Verfolgung auf Flipflops

ZDF-Film "Donna Roma": - Italiener trinken täglich literweise Espresso. Fahren Auto wie die Verrückten. Und sitzen schon mittags gerne mal bei einem gemütlichen Glas Wein zusammen. Der Deutsche hingegen trinkt morgens Kamillentee, verhält sich tagsüber überaus vorsichtig und isst zwischendurch rasch eine Currywurst an der nächsten Imbissbude.

Klischees dienen als Orientierungshilfe im Leben, und im deutsch-italienischen Verhältnis wucherten sie schon immer so üppig wie sonst nirgendwo. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis endlich auch eine Fernsehserie mit diesen Gegensätzen zwischen den heißblütigen, aber unorganisierten Südländern und den steifen, spaßfreien Teutonen spielen würde.

"Wir bürsten die Vorurteile gegen den Strich."

Jutta Speidel

"Donna Roma" heißt die ZDF-Miniserie, die sich ab heute vier Donnerstage lang dieser Problematik annimmt. Eigentlich dreht sich in jeder Folge alles um einen Kriminalfall in Rom, den die deutsche Profilerin Friederike Heise (Jutta Speidel) mit ihren Kollegen aus der Ewigen Stadt zusammen aufklären soll. Doch im amüsanten Wortgefecht der energischen Ermittlerin aus Berlin und den sie umgebenden Kerlen gewinnt die Krimireihe ihren eigentlichen Charme. "Wir arbeiten ganz bewusst mit den Klischees, die alle Italiener und Deutsche über die jeweils anderen im Kopf haben", erklärt Titelheldin Jutta Speidel. "Doch wir bürsten diese Vorurteile energisch gegen den Strich."

Die italienischen Kollegen sind ein spröder Haufen machtbewusster Machos, von italienischer Leichtigkeit keine Spur. Chaotisch und unaufgeräumt sieht es dagegen vor allem in der Handtasche von Frau Heise aus, und Autofahren kann die Polizistin aus Berlin ebenfalls besser als jeder Mann. "Manchmal stimmen die Klischees aber auch wieder. Friederikes Kollege Marcello wohnt beispielsweise noch als 50-Jähriger mit seiner Mutter zusammen." Die er seiner deutschen Berufsgenossin aber erst einmal als seine Haushälterin vorstellt.

Es gibt eine Menge zu lachen in "Donna Roma". Schon das ist neu in einer Krimiserie. Das Format ist ebenso ungewöhnlich. "Ursprünglich war das Projekt als ein 90 Minuten langer Film geplant. Bis man beim ZDF auf die Idee kam, mehrere Folgen daraus zu basteln", erinnert sich die privat zwischen München und Rom pendelnde Schauspielerin. Vorbild war eine neue Krimiserie der BBC, die in Großbritannien sehr erfolgreich war. Aber es muss nicht bei vier Filmen zu jeweils 60 Minuten bleiben: "Wenn das Publikum Friederike Heise mag, wenn es diese neue Art und Weise des Erzählens mag, dann wäre es schon denkbar, daraus eine europäische Geschichte zu formen. Das bietet sich einfach an."

Eine solche Ermittlerin gab es nämlich bisher noch nicht im deutschen Fernsehen. Kommissarinnen durchsuchen das Privatleben der Verdächtigen mittlerweile bei jedem Sender, der etwas auf sich hält. Doch eine so genannte Profilerin war nie darunter. Eine, die auf der einen Seite an ihr Vorbild Jodie Foster alias Clarice Starling in "Schweigen der Lämmer" erinnert. Auf der anderen Seite aber ihre liebenswerte, weiblich-sensitive Seite deutlich betont, ohne sie auszuspielen. "Ich habe diese Figur entwickelt. Eine solche Rolle wollte ich schon immer einmal spielen. Aber auch schon immer mal sehen."

So ergab sich nach monatelangem Feilen am Drehbuch eine spannende Mischung aus Kriminalpsychologie, Emotionen und Komödie für "Donna Roma".

"Fritzi ist ein Weib. Eine die Pumps trägt und Röcke."

Jutta Speidel

Ganz anders als die eher burschikosen Grazien des "Tatort" wird die deutsche Signora charakterisiert. "Friederike ist sehr klar, ernsthaft und konzentriert, was ihre Arbeit angeht. Was ihr Privatleben betrifft, ist sie jedoch eine absolute Katastrophe. Sie ist chaotisch, spontan und kämpft immer gegen irgendwelche Hürden des Alltags. Sie findet nie etwas, leert an den unmöglichsten Orten ihre Handtasche aus, um mal wieder Block oder Handy oder Brille zu suchen. Und stolpert öfter mal auf hohen Hacken ihren Kollegen hinterher. Sie ist eben ein Weib. Eine, die gerne Pumps trägt und Röcke. Keine, die in Jeans und Turnschuhen auf Mörderjagd geht. Sondern eine Frau, die für die Verfolgung rasch die Flipflops aus der Tasche zieht und dann loslegt."

Und nach einem kurzen Schweigen fügt Speidel hinzu: "Das gefällt mir persönlich sehr, weil es auch Parallelen zu mir aufweist. Ich verfolge gewöhnlich keine Psychopathen quer durch Rom. Aber Friederike hat schon ein paar Eigenschaften, die ich auch an mir erkenne."

ZDF, donnerstags, 20.15 Uhr.

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