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Die Juroren Alina Süggeler, Thomas D und Stefan Raab (v.l.) posieren am Montag (9.01.2012) bei einer Pressekonferenz zur Castingshow "Unser Star für Baku" in Köln. In acht Shows soll der deutsche Beitrag zum Eurovisions Song Contest in Baku gefunden werden

Unser Star für Baku: Abhängig von der "Blitz-Tabelle"

München - Stefan Raab präsentierte seine neue Sendung "Unser Star für Baku" - und damit zugleich ein neues Castingshow-Konzept.

Neue Ideen braucht das Land. Doch Deutschlands Fernseh-Kreative sind offenbar gerade an das andere Ende der Welt ausgewandert. Am Donnerstagabend nämlich startete die x-te Castingshow im TV. Möchtegern- Sänger werden also wieder von einer Möchtegern-Jury bewertet, am Ende bestimmt das Publikum den ach so tollen Sänger. Aber bei „Unser Star für Baku“ war es dann doch anders, schließlich hatte Altmeister Stefan Raab die Finger im Spiel.

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Derjenige, der nicht nur dem angestaubten Grand Prix wieder Leben eingehaucht hat, sondern auch derjenige, dem wir diesen unfassbar lang andauernden Lena-Meyer-Landrut-Hype zu verdanken haben. Für die Neuauflage von „Unser Star für Oslo“ vor zwei Jahren also, in der heuer der Deutschlandvertreter für den Eurovision Song Contest in der aserbaidschanischen Hauptstadt gesucht wird, hat er wieder einmal tief in die Trick-Kiste gegriffen. Und kam – natürlich – mit einer neuen Idee um die Ecke, der sogenannten „Blitz-Tabelle“.

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Das dahintersteckende Prinzip: Bei „Unser Star für Baku“ dürfen die Zuschauer nicht mehr nur am Ende für ihren Favoriten anrufen und so wählen, welcher Kandidat unter die besten fünf kommt und damit in die nächste Runde einzieht. Die ganze Show über sind die Leitungen freigeschaltet. Den wie sonst üblichen geheim gehaltenen Zwischenstand sieht der Zuschauer jederzeit als „Live-Ranking“ auf seinem Bildschirm in eben dieser „Blitz-Tabelle“. Das ist spannend und motivierend, für seinen Liebling doch (auch ein zweites Mal) anzurufen. Gerade auch, weil die Übertragungszeit zwischen Anruf und der Grafik-Aktualisierung nur drei bis acht Sekunden dauert.

Das ist außerdem rentabel für den Sender. Jeder Liebesbeweis in Form eines Anrufs oder geschickten SMS kostet schließlich 50 Cent. Zahlen – natürlich – gibt der Sender keine heraus. Nur so viel verrät ein ProSieben-Sprecher unserer Zeitung: „Wir hatten eine rege Beteiligung. Sie liegt im Bereich dessen, was wir an Resonanz bei sehr reichweitenstarken Programmen verzeichnen.“ Und das trotz der längeren Anrufzeitspanne. Das Konzept stehe für Transparenz, so der Sprecher. Der Zuschauer wisse zu jeder Zeit genau, welcher Kandidat oben oder unten im Ranking stehe, eben wie bei einer Sportveranstaltung. „So kann der Zuschauer gezielt entscheiden, ob es notwendig ist, anzurufen oder nicht.“ Eine absolute Kontrolle entstehe.

Doch Kritiker sprechen auch von „menschenverach-tenden“ Zügen. Vor allem zu Beginn pervertiert Raab quasi dieses System. Rein nach Sympathie und Aussehen sollen die Zuschauer vor den Auftritten wählen; dadurch wird die Startposition ermittelt. Später bekommt der Kandidat noch während seines vorgetragenen Lieds die Quittung für seine Performance. „Natürlich wird der Druck erhöht“, sagt Jury-Mitglied Alina Süggeler, Sängerin der Band Frida Gold. „Aber es ist auch eine Chance. Hätte ich dieses direkte Feedback, wäre ich glücklich.“

Doch auch die Jury-Mitglieder selbst, neben Süggeler sitzen Thomas D. von den Fantastischen Vier und Raab darin, spielten in der ersten Live-Show gnadenlos mit der „Blitz-Tabelle“. Sie machten für und erstaunlicherweise auch extrem gegen die Kandidaten Stimmung. So befahl Jury-Präsident Thomas D. mit den Worten „Shelly ist Pflicht“ quasi den Zuschauern, für sie anzurufen. Die Folge: Die 20-Jährige hüpfte von ihrem zeitweise sechsten Platz auf den ersten vor, andere Kandidaten fielen aus den Top 5 raus, wieder andere sprangen ständig an der magischen Marke hin und her und mussten lange um ein Weiterkommen zittern.

Deshalb killte die „Blitz-Tabelle“ dann trotz all der Transparenz seltsamerweise niemals die Spannung. Im Gegenteil, sie heizte sie auf. Raab wäre nicht Raab, wenn er seinen Coup nicht bis zur Perfektion treiben würde: Sogar in der letzten Werbepause war die Grafik eingeblendet.

Von Angelika Mayr

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