Veronica Ferres: Eine große Verantwortung

München - Bei jedem Wetter demonstriert Sara Bender an der deutsch-deutschen Grenze in Berlin. Erst kurz davor war sie von den DDR-Behörden abgeschoben worden - ihre Töchter durfte sie jedoch nicht mitnehmen. Jetzt fordert sie auf einem Plakat von Honeckers Unrechts-Regime: "Gebt mir meine Kinder zurück!"

Veronica Ferres spielt Sara Bender in dem Zweiteiler "Die Frau vom Checkpoint Charlie" (Arte, heute, 20.40 Uhr sowie ARD, 30. 9. und 1. 10., jeweils 20.15 Uhr). Der Film, angelehnt an das Schicksal von Jutta Gallus, zeigt deutsch-deutsche Geschichte am Beispiel einer Biografie.

-Es war zu hören, dass Sie diese mutige Frau, die wie eine Löwin um ihre Kinder kämpft, erst nicht spielen wollten. Warum?

Wegen der höheren Authenizität dachte ich, das müsse unbedingt eine Frau aus Ostdeutschland spielen. Aber Jutta Gallus, die wahre "Frau vom Checkpoint Charlie", deren Geschichte in den 80er-Jahren um die Welt ging, hat sich gewünscht, dass ich die Rolle übernehme.

-Das ganze Projekt wäre ohne Sie geplatzt?

So sah es aus, ja. Sowohl der MDR als auch der Produzent und der Regisseur haben mir gesagt, wenn ich nicht mitspielte, würde der Film nicht realisiert. Es kam aber noch etwas hinzu: Ich fühlte mich nach mehreren hintereinander gedrehten Filmen ziemlich ausgepowert und brauchte dringend eine Pause. Daraufhin wurden die Dreharbeiten meinetwegen um ein halbes Jahr verschoben.

-Bei der Vorstellung des Films gab es viel Applaus für Sie. Beim Filmvorbild Jutta Gallus flossen Tränen, und Ihnen blieben vor Rührung die Worte im Hals stecken...

Weil mir beim Ansehen des Films wieder einmal klar wurde, wen ich da gerade gespielt habe: Dass diese Frau wohl die einzige unter hunderten, vielleicht sogar tausenden politischen Gefangenen im berüchtigten DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck war, die ihre Kinder vor dem Mauerfall wieder gesehen hat.

-Die Anspannung war Ihnen anzumerken...

Auch, weil ich nicht wusste, wie Frau Gallus der Film gefallen würde. Davor hatte ich ein bisschen Angst. Denn natürlich ist es eine große Verantwortung, so eine Biografie gebührend darzustellen.

-Nicht alle Filmszenen sind historisch belegt. Musste der Dramaturgie viel Wahrheit geopfert werden?

Nein, gar nicht. Aber unser Film ist keine Aneinanderreihung der Erlebnisse von Jutta Gallus. Der Film ist angelehnt an ihr Leben, beinhaltet aber auch das Schicksal anderer Frauen. Wie das so ist mit verfilmten Tatsachen-Romanen: Manches ist in Wahrheit schlimmer gewesen, manches einfach nur etwas anders.

Das Gespräch führte Fabian Korff

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