"Es ist unkeusch, heimatlich zu denken" - Neue Folgen von "Pfarrer Braun": Ottfried Fischer ermittelt wieder

München - "Wenn ich nicht weiß, wie man einen Pfarrer spielt, kann ich einpacken", sagt der ehemalige Klosterschüler Ottfried Fischer. Ab heute verbindet er in zwei neuen Folgen von "Pfarrer Braun" die Morgenandacht wieder mit der Mörderjagd. Parallel arbeitet er an einem Kabarettprogramm.

Am 10. Juni ist Premiere in der Lach & Schieß.

Das Programm heißt "Wo meine Sonne scheint" und dreht sich ums Thema Heimat. Erzählt wird eine fiktive Geschichte: Die Uno hat beschlossen, wegen des Flüchtlingsunwesens auf der Welt ein "Jahr der Heimat" auszurufen. Zur Vorbereitung wird eine Kommission gebildet, aus der ein Erzähler berichtet. Er wird als kompetent erachtet, weil er aus der Volksmusik-Branche stammt.

Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Programm?

Ich wurde mal gebeten, einen Vortrag vor Wirtschaftsgrößen und Politikern über ein frei zu wählendes Thema zu halten. Damals dachte ich mir, dass gerade Kabarettisten mit der Heimat ein seltsames Gefühl verbinden. Es ist ein bisschen unkeusch, heimatlich zu denken in unseren Kreisen, andererseits sind auch wir Bestandteil von Heimat. Man hat immer gleich Karl Moik und das Musikantenstadl im Kopf bei dem Wort, aber es steckt viel mehr drin. Viele haben sich erst in jüngster Zeit wieder an dieser Diskussion abgearbeitet. Und jetzt auch ich.

Fürs Kabarett ist es nötig, "dem Volk aufs Maul zu schauen". Das können Sie spätestens seit dem Erfolg des "Bullen von Tölz" nicht mehr. Alle beobachten Sie und nicht umgekehrt.

Man hat dem Volk aber vorher jahrelang aufs Maul geschaut, ohne dass man erkannt wurde. Da gibt es immer noch Begebenheiten, die nicht verbraten sind. Außerdem kennt man die Schemata. Und ich höre auch im Bekanntenkreis jede Menge Geschichten und habe genügend Phantasie, daraus etwas weiterzuspinnen. Klar, ich beobachte nicht mehr so viel selber wie früher. Aber dafür erzählen mir viele Leute Begebenheiten, die sie für lustig halten. Daraus lässt sich etwas machen. Sie sehen, der Stoff geht nie aus.

Ändern Sie spontan noch auf der Bühne?

Ich korrigiere vorher in einigen Durchgängen. An Pointen muss man basteln, bis sie sitzen. Man muss flexibel sein. Das ist beim Fernsehen ähnlich: Ich bin keiner, der den heiligen Drehbuchautor verehrt. Die schreiben tolle Plots und erfinden großartige Geschichten, aber es sind auch Schreibtischtäter. Sie sind nicht im Dialog zuhause und haben nicht die Erfahrung, die einer wie ich mit 20 Jahren Kabarett hat. Da nehme ich mir heraus, einen Text zu ändern, wie es die Umgebung verlangt. Und ich werde meist engagiert unter der Maßgabe, mit Hand anlegen zu dürfen. Das ist auch beim "Pfarrer Braun" so.

Die Folge aus Potsdam dreht sich ums Judentum.

Mir gefiel gut, dass man das Thema Judentum in Deutschland mal nicht auf eine wahnsinnig betroffen machende Weise angeht. Andererseits überlegt man sich jeden Gag über Rabbiner zweimal. Man hat als Deutscher immer noch anderes im Hinterkopf und blödelt nicht einfach drauflos.

Klingt, als ob die Dreharbeiten schwierig waren.

Nein, nicht mehr als sonst. Es war eine interessante Erfahrung, die jüdischen Rituale mitzuerleben. Am Set gab es einen Synagogen-Vorbeter, der uns beraten hat. Bis auf wenige Ausnahmen kommt das Judentum im Unterhaltungsbereich bei uns nicht vor. Dabei sollten gerade wir Filmschaffende die Chance nutzen, auf sinnliche, leichte Weise etwas über diese Religion und die damit verbundene Lebensweise zu vermitteln. Bei Katholiken und Protestanten funktioniert das doch auch.

"Pfarrer Braun"

Die vorerst zwei neuen Folgen von "Pfarrer Braun" laufen jeweils donnerstags am 3. (heute) und am 10. April um 20.15 Uhr im Ersten Programm.

Er war jahrelang der Liebling der Massen, wurde nach seinem Seitensprung und dem öffentlich ausgetragenen Ehekrieg zum Buhmann, jetzt ist er fast schon eine tragische Gestalt: Ottfried Fischer, der vor einigen Wochen bekannt gab, dass er an Parkinson leidet. Wenn der schwergewichtige 54-Jährige nun in den beiden neuen Folgen der ARD-Krimireihe "Pfarrer Braun" reglos seinen Text herunterspult, weiß der Zuschauer, dass die minimalistische Mimik und die reduzierten Bewegungen, oft als schauspielerische Defizite bespöttelt, Symptome der Krankheit sind.

Geistig ist der Kabarettist und Schauspieler jedoch so rege wie eh und je, und deshalb hat Fischer auch wieder munter an den Dialogen für seinen Pfarrer Guido Braun, einen kernigen Bayern mit Schwäche für gutes Essen und Schnupftabak, mitgestrickt. Der gewitzte Geistliche wird in "Pfarrer Braun: Die Gärten des Rabbiners" am 3. April nach Potsdam strafversetzt, und prompt gibt es dort einen Mord: Der Gärtnergeselle Michael wird erdrosselt im Vorraum der örtlichen Synagoge aufgefunden.

Hauptverdächtiger ist ausgerechnet Rabbi Chaijm Seelig (Rudolf Kowalski), und Pfarrer Braun ruht nicht, bis er seinen unschuldigen Amtskollegen rausgehauen hat. Der katholische und der jüdische Geistliche lassen in dem Schmunzelkrimi keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig witzig, aber respektvoll zu necken. "Ich hatte bei den Dreharbeiten die ganze Zeit das Buch von Salcia Landmann dabei, ,Jüdische Witze, und habe da einiges einfließen lassen", berichtet Fischer, der als Kind eine Klosterschule besuchte und Pfarrer werden wollte.

In der zweiten Folge am 10. April, "Pfarrer Braun: Heiliger Birnbaum", muss "Otti" als Schnüffler mit Soutane den Mord an einem evangelischen Pastor in Ribbeck im Havelland klären. Im Herbst dreht er dann zwei neue Fälle als Pfarrer Braun, die ihn ins Saarland führen. Überhaupt gehören die abwechslungsreichen Schauplätze für Fischer zum besonderen Reiz der Reihe: "Es ist sowohl für mich als auch für die Zuschauer ein bisschen Heimatkunde, man kommt überall hin und lernt verschiedene Gegenden und immer was Neues kennen."

Im April kehrt Fischer aber nicht nur als "Pfarrer Braun", sondern auch mit seiner Paraderolle als Kommissar Benno Berghammer in fünf neuen Folgen der Krimireihe "Der Bulle von Tölz" (ab 16.4., Sat.1) auf den Bildschirm zurück. martin weber

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