mit der Freude der Kleinen: Der Kölner Privatsender Vox, Spezialist für Kochshows und US-Serien, erreichte mit 8,5 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer neue Rekordwerte. Auch Tele 5 und Das Vierte erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Und wem ARD und ZDF sowie das werbefinanzierte Fernsehen zu wenig bieten, der muss eben zahlen. Kabel Deutschland erhöhte sein Sender- Repertoire weiter, und Konkurrent Premiere startete mit Premiere Star eine neue Plattform mit derzeit 17 zusätzlichen Kanälen.

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