Will keine Hoeneß-Kopie sein: Hauptdarsteller Thomas Thieme.

Dokudrama läuft im August

Verzockt: ZDF stellt Hoeneß-Film vor

München - Das ZDF hat in München das Dokudrama „Uli Hoeneß – Der Patriarch“ vorgestellt. Der Film läuft am 27. August.

Die Wurst nur über die Ladentheke hinweg zu verkaufen – das sei dem Metzgerssohn aus Ulm schon als Jugendlichem zu wenig gewesen, suggeriert dieser Film. Der Bub wollte hoch hinaus, aber der Vater schmetterte die Idee, doch auch Betriebskantinen zu beliefern und für die notwendigen Vergrößerung der Metzgerei einen Kredit aufzunehmen, brüsk ab. Uli Hoeneß, der Jugendliche von damals, sollte später noch viele Möglichkeiten bekommen, die ganz großen Geschäfte zu machen – am Ende standen die Steuerhinterziehung in Millionenhöhe und eine dreieinhalbjährige Haftstrafe.

Eineinhalb Jahre nach dem Urteilsspruch des Landgerichts präsentierte das ZDF nun am Donnerstag in München vor Journalisten ein Dokudrama über den einstigen Fußballprofi und langjährigen Funktionär des FC Bayern München. Es trägt den Titel „Uli Hoeneß – Der Patriarch“ und soll am 27. August um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden. Die Macher hätten versucht, zu ergründen, „wie ein so erfolgreicher Mann sich in solche Verfehlungen verstricken kann“, erläuterte Peter Arens, Kulturchef des Mainzer Senders. Man habe lange um die angemessene Form des Films gerungen, das Ergebnis des dokumentarischen Fernsehspiels sei auch „eine kleine Zeitreise in die Fußballwelt der Siebzigerjahre“.

Unter der Regie von Christian Twente entstand die für das Genre typische Mischung aus dokumentarischem Material und Spielszenen, in denen Hoeneß von Robert Stadlober beziehungsweise von Thomas Thieme verkörpert wird. Ergänzt wird der Neunzigminüter durch Interviews mit Zeitzeugen. Das Drehbuch basiert zu einem wesentlichen Teil auf den Protokollen der „SZ“-Gerichtsreporterin Annette Ramelsberger. Hoeneß selbst, seine Familie und die Vereinsführung hätten eine Mitwirkung an dem Projekt abgelehnt, berichtete Produzent Walid Nakschbandi.

Der viertägige Prozess bildet die Rahmenhandlung, doch vor allem im ersten Teil ist „Uli Hoeneß – Der Patriarch“ das gut geschnittene Porträt eines talentierten Fußballers, der nach seinem verletzungsbedingt frühen Karriereende mit erst 27 Jahren als Manager des FC Bayern den „goldenen Absprung“ schafft.

Viele Äußerungen dokumentieren Hoeneß’ Willen, den Verein zur internationalen Größe und das selbstbewusste „Mia san mia“ zum Markenzeichen zu machen, um den gern gezahlten Preis, die gesamte Liga gegen sich aufzubringen. Twentes Film zeigt einen streitbaren Manager in hitzigen „Sportstudio“-Diskussionen, Beobachter wie Münchens Ex-Oberbürgermeister Christian Ude beschreiben das „starke Freund-Feind-Schema“, bei dem die „Fürsorge für die eigenen Leute“ mit der Härte gegen die Konkurrenten kontrastiert. „Uli Hoeneß ist ein Patriarch“, formuliert es Sportjournalist Manfred Breuckmann: „Er hilft dir, aber du darfst nicht widersprechen.“

Doch der mächtige Macher, das Alphatier wird – auch das zeigt der Film in vielen Szenen – mehr und mehr zum Opfer seiner Spielsucht, immer wieder sieht man den Film-Hoeneß, wie er via Pager mit auf einem geheimen Konto in der Schweiz geparkten Millionen spekuliert und mit seiner ständigen geistigen Abwesenheit die Fußballerfreunde im Mannschaftsbus und die Familie zuhause am Tegernsee verärgert.

Die zunehmende Selbstüberschätzung eines Menschen, der in allem der Beste sein wollte, wird mehr und mehr zur These des Films. Diese Selbstüberschätzung habe dazu geführt, dass die Selbstanzeige, mit der Hoeneß einem Verfahren wegen Steuerhinterziehung zuvorkommen wollte, voller Fehler gewesen sei, sagt ein Beobachter. Und „SZ“-Reporterin Ramelsberger formuliert ihren Eindruck, der Mann auf der Anklagebank habe bis zuletzt nicht für möglich gehalten, tatsächlich zu einer Haftstrafe verurteilt zu werden. Wie auch, schließlich habe er nicht nur als Fußballmanager, sonden auch, was seine Anwälte betrifft, „die Besten eingekauft“.

„Wir sind keine Scharfrichter“, betonte ZDF-Kulturchef Arens gestern die Neutralität der Filmemacher. Die Brüche zeigten sich in kleinen Szenen, machte dagegen Regisseur Twente deutlich. „Einer, der sich selbst als ehrlich und grundanständig beurteilt, stolpert über seinen extremen Ehrgeiz.“ „Eine Figur, die man spielen muss“, begeisterte sich Thomas Thieme über Uli Hoeneß, dessen „persönliche Perfomance“ ihm immer imponiert habe. Der Ex-FC-Bayern-Präsident sei ein Solität in einer Welt, in der es nur noch „Wegducker und Rumschleimer“ gebe, schwärmte der Schauspieler. Dass er nicht den gleichen Dialekt spricht wie Hoeneß, ist für Thieme kein Thema: „Ich halten nichts von der Schauspielerei, bei der man den Menschen, den man spielt, nur kopiert. Ich musste in die Seele rein.“

Rudolf Ogiermann

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