Unnahbare Verbitterung

- In der Lobby des Hotels Tatar sitzen drei Junggesellen in Livree und blasen ein schmerzvergnügtes Ostblock-Liedchen in die Schläuche ihrer Melodikas. Zwischen ihnen gönnt Jessica Schwarz als Lulu sich und dem Zuschauer rauchend eine Auszeit: vom Verführen, vom Lieben, vom Morden, vom Sterben. Wir befinden uns zwischen den freiherzigen Akten des Skandaldramas von Frank Wedekind und mitten in dessen psychoanalytischer Verfilmung von Uwe Janson: "Lulu".

Auf dem Theater wäre jetzt Umbaupause, auf Arte werden theatrale Appetithäppchen gereicht. Denn Lulus Lebenstrip von der umschwärmten Femme fatale zur vergessenen Hure führt hier nicht quer durch Europa, sondern quer durch ein riesiges Hotel.

Der unruhigen Handkamera entgeht nichts in diesem sorgfältig artifiziell gestimmten Theaterfilm, der so heißt, weil er Wedekinds Text genauso nah kommt wie Lulus tragischen Wimpernschlägen. Jessica Schwarz zeigt ihr Schicksalsmädchen von Anfang an weniger aufbrausend als ver(alb)träumt verletzlich.

 Diese Lulu braucht die Männer - sie sind im Film von Sylvester Groth bis Carlo Ljubek differenziert besetzt -, um Stärke zu spielen. Und gleichzeitig hat sie schon ihr Ende vor Augen, wenn Janson dunkle Traumsequenzen mit einem Messer wetzenden (und doch nicht bösartig wirkenden) Matthias Schweighöfer als Jack the Ripper einfügt.

 Das verleiht ihr bis zum Schluss eine unnahbare Verbitterung, welche die skurrile Düsternis mit konkreter Schwärze überpinselt. "Gibt es etwas Traurigeres als ein Freudenmädchen?", fragt Lulu. In Jansons Thriller nicht.

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