Vier Minuten Staatsoper

Der Bayerische Rundfunk dreht im Nationaltheater Szenen eines neuen „Tatort“-Krimis. Ein Augenzeugenbericht.

Es ist ruhig in der Münchner Staatsoper. Sehr ruhig. Die Schritte werden vom weichen roten Teppichboden gedämpft, und es sind auch weder Arien noch Orchesterklänge zu hören. Alles ruhig. Doch als sich eine Tür öffnet, ist es mit der Stille schlagartig vorbei. Eine Armada von Menschen lässt den Lärmpegel nach oben schnellen, während das Blickfeld von Metallkoffern, Kameras und technischem Gerät überflutet wird. In diesem Tohuwabohu wirkt der Anblick von Menschen mit Smoking und Fliege beruhigend. Das Gefühl währt nur kurz. Die vermeintlichen Opernliebhaber entpuppen sich recht bald als Schauspieler.

Die Staatsoper dient dem Bayerischen Rundfunk als einer der Schauplätze für die 53. Folge des Münchner „Tatort“ mit dem Titel „Täuschung“, der noch bis zum 5. März in und um die Landeshauptstadt gedreht wird. Der Mord an einem Journalisten führt Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) auch ins Nationaltheater. Zwei Szenen stehen hier auf dem Drehplan. Eine kurze in der Königsloge sowie eine dreiminütige Sequenz im Umgang zum Balkon. Für insgesamt etwa vier Minuten „Tatort“ hat sich das Filmteam mit mehreren Lastwagen und Transportern im Innenhof des Gebäudekomplexes breitgemacht. Alleine am Set tummeln sich etwa 25 bis 30 Menschen hinter den Kameras, laufen umher, gehen ihrer Arbeit nach. Beeindruckend viel Aufwand für effektiv vier Minuten Film.

Auf einer Treppe abseits des Rummels sitzt Miroslav Nemec und plaudert mit einem Kollegen, während er auf seinen Einsatz wartet. Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen sich bei solch einem Dreh hinter der Kamera aufhalten: Aufnahmeleiter, Licht- und Tontechniker, Kameraleute und jede Menge Assistenten. Eine junge Frau bearbeitet eifrig die wenigen Haare eines Statisten, während eine andere mit einer Puderquaste herumjongliert. Make-up-Künstler, die sogar die Toiletten wegen ihrer großen Spiegel belagern.

Aus heiterem Himmel erhebt einer der Mitarbeiter seine Stimme: „Ruhe bitte, wir wollen drehen!“ Der Aufnahmeleiter schaut sich nochmal um. Es geht los. Ein erster Probedreh soll es werden. Volle Konzentration, alle auf ihre Ausgangspositionen. Es wird still. Miroslav Nemec geht auf Position. Ein junger Mann läuft vor die Kamera und zückt die berühmte „Klappe“ hervor. „Kamera?“ „Läuft!“ „Ton?“ „Läuft“! Regisseur Peter Fratzscher wartet noch einen Moment und gibt dann das Signal: „Und bitte“!

In der Szene befragt Ivo Batic seinen alten Schulfreund Leo Greedinger (Thomas Sarbacher), nun Gewerkschaftsführer, in der Pause eines Arienabends. Es geht um den Mordfall, und auch Greedinger steht unter Verdacht. Die Freundschaft mit dem Kommissar wird einer harten Belastungsprobe unterzogen.

Ob der Dreh wohl den Ablauf des Spielbetriebs stört? „Wenn dem so wäre, hätten wir das ablehnen müssen“, sagt Susanne Lutz von der Presseabteilung der Staatsoper. Dass solche Drehs im Nationaltheater durchgeführt werden, sei aber eher eine Ausnahme. Und doch schwingt Stolz mit, wenn sie sagt: „Die Staatsoper ist wie der Münchner ,Tatort‘ eine Institution dieser Stadt und weist einen hohen Identifikationsgrad auf.“

Erneut verkündet der Aufnahmeleiter mit bestimmtem Ton, dass nun gedreht wird. Miroslav Nemec steht auf seiner Position, exakt durch rotes Klebeband am Boden markiert, und scherzt bis zur letzten Sekunde. Dann wieder der gleiche Ablauf. Die Statisten kommen, die Hauptdarsteller sprechen ihren Text.

In solchen Momenten fragt man sich unwillkürlich, ob man denn sein Handy wirklich ausgeschaltet hat. Was ist, wenn es gleich losklingelt? Und jetzt bloß nicht niesen! Doch jemand anders stört die Szene. Von irgendwoher dringt eine kräftige, singende Männerstimme bis zum Set durch. Kommt die Stimme vom Band? Eine Geste des Aufnahmeleiters, die Verärgerung signalisiert, liefert die Antwort von ganz alleine. Ein Mitarbeiter macht sich sofort auf die Suche nach dem uninformierten Störenfried. Das Ganze wird noch stundenlang so weitergehen. Recht unspektakulär, aber beeindruckend viel Aufwand, für vier Minuten „Tatort“.

Von Barnabas Szöcs

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