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Udo Kier spielt die Hauptrolle in ­„Altes Geld“: einen todkranken ­Patriarchen.

Neue Serie "Altes Geld"

Udo Kier im Interview: "Hier gibt es kein Tabu"

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München - Er ist der schillerndste deutsche Schauspieler in den USA, drehte mit Andy Warhol, arbeitete mit Rainer Werner Fassbinder, stand für Lars von Trier vor der Kamera und spielte in den Videos von Madonna mit: Udo Kier. Wir trafen ihn zum Interview.

Nun hat er die Hauptrolle in einer Serie des österreichischen Regisseurs David Schalko übernommen: "Altes Geld" ist eine bitterböse, opulent inszenierte Familiensaga um Korruption, Hass und Inzest. Hier wird nichts, aber auch gar nichts ausgelassen. RTL Crime (zu empfangen über Sky) strahlt acht Folgen aus. Erzählt wird die Geschichte des Patriarchen Rolf Rauchensteiner (Kier), der todkrank ist und demjenigen, der ihm eine neue Leber besorgt, seine Milliarden vererben will. Die tz traf Udo Kier zum Interview.

Hier gibt es kein Tabu

Herr Kier, willkommen in München! In den 70er- und 80er-Jahren haben Sie hier ge­lebt und gearbeitet. Erinnern Sie sich gern an die Zeit?

Udo Kier: Ja natürlich. Ich bin gestern gleich nach meiner Ankunft in das Restaurant der Deutschen Eiche gegangen, wo ich immer mit Fassbinder war. Wir haben dort sogar eine Zeit lang gewohnt. Das war schön.

Sie klappern die alten Orte ab?

Kier: Ja, und ich mache diese Gänge auch bewusst ganz alleine. Der Viktualienmarkt war für mich auch immer etwas Besonderes … Ich war ja lange hier. Der Bruch, wenn man das über­haupt so nennen kann, kam, als es mich weiterzog, nach Amerika.

Sie klingen fast wehmütig. Können Sie sich eine Rückkehr vorstellen?

Kier: Also Tränen in den Augen habe ich nun auch wieder nicht (lacht). Nein. Ich liebe Sonne, ich bin 71 Jahre alt, da ist die Sonne gut für den Körper. Eine Rückkehr wäre auch schlecht für die Geschichtsbücher. Geboren in Köln, gestorben in Köln oder München. Wie klingt das denn?

Das wäre Ihnen zu banal?

Kier: Die jungen Leute würden lachen und sagen: Der ist nie aus Deutschland rausgekommen (lacht).

Dabei ist Amerika längst Ihre Heimat geworden, oder?

Kier: Ja, ich habe mir in Amerika wunderschöne Orte geschaffen. Ich wohne in einer ehemaligen Bücherei und sammle Möbel aus den 50er-Jahren. Ich habe eine Ranch, die 20 Minuten von Palm Springs entfernt liegt, weitere 20 Minuten weiter habe ich eine Scheune, wo ich Möbel vom Second-Hand-Store horte. Das alles soll ich aufgeben für ein teures Appartement in der Maximilianstraße? Never! Ich mag dieses zurückgezogene Leben. Und wenn ich dann eingeladen werde, für einen Abend nach München zu fliegen, mache ich das umso lieber.

Womit wir beim Grund Ihres Besuchs wären: Die Serie „Altes Geld“ feiert Premiere in Deutschland. Und Sie spielen die Hauptrolle.

Kier: Ja, der hervorragende Re­gisseur David Schalko hat mir die Gelegenheit gegeben, nach 50 Jahren in diesem Beruf in Deutschland die Hauptrolle in einer Serie zu spielen. Ich war in deutschen Produktionen bislang ja eigentlich immer „nur“ der Gast – im Tatort zum Beispiel. Nun eine große Serie – das fand ich toll. Allerdings hatte ich erst abgelehnt.

Warum?

Kier: Ich bin ja sozusagen eine Ersatzbesetzung. Gert Voss, der meine Rolle zuerst gespielt hat, starb während des Drehs. Als ich gefragt wurde, ob ich diesen Rauchensteiner spiele, habe ich gesagt: Den Knecht vom Burgtheater zu ersetzen, ist einfach, aber nicht den König (Voss war viele Jahre Star an dem Wiener Theater). Insofern hatte ich Bedenken.

Was hat Sie dann umgestimmt?

Kier: Als ich erfuhr, dass Sunnyi Melles die Rolle spielt, habe ich gesagt: Wunderbar. Dann mach ich es.

Sie kannten sich?

Kier: Wir haben nie zusammen gearbeitet, aber ich habe Sunnyi kennengelernt, als ich vor acht, neun Jahren in München meinen Geburtstag gefeiert habe. Das war in einem schönen Hotel damals. Und ich dachte, es wäre schön, Sunnyi einzuladen und sie kennenzulernen. Sie ist etwas ­Besonderes.

Sie haben gut zusammengear­beitet?

Kier: Oh ja, wir hatten eine gute Zeit. Überhaupt hat keiner der Schauspieler versucht, sich in den Vordergrund zu spielen. Das gibt es ja – vor allem bei Schauspielern, die die kleinen Rollen haben. Die kommen mit den schrägsten Idee … (lacht) Nein, hier war al­les wunderbar. Ich könnte diese Serie noch weiter drehen.

Was mögen Sie genau?

Kier: Es gibt bei dieser Serie kein Tabu. Dallas und Denver waren auch böse, voller Intrigen, denken Sie an Joan Collins. Aber hier gibt es kein Tabu.

Ganz im Gegenteil – es tun sich Abgründe auf: Von tiefem Hass über Inzest bis zu Korruption ist alles dabei.

Kier: Das hat damit zu tun, dass die Serie in Österreich spielt und von einem Wiener ge­schrieben wurde.

Das müssen Sie erklären.

Kier: Der Humor in Österreich, besonders in Wien, ist ganz anders als in Deutschland. Der Deutsche hat ja gar nicht so viel Humor. Der Österreicher dage­gen ist ironisch. „Na hörst, na gehst, bist deppert“. So geht das da den ganzen Tag (lacht). Und dieser böse, schwarze Humor macht die Serie aus. Ich finde sie ungewöhnlich und sehr gut. Und das sage ich nicht, weil ich mitspiele. Wenn ich es nicht gut fände, säße ich nicht hier (lacht). Kurzum: Ich bin happy!

Das sagt Sunnyi Melles 

Udo Kier und Sunnyi Melles. 

Für die weibliche Hauptrolle konnte Regisseur David Schalko Theaterstar Sunnyi Melles gewinnen – ein Glücksfall für die Serie, aber auch für die Schauspielerin, wie sie im Gespräch mit der tz erzählt: „David Schalko hat diese Rolle für mich geschrieben“, so die 57-Jährige. „Er hat immer gesagt: ‚Ich wusste beim Schreiben, dass du es spielen wirst.‘ Dafür liebe ich ihn.“ Melles spielt Liane Rauchensteiner, die zweite Ehefrau des Patriarchen. Eine durchtriebene, skrupellose Frau, abgebrüht genug, eine Affäre mit ihrem Stiefsohn anzufangen. „David Schalko schreibt wie Shakespeare“, sagt Melles mit leuchtenden Augen. „Für meine Figur formuliert er Sätze wie: ,Liebe ist etwas für den Mittelstand‘ und beschreibt somit, was das für eine Frau ist. So etwas fällt nur David Schalko ein. Das ist genial.“

Überhaupt hat es ihr die Miniserie angetan: „Ich bin RTL Crime dankbar, weil man dort – wie beim ORF – visionär und innovativ ist, so ein Werk wie Altes Geld zu senden“, sagt Melles. „Weil es die Zukunft solcher Geschichten zeigt, die ins Fernsehen gehören.“ Die Zuschauer würden nicht unterfordert, sondern sie denken, sagt Melles. Das sei auch für sie einer der wichtigsten Ansprüche: „Kunst kennt keine Diplomatie. Diese Serie soll irritieren, provozieren und nachhaltig in Erinnerung bleiben.“ Der Schlüssel des Ganzen sei dabei der Humor. „Altes Geld ist kein Melodram, sondern eine Tragikomödie.“

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