"Vielleicht liegt es mir im Blut"

München - Der Wetterfrosch, der nie Krawatte trägt, macht Schluss. An diesem Samstag um 19.20 Uhr kündigt Uwe Wesp, der dienstälteste deutsche TV-Meteorologe, im Anschluss an die ZDF-"heute"-Nachrichten zum letzten Mal Hochs und Tiefs an. Markenzeichen des 65-jährigen Frankfurters, der lange auch Sprecher des Deutschen Wetterdienstes war, ist die Fliege - rund 150 Stück besitzt er nach eigenen Angaben.

-Haben Sie nach 32 Jahren noch Lampenfieber vor dem Auftritt?

Ja. Nicht so, dass ich zittere, aber eine gewisse Aufregung ist da - bis ich die Studiotür von innen zugemacht habe.

-Wie sind Sie zum Fernsehen gekommen?

Es werden ja traditionell alle Meteorologen, die beim ZDF auftreten, vom Deutschen Wetterdienst entsandt. Und als da einmal einige Ältere ausgeschieden sind, so Ende 1974, hat der Leiter der Wetterredaktion nach jungen Kollegen für die Nachfolge Ausschau gehalten. Da habe ich mich gemeldet und bin - nach einigen Probeaufnahmen - genommen worden. Im Juni 1975 hatte ich dann meine erste Sendung.

-Eine richtige Ausbildung haben Sie nicht bekommen?

Die bekommen heute die jungen Kollegen, die jetzt nach und nach uns ersetzen sollen. Ich habe die damals nicht gekriegt. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht liegt es mir ja auch im Blut, mich vor vielen Fernsehzuschauern zu produzieren. (Lacht.)

-In den drei Jahrzehnten, in denen Sie dabei sind, hat sich die Präsentation ständig geändert ...

Ja, ich stamme sozusagen noch aus der meteorologischen Kreidezeit. (Lacht.) Wir haben am Anfang die Wetterlage, also die Symbole für Wolken oder Sonne und die Luftdruckverhältnisse noch vor der Sendung mit Kreide auf Tafeln gezeichnet.

-... und spätestens seit Jörg Kachelmann hat die Wettervorhersage ja fast Showcharakter.

Ich finde, man darf das Wetter nicht als Show behandeln, das ist eine ernste Angelegenheit. Denken Sie nur an Naturkatastrophen wie jetzt gerade in Afrika. Aber die Kollegen von den privaten Diensten sind ja auch schon wieder viel nüchterner geworden.

-Auch die Messmethoden haben sich verfeinert...

Die haben sich erheblich verfeinert. Durch die polaren und geostationären Satelliten haben wir inzwischen vor allem aus den Bereichen über den riesigen Wasserflächen der Erde große Datenmengen zur Verfügung, sodass wir in der Lage sind, exaktere Vorhersagen zu machen für längere Zeiträume.

-Wenn sich die Prognose-Genauigkeit verbessert hat, nimmt man Ihnen Fehlprognosen dann übler als früher?

Nein, das habe ich nicht festgestellt. Die Zuschauer haben mittlerweile verstanden, dass die Meteorologie ein schwer zu fassender Bereich ist. Die Natur hat ihre Gesetze, die wir zwar kennen, die wir aber nie so genau berechnen können, dass prognostizierte Ereignisse hundertprozentig eintreten. Es wird immer wieder vorkommen, dass ein aus Westen herannahendes Tiefdruckgebiet einfach über Frankreich liegen bleibt und sich auflöst.

-Gab's nie böse Briefe, wenn Sie sich irrten?

Nein. Eher nette. Einmal hat mir ein Zuschauer geschrieben, er habe beobachtet, dass ich in letzter Zeit immer schlechtes Wetter für das Wochenende angesagt hätte. Ich solle daher an einem bestimmten Freitag keine Sendung machen, da bei ihm an dem Wochenende Dorffest sei.

-Nicht für alle ist der Klimawandel eine unumstößliche Tatsache.

Also, wir merken die Veränderungen ganz deutlich. Früher, noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, gab es im Sommer mehr Niederschlag als im Winter. Inzwischen hat sich das umgedreht, was aber nicht heißt, dass wir heute im Winter mehr Schnee haben. Es ist nämlich wärmer geworden, bei uns in Deutschland seit dem Jahr 1900 im Schnitt um 0,7 Grad Celsius. Und diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen, sodass es sicher in einigen Jahren in den Alpen unterhalb von 1200 Metern keinen Schnee mehr geben wird.

-Ist der Klimawandel unumkehrbar?

Er ist unumkehrbar und kann selbst durch ein beherztes Eingreifen nur verlangsamt werden.

-Und er ist durch den Menschen verursacht?

Zu 75 Prozent. Es gibt natürlich astronomische Faktoren, die vom Menschen unbeeinflusst ablaufen. Etwa die Umlaufbahn der Erde um die Sonne und die sich verändernde Neigung der Erdachse. Aber dazu kommen eben Faktoren wie die Emission von Treibhausgasen durch die verstärkte Nutzung fossiler Brennstoffe seit dem Beginn der Industrialisierung.

-Wenn also - ganz unwissenschaftlich - gesagt wird, dass das Wetter früher besser gewesen sei, würden Sie zustimmen?

Besser sollte man nicht sagen. Es war anders, geregelter.

-Was war die größte Panne Ihrer TV-Karriere?

Einmal wollte ich den Zuschauern den Altweibersommer erklären, hab' das auch getan, und dann ist mir das Wort nicht eingefallen. Da habe ich in der Hosentasche kurz die Faust geballt - und dann wusste ich's wieder.

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