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Lockte sogar den knorrigen Kahn aus der Reserve: Jeannine Michaelsen (30), die Expertin fürs Internet am Fußballstrand des ZDF.

ZDF: Charmeoffensive im "EM-Lager" auf Usedom

Usedom - Sie ist mit Sicherheit eines der schönsten Gesichter der Europameisterschaft. Und womöglich gibt es Menschen, die die ausufernden Vor- und Nachberichte im ZDF nur wegen ihr anschauen: Jeannine Michaelsen.

Jeannine Michaelsen sucht im Internet nach witzigem und originellem Material rund um die EM, und immer, wenn Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn der Gesprächsstoff ausgeht, übernimmt sie die Bühne des Usedomer „Fußballstrands“. Die junge Frau präsentiert ihre Funde mit so viel Charme, dass jüngere ZDF-Zuschauer erst mal ihren Namen in eine Suchmaschine eingegeben haben dürften, bevor sie ihr dann auf den „Strandblog“ gefolgt sind.

Tatsächlich ist Michaelsen bislang ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Sie hat nach einer Ausbildung zur Musicaldarstellerin und einem Engagement im Musical „Westerland“ zwar im ZDF-Umfeld schon die eine oder andere Sendung moderiert, aber dank der EM steht sie nun zum ersten Mal im Rampenlicht. Ein bisschen nervös sei sie anfangs schon gewesen, räumt sie ein, allerdings weniger wegen der großen Bühne. Gerade bei ARD und ZDF sind die Versuche, eine Brücke vom Fernsehen ins Internet zu schlagen, oft genug gescheitert. Die Internetgemeinde pflegt solche Darbietungen gern mit Hohn und Spott zu überschütten. Michaelsen weiß, dass so etwas „manchmal schneller geht, als ich tippen kann“.

Und prompt riskierte die gebürtige Kölnerin ihre Reputation – und die ihres um Jugendlichkeit bemühten Senders – als sie nach dem Spiel Deutschland gegen die Niederlande zunächst den ersten, mäßig originellen Tweet von Fußballexperte Oliver Kahn in den Laptop hackte („Wir werden Europameister!!!“). Ein noch größerer Fauxpas passierte ihr, als sie den Twitter-Account von Harald Schmidt mit dem dess Comedians Rob Vegas verwechselte.

Doch Michaelsen lässt sich von solchen Pannen nicht aus der Ruhe bringen. „Ich habe das Glück und die Freiheit, meinen Part so zu machen, wie ich möchte, und mich so zu zeigen, wie ich bin“, sagt sie. Natürlich haben die Verantwortlichen beim ZDF den „Strandblog“ eingerichtet, um auch jüngeren Zuschauern etwas zu bieten, aber Michaelsen repräsentiert die junge Zielgruppe authentisch. Sie möchte „eine Plattform für alle Leute bieten, die über Fußball diskutieren wollen und selbst Inhalte anbieten. So finden wir im besten Fall auch Sachen, die man nicht so einfach googeln kann.“

Ihre Karriere verlief bis jetzt vielversprechend. Mit dem Internetfernsehen „Ehrensenf“ hatte die 30-Jährige das gleiche Sprungbrett wie ihre Kollegin Katrin Bauerfeind, Michaelsen war die Nachfolgerin, als Bauerfeind den Durchbruch im „richtigen“ Fernsehen schaffte. Mittlerweile moderiert sie ein nach ihr benanntes Magazin beim öffentlich-rechtlichen Kulturkanal 3 sat.

So weit ist Michaelsen noch lange nicht, bisher liefen ihre Sendungen, darunter das Wissensmagazin „Xenius“ (Arte) oder die Extremsportsendung „Sportxtreme“ (ZDF Info), weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Mit den Auftritten auf Usedom, bei denen sie Müller-Hohenstein regelmäßig die Show stiehlt, hat sie sich endgültig für höhere Aufgaben empfohlen. Bei den Gesprächen beweist sie viel Schlagfertigkeit – und wem es gelingt, den knorrigen Kahn aus der Reserve zu locken, der braucht ohnehin keine Herausforderung mehr zu fürchten.

Man muss nur mal in ihr Gesicht schauen, wenn sie ihre Ausflüge in die Welt des Internets beendet hat und Müller-Hohenstein das Ruder wieder an sich reißt. Der versonnene Blick Michaelsens nach getaner Arbeit dürfte nicht nur den einstigen „Titan“ beeindruckt haben. Ob sie Ahnung von Fußball hat, lässt sich ihren Ausführungen allerdings nicht entnehmen, denn sie führt ja nur vor, was andere sich ausgedacht haben. Aber neben Katrin Müller-Hohenstein schafft es derzeit fast jede(r), eine gute Figur zu machen.

Tilmann P. Gangloff

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