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Wo man singt, da lass’ dich ruhig nieder: Um einen Schlagerstar (Roland Kaiser, r.), der unter Mordverdacht gerät, geht es im neuen Münsteraner „Tatort“ mit dem Titel „Summ, summ, summ“ am Sonntag im Ersten. Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) ist nah dran am Geschehen, logiert er doch in der Hotelsuite genau neben dem Star.

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Ist der nächste "Tatort" mehr Komödie als Krimi?

Die klamaukigen Krimis aus Münster sind die meistgesehenen der „Tatort“-Reihe in der ARD. Deutschland scheint auch sonst auf lustige Tätersuchen zu stehen. Lachen wir uns beim Krimischauen noch tot?

„Mehr Komik als Logik – ich finde das langsam nur noch nervig“, sagt François Werner, Betreiber der Fanseite „,Tatort‘-Fundus“. „Und mittlerweile ist dies auch eine immer stärker werdende Meinung“, meint der „Tatort“-Experte. „Bei den Fans, von denen man ja meinen sollte, die verstünden Spaß – das ist meine Beobachtung – hört der Spaß beim Humor allerdings schnell auf. Kritisiert man etwas, wird man als ,Spaßbremse‘ deklariert und niedergemacht.“

Dass der Münsteraner „Tatort“ öfter überdrehten Slapstick liefert, scheint auch mancher zu empfinden, der dabei ist. Axel Prahl, der Darsteller von Hauptkommissar Frank Thiel, sagte jedenfalls kürzlich sibyllinisch der „Augsburger Allgemeinen“: „Ach Gott, das rechte Maß zu finden ist eine Kunst, die niemand beherrscht. Dem einen ist es fast noch zu wenig Humor und den anderen ist es schon zu viel.“ Er selber messe die Storys an der Realität, sagte Prahl. „Wenn die Fälle zu abstrus werden, dann ist das nicht unbedingt mein Geschmack. Aber grundsätzlich finde ich viel schrägen, schwarzen Humor wunderbar, gerade im Krimi.“

Klassische Vorwürfe: Gutmenschentum oder Filme voller Behäbigkeit

Bei ihrem Kultkrimi „Tatort“ setzte die ARD zuletzt fast ausschließlich auf ernste Stoffe und eine möglichst realistische Darstellung von Polizeiarbeit – man denke etwa an die neueren Teams in Frankfurt oder Dortmund.

Demgegenüber standen jedoch die schräge Experimentierlust beim Saarbrücker „Tatort“ mit Devid Striesow (zweiter Fall am 7. April) und der erfolgreiche Hamburger Action-Versuch mit Til Schweiger, den mancher ob der zur Schau getragenen Selbstironie auch eher lustig fand.

Gutmenschentum oder Filme voller Behäbigkeit – das sind die klassischen Vorwürfe an deutsche Krimiserien. „Der Alte“, „Derrick“, aber auch viele „Tatort“- oder „Polizeiruf 110“-Filme der Siebziger- bis Neunzigerjahre stachen als langatmig und witzlos hervor („Wo waren Sie gestern zwischen 22 und 23 Uhr?“). Erst Jahrzehnte nach den Briten, die bereits in den Sechzigern Formate wie „Mit Schirm, Charme und Melone“ oder „Die Zwei“ produzierten, haben Macher hierzulande den Humor für den Krimi entdeckt, zunächst zaghaft („Adelheid und ihre Mörder“) und dann immer schriller („Turbo und Tacho“, siehe auch Kasten).

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Inzwischen feiern Feuilletonisten und Fans einige Reihen geradezu euphorisch („Mord mit Aussicht“, „Der Tatortreiniger“). Als besondere Spielart hat sich nach dem Erfolg des gut laufenden „Tatort“ aus Münster (seit 2002 zwei Filme pro Jahr) das Genre des „Regional- und Schmunzelkrimis“ etabliert – irgendwo zwischen Heimatfilm und Mörderlustspiel angesiedelt. Ein Meilenstein dieser Entwicklung sind wohl die im Herbst des Jahres 2011 gestarteten „Heiter bis tödlich“-Krimis. Aber auch sehenswerte Formate wie „Hubert & Staller“ oder „München 7“ konnten den chronisch quotenschwachen ARD-Vorabend bisher nicht retten. Die Fensehnation scheint Krimis mit Komik wohldosiert sehen zu wollen. Als Alltagsware werden sie weniger akzeptiert.

Gregor Tholl

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