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Die Aristokratie sieht turbulenten Zeiten entgegen: Im Jahr 1825 müssen der Graf (Walter Sittler) und die Gräfin (Ulrike Folkerts) von Rennitz im Königreich Hannover ihr adliges Geburtsrecht verteidigen. An diesem Sonntag zeigt das ZDF den Film „Das goldene Ufer“ ab 20.15 Uhr.

Am Sonntag im TV in "Das goldene Ufer"

Ulrike Folkerts im Merkur-Interview: "Ich mag es zu überraschen"

München - Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Ulrike Folkerts über den ZDF-Historienfilm "Das goldene Ufer", Gräfinnenkleider und unsere Angst vor allem Fremden.

Mit ihr verbindet man Lederjacke und raue Abgeklärtheit. Doch Ulrike Folkerts ist mehr als Lena Odenthal, die sie seit 25 Jahren im Ludwigshafener „Tatort“ spielt. Am diesem Sonntag sieht man sie im ZDF-Historienfilm „Das goldene Ufer“ ab 20.15 Uhr an der Seite von Walter Sittler als gestrenge Gräfin. Im Interview erzählt die 53-Jährige von dem Charme eines historischen Films, Zeitreisen und ihre eigenen Vorlieben als Schauspielerin.

Sie als Gräfin des 19. Jahrhunderts im ausstaffierten Kleid: Hat es Spaß gemacht, in die Rolle zu schlüpfen?

Ulrike Folkerts: Und wie! Mir hat das wahnsinnig gut gefallen. Ich hatte immer den Wunsch, mal in einem historischen Film mitzumachen. Meine Kleider waren alle maßgeschneidert, die historischen Kostüme haben es erleichtert, in die Rolle hineinzufinden. Dann haben wir mit Kerzenlicht gedreht. Am Ende des Drehtags hatten wir ganz schwarze Nasenlöcher von dem Ruß. Aber der Effekt ist, dass eine Hälfte vom Gesicht dieses warme Kerzenlicht bekommt und die andere Gesichtshälfte dunkel ist – wie auf alten Gemälden. So gelingt es, diesen historischen Touch da hineinzuzaubern.

Es ist ungewohnt, Sie mit Hochsteckfrisur und Collier zu sehen. Gefällt Ihnen genau das – Publikumserwartungen zu brechen?

Folkerts:In Hamburg stehe ich zurzeit zwei Stunden im Business Kostüm und High Heels auf der Bühne. Die Leute sind vielleicht ein bisschen verdattert im ersten Moment, aber ich mag das, sie zu überraschen. Mir macht das Spaß, mich zu verwandeln und verschiedenste Charaktere zu übernehmen. Die „Tatort“-Kommissarin klebt natürlich an mir. Kein Format wird so viel wiederholt, keiner macht das so lang wie ich. Aber ich versuche, mich davon komplett frei zu machen und zu sagen: „Ey Leute, schaut her, ich kann auch noch ganz andere Sachen.“

Ein Abtauchen in eine andere Zeit – hätte Ihnen das 19. Jahrhundert zum Leben gefallen?

Folkerts:Nun, man kann sich dieser Zeit natürlich nur annähern. Ich glaube nicht, dass wir wirklich nachempfinden können, wie sich das Leben damals angefühlt hat. Ich bin manchmal durch dieses Guts-haus geschritten und habe gedacht: „Mein Gott, wie haben die das eigentlich heizen können im Winter?“ Dann brauchte eine Frau immer jemanden zum Ein- und Auskleiden, weil man gar nicht alleine in die Klamotten kommt. Keine Ahnung, ob mir das so gut gefallen hätte. Ich wäre natürlich als Gräfin in der besseren Situation gewesen. Wobei der Film auch schön zeigt, dass da gerade die Krise heraufbeschworen wird. Die Gräfin wird vor Panik, Entsetzen und Angst, alles zu verlieren, ziemlich boshaft.

Sie bedroht alle Angestellten, die aufbegehren, und sich nicht in ihre vorgegebene Rolle fügen wollen, mit drakonischen Strafen…

Folkerts:Das ist ihre Möglichkeit, mit der Situation umzugehen. Sie ist sehr verzweifelt. Sie spürt, dass es bei den Angestellten brodelt und dass sie Widerworte geben. Sie muss ihre Machtposition klar stellen, um sie im Zaum zu halten. Ich fand das plötzlich total nachvollziehbar. Dann konnte ich das auch gut spielen und hatte für die Frau vollstes Verständnis.

Der Film „Das goldene Ufer“ zeigt die Klassenunterschiede, die im 19. Jahrhundert herrschten. Haben wir das heute wirklich überwunden?

Folkerts:Nein, ganz gerecht geht’s auch in unserer heutigen Gesellschaft nicht zu. Das wissen wir alle. Mit einem ausländischen Nachnamen zum Beispiel hat man es schwerer bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz – egal, wie gut das Zeugnis ist, egal wie lange man hier lebt. Die Leute haben Angst vor Fremden, vor dem, was sie nicht kennen. Anstatt zu sagen: „Ok, ich bin neugierig, die Menschen haben einen Grund, hierher zu kommen. Sie haben alles verloren und machen sich auf einen wahnsinnig gefährlichen Weg – und brauchen unsere Unterstützung.“ Denn wir haben wirklich mehr als genug. Wir sind so reich, weil die Menschen in den Dritte-Welt-Ländern so arm sind. Das sind ähnliche Ungerechtigkeiten wie die, die wir im Film zeigen. Ich glaube, Geschichte wiederholt sich immer: Es gibt immer die, die an ihrer Macht festhalten und versuchen, sie auszubauen, und das geht meist auf Kosten von anderen. Da muss man sich immer wieder an die eigene Nase fassen, wie offen und tolerant man selber ist. Da gibt es immer wieder was zu lernen.

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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