Verirrt ins falsche Jahrhundert

- "Seine Musik ist göttlich. Sie wird die Welt verändern." Ein Satz, der sich leicht sagen lässt, wenn man das Ende der Geschichte kennt. In Bernd Fischerauers Fernsehfilm "Mozart - Ich hätte München Ehre gemacht" (ARD) wird Hofintendant Joseph Anton Graf Seeau (Hans-Michael Rehberg) dieses reichlich plakative Wort in den Mund gelegt. Es zeigt, wie leicht es ist, historische Personen wieder zum Leben zu erwecken und ihr Handeln mit dem Wissen von heute zu rekonstruieren - und wie schwer, eine Geschichte so zu erzählen, dass die Figuren auch Tiefe bekommen.

In Fischerauers Film über die Versuche Mozarts, an der Isar Fuß zu fassen, ist Rehbergs Figur die einzige wirklich "lebendige". An diesem genial gespielten, schillernden Günstling werden die Mechanismen des "Intrigantenstadls" bei Hofe (nicht nur in München!) offenbar, denen der Meister aus Salzburg am Ende nichts (mehr) entgegenzusetzen hatte.

 Doch Rehbergs Stärke offenbart die Schwäche der meisten anderen Darsteller. Xaver Hutter in der Titelrolle gelingt es nicht, sich die Rolle des Komponisten zu eigen zu machen. Ob Frechheit, Frivolität oder nackte Verzweiflung - der stets unterkühlt wirkende Beau "spielt" alles, von der ersten bis zur letzten Minute. Und Konstantin Wecker ist auch als Gastwirt und väterlicher Freund Mozarts der bekannte Liedermacher, der sich ins falsche Jahrhundert verirrt hat. So bleiben die Kinderszenen, die Augenblicke, in denen der kleine Wolfgang und der kleine Wirtssohn Carl ihre Freundschaft fürs Leben schließen, die innigsten, wahrhaftigsten des Films.

 Aber was soll man auch mit einem Drehbuch (Benedikt Röskau) anfangen, das zu oft nach reinem Schulfernsehen klingt, in dem Personen plump im Dialog vorgestellt und biografische Details mal eben von den Handelnden aufgesagt werden? So bleibt es Fischerauers und Röskaus Verdienst, schmerzlich in Erinnerung gerufen zu haben, welches Genie die Mächtigen Münchens (sich) einst aus niederen Motiven haben (ent-)gehen lassen. Aber das ist ja auch das Mindeste, was man von einem solchen Opus erwarten darf.

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