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Lena Fauch ­(Veronica Ferres) kommt in dem ­neuen – und letzten – Film der Reihe an ihre Grenzen.

Interview über ihren neuen „Lena Fauch“-Film

Ferres: "Man hat im Leben nicht immer alles im Griff"

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München - Veronica Ferres spricht im tz-Interview über den neuen und auch letzten Film der ZDF-Reihe Lena Fauch. Nach einem Überfall auf einen Supermarkt muss sich ­Lena um eine junge Polizistin kümmern.

Es gibt kaum eine Schauspielerin, die so polarisiert wie Veronica Ferres. Viele verehren sie. Andere, nun ja, weniger. Zum Interview mit der tz erscheint ­Ferres ­jedenfalls gut gelaunt und ist angenehm unkompliziert. Anlass für das Gespräch ist der neue – und letzte! – Film der ZDF-Reihe Lena Fauch mit der 51-Jährigen als Polizeiseelsorgerin (siehe unten). Nach einem Überfall auf einen Supermarkt muss sich ­Lena um eine junge Polizistin kümmern. Diese hatte den Täter nicht (!) mit einem finalen Rettungsschuss getötet, weswegen der Einsatz für ihren Kollegen tödlich endete …

Frau Ferres, Sie sind seit Jahren auch international gut unterwegs – nicht nur vor der Kamera. Sie twittern Bilder von Treffen mit Hollywoodstars, veröffentlichen Geburtstagsgrüße an George Clooney und Nicolas Cage inklusive gemeinsame Schnappschüsse und posten generell viel in englischer Sprache. Wie wichtig ist das deutsche Fernsehen eigentlich noch für Sie?

Veronica Ferres: Sehr wichtig! Denn meine Leidenschaft ist das Filmemachen, und Deutsch ist meine Muttersprache. Dass ich auch Filme auf Englisch drehe, fing 1994 an, mit Katharina der Großen. Seitdem habe ich in 20 internationalen Kino- oder Fernsehproduktionen mitgespielt, an der Seite von Leuten wie Jeff Goldblum, John Malkovich, Gérard Depardieu, Pierre Richard, Catherine Zeta-Jones, Jean Reno, Robert De Niro, Danny DeVito, Harvey Keitel und so weiter. Ich kann Sie mit allen Handynummern versorgen, wenn Sie wollen.

Ich komm bei Gelegenheit drauf zurück, obwohl die sicher nicht rangehen, wenn ich anrufe …

Ferres: (lacht): Och, warum nicht? Die sind lustiger und nahbarer, als man denkt. Es macht Spaß, mit denen zu arbeiten. Aber: Ich sehe meine englischsprachigen Filme als große Abenteuer, die ich erleben darf, seit ich eine Hauptrolle in einem Oscar-nominierten Film spielen durfte: Schtonk. Das ist natürlich nett, aber ich bin genauso glücklich, wenn diese Abenteuer mir nicht passieren. Das, was meine Leidenschaft ist, was mich ausmacht, ist das Geschichtenerzählen. Und es ist mir eine Ehre, wenn ich das in einem Fernsehfilm fürs ZDF machen kann.

Damit wären wir bei „Lena Fauch“. Thema in der vierten Folge mit Ihnen als Polizeiseelsorgerin ist der sogenannte finale Rettungsschuss. Die Frage steht im Raum: Darf man töten, um andere zu retten? Lena Fauch kommt wie noch nie an ihre Grenzen, oder?

Ferres: Ja, und genau darum ging es mir, dem Regisseur und der Produzentin. Wir wollten, dass Lena sich mal nicht korrekt und sauber verhält, sondern dass sie aneckt, dass sie Abgründe hat, dass sie versagt. Dass sie nicht immer die Heldin ist, die alle beschwichtigt. Das stand in den ersten drei Folgen ja ziemlich im Mittelpunkt, und ich fand das zusehends schwierig.

Inwiefern?

Ferres: Es war mir zu viel des Guten. Ich wollte, dass Lena Fauch ein Mensch ist, der auch mal überfordert ist, der es, wie in der neuen Folge, nicht erträgt, zu einer jungen Mutter zu gehen und zu sagen: Ihr Ehemann wurde gerade erschossen. Lena läuft in dieser Folge zum ersten Mal weg vor Problemen. Das macht sie für mich menschlich. Und schön.

Auch realistischer?

Ferres: Ja! Man hat im Leben ja auch nicht immer alles im Griff. Es ist oft gezeichnet durch Niederlagen, ja durch Scheitern. Es kommt dann nur darauf an, wie man mit diesen Situationen umgeht. Man muss manchmal einfach durch einen großen Schmerz durch – das Entscheidende ist: Das Scheitern darf nicht stärker sein als das Ja zum Leben.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie sich immer sehr genau auf Ihre Rollen vorbereiten. Haben Sie über die Frage „Darf ich einen Menschen töten, um Leben zu retten?“ auch mit echten Polizisten gesprochen?

Ferres: Wir haben ja eine echte Polizeiseelsorgerin, die uns bei den Dreharbeiten beraten hat. Daher weiß ich, dass viele Polizisten, die zum Schussein­satz gekommen sind, so schwere psychische Probleme haben, dass ihr ganzes Leben aus der Bahn geworfen wurde. Die brauchen seelischen Beistand und psychologische Unterstützung. Ich denke, wir können uns das gar nicht ausmalen, was es heißt, einen Menschen zu töten – selbst wenn dadurch das Leben eines anderen gerettet wird.

Wäre ein Pfarrer oder eine Pfarrerin auch für Sie persönlich eine denkbare Ansprechpartnerin in einer Krise?

Ferres: Ich bin privat mit einem protestantischen Pfarrer sehr gut befreundet. Ein großartiger Mann, der Verständnis hat für alles Menschliche – fürs Versagen, für Fehler. Er trägt eine große Güte in sich und sagt: Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient, ganz egal, was er angestellt hat. Das ist für mich gelebtes Christentum. Und deshalb bin ich gläubig.

Ein weiteres Thema im Film ist eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung. Man kann als Zuschauer nicht erkennen, dass die Mutter etwas „falsch“ macht, trotzdem wird sie von ihrem Kind in einer Tour gedemütigt. Anne will ihrer Mutter den Freund ausspannen, hat ihr gegenüber keinen Funken Respekt …

Ferres: Ja, das ist richtig brutal, das finde ich auch. Die Tochter will nur rebellieren und klagt die Mutter an, verantwortlich für ihr eigenes Unglück zu sein.

Ich geh mal davon aus, dass Sie ein gutes Verhältnis zu Ihrer Tochter haben. Treibt sie dennoch manchmal die Angst um, dass sich das ändert?

Ferres: Ich bin sehr fantasiebegabt, aber so fantasiebegabt, dass ich eine Film-Konstellation auf mein Leben übertrage, dann doch nicht. So weit denke ich gar nicht. Ich glaube, dass die Vermittlung von christlichen Werten an Kinder sehr, sehr wichtig ist. Mein Mann und ich versuchen jedenfalls, unseren Kindern beizubringen: Behandele andere Menschen bitte genauso, wie du behandelt werden möchtest. Wenn man das befolgt, ist schon viel erreicht.

Nach der Folge am Montag ist Schluss

Die Polizistin Susi Massmann (eine Entdeckung: Natalia Belitski) steht im Mittelpunkt des Films.

Die heutige Folge mit dem Titel "Du sollst nicht töten" ist die letzte – Veronica Ferres hängt die Rolle als Lena Fauch an den Nagel. Was sind die Gründe für die Entscheidung? „Ganz ehrlich? Ich war mit der Passivität der Figur Lena Fauch am Ende nicht mehr ganz glücklich“, erzählt die Schauspielerin der tz. „Als Polizei­seelsorgerin lag sie gewissermaßen ständig in von der Schweigepflicht angelegten Ketten. Ihr wurden Morde gestanden, und sie konnte nicht darauf reagieren. Lena durfte ja nicht ermitteln wie eine Kommissarin oder recherchieren.“ Dieses ­„Korsett“ habe sie am Ende „als zu einengend empfunden“, so Ferres.

Der Entschluss aufzuhören sei ihr trotzdem nicht leicht gefallen – zumal Lena Fauch in der vierten Folge durchaus eine Wandlung durchmacht. Sie agiert aktiver, hat nicht mehr auf alles eine Antwort, ist nicht mehr so perfekt und beschwichtigend wie in den Episoden zuvor (siehe Interview oben). Und ausgerechnet jetzt soll Schluss sein? „Ja, das ist manchmal so“, sagt Ferres. „Ich bin mit dieser vierten ­Folge tatsächlich sehr glücklich, ­deswegen kann ich mit einem guten ­Gefühl Abschied nehmen und sagen: Es ist Zeit für etwas Neues.“

Und das gibt es bereits: Wie berichtet spielt Ferres die Hauptrolle in dem Kinofilm Unter deutschen Betten ­(angelehnt an den gleichnamigen Bestseller), den sie mit ihrer Firma Construction Film auch selbst produziert. Die Dreharbeiten laufen seit Ende Juli in München. Mit ­dabei sind auch der polnische ­Superstar Magdalena ­Boczarska sowie Heiner ­Lauterbach und Simon Schwarz.

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