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Uschi Glas spricht im Interview über „Familie inklusive“, Rollen für Ältere, den Erfolg und ihre Erinnerungen an „Zur Sache Schätzchen“.

Uschi Glas im Interview

„Erfolgreiche Frauen haben schnell Feinde“

München - Uschi Glas spricht im Interview über „Familie inklusive“, Rollen für Ältere, den Erfolg und ihre Erinnerungen an „Zur Sache Schätzchen“.

Uschi Glas organisiert noch schnell einen Werkstatttermin über das Handy, dann widmet sie sich dem Interview. Konzentriert, professionell und ohne jeden Versuch sich anzubiedern. Zu erfahren, zu oft von der Presse vorgeführt, um sich Illusionen zu machen. Fast ein halbes Jahrhundert ist sie nun schon im Geschäft und seit „Zur Sache Schätzchen“ (1968) bundesrepublikanisches Kulturgut. Die 69-Jährige ist immer noch präsent, aktuell bewirbt sie den Fernsehfilm „Familie inklusive“, der heute um 20.15 Uhr im Ersten läuft. Unter der Regie von Christine Kabisch spielt sie eine Münchner Galeristin, die nach sieben Jahren Partnerschaft zu ihrem Freund (Michael König) aufs Land ziehen will. Dort sieht sie sich mit der Aufgabe konfrontiert, dessen aufmüpfige Enkel hüten zu müssen.

Sie spielen hier eine Frau, die entscheidet, aus einer Wochenend- eine richtige Beziehung zu machen. Was hat Sie daran interessiert?

Wenn man jünger ist, wagt man so einen Schritt leicht. Aber hier geht es um eine Frau, die mitten im Leben steht, die sich ihr Leben selbst aufgebaut hat und in ihrem Alltag das Sagen hat. Für die ist das ein gewaltiger Schritt – viel größer als für einen jungen Menschen, der nicht so viel mit sich herumschleppt. Aber es kann eine große Bereicherung sein. Ich zum Beispiel möchte keine Wochenendbeziehung. Ich fände das furchtbar.

Der Witz in dieser Komödie ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass man hier reiferen Menschen bei Beziehungsproblemen zusieht. Ist es ein Glück, dass es wieder mehr Rollen für ältere Schauspieler gibt?

Das ist eine gute Entwicklung. Eine Zeit lang gab es Kommissare und Chirurgen, die aussahen wie 18. Das war total unglaubwürdig, und mittlerweile versteht man, dass es auch Jüngeren Freude bereitet, älteren Schauspielern zuzusehen. Das Buch muss stimmen, die Geschichte muss stimmen, die jugendlichen Helden alleine machen es nicht aus. Zum Glück gibt es nun wieder Angebote für reifere Schauspielerinnen, denn 28-Jährige kann ich eben nicht mehr spielen.

Sie sagen das sehr unaufgeregt.

Das ist das große Privileg des Älterwerdens. Man wird gelassener. Man ist nicht mehr so angespannt. Was ist, ist gut, und was nicht ist, dann auch. Ich bin ziemlich ausbalanciert.

Dabei hatten Sie den Ruf, immer sehr ehrgeizig zu sein, womit viele unterschwellig „verbissen“ meinten. Hat Sie das gestört?

Ich habe erst neulich von einer Studie gehört, nach der Männer, die Erfolg haben und ihre Ziele durchsetzen, von Frauen als besonders attraktiv wahrgenommen werden. Ein erfolgreicher Mann ist ein toller Mann. Wenn eine Frau – egal in welchem Beruf – gut ist und Erfolg hat, dann hat sie schnell Feinde. Oder es heißt: Wie macht die das mit ihren Kindern, mit dem Haushalt? Bei einem Mann fragt niemand, wieso er so erfolgreich ist, wo er sich doch um drei Kinder kümmern muss. Erfolgreiche Frauen werden schief angesehen, das ist so.

Ein anderes Etikett: Das ist doch die aus „Zur Sache Schätzchen“! Nie genervt gewesen davon?

Ganz ehrlich – nein! Erstens war es ein sehr schöner Film und die Produktion war so spannend, dass ich mich immer noch genau daran erinnere. Zweitens ist „Schätzchen“ ja kein Schimpfwort. Ich konnte gut damit leben. Es freut mich, dass der Film so lange trägt. Er wird heute noch gezeigt, auch auf Filmhochschulen, und das finde ich sehr schön.

Was war so spannend an der Produktion?

Ach, wie wir gedreht haben, das ginge heute gar nicht mehr. Kein Mensch hat nach Drehgenehmigungen gefragt. Wir haben uns irgendwo hingestellt und angefangen aufzubauen oder wir sind zum Beispiel einfach in den Tierpark gefahren und haben da mit der Kamera losgelegt. Es war schon alles sehr wild und es herrschte in München ein konstruktiver Wettbewerb. An jeder Ecke wurde gedreht und man hat sich gegenseitig genau beobachtet. Es war eine aufregende Phase für die Filmszene und für München. Ich bin froh, dass ich es miterlebt habe.

Das ist jetzt über 40 Jahre her – wie viele Jahre sollen es beruflich noch werden?

Ich will so lange dabei bleiben, wie es geht und immer weiter drehen. Der Vorteil an unserem Beruf ist ja, dass es eigentlich keine Altersgrenze gibt. Man geht nicht in Pension, sondern wechselt das Fach. Die Diskussion um das Renteneintrittsalter gibt es bei Schauspielern nicht.

Sie können es sich also gar nicht vorstellen, im Garten zu sitzen und den Ruhestand zu genießen?

Ein Albtraum! Unmöglich!

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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