"Volksmusikfans sind nicht alt"

- Ausverkaufsstimmung herrscht bei Schlager und Volkstümlichem im ZDF. Der Sender räumt die entsprechenden Reihen nach und nach aus dem Programm. Doch von Seiten der Freunde dieser Musikstile regt sich nun Widerstand.

Hansi Hinterseer und die "Alpenrebellen", DJ Ötzi und die "Kastelruther Spatzen" - wenn's nach dem ZDF geht, sollen die Protagonisten der sogenannten volkstümlichen Musik künftig wesentlich weniger (Sende-)Zeit zum Singen bekommen. Und mit ihnen gleich auch noch die Interpreten des alten und neuen deutschen Schlagers von Heino bis Andrea Berg.

Dieter Thomas Hecks "Sommerhitfestival" läuft noch genau zweimal, dann wird der 69-Jährige "als Moderator seine Karriere beenden", wie es offiziell heißt. Und auch bei den "Lustigen Musikanten" mit Marianne und Michael (Hartl) ist zum Jahresende Schluss mit lustig. Die von den Entscheidungen betroffenen Moderatoren wollen derzeit keine Stellungnahme abgeben.

Über die Gründe für die von Programmdirektor Thomas Bellut vor wenigen Tagen angekündigte Reform, die das rhythmische Klatschen zumindest werktags aus dem Abendprogramm verbannt, kann nur spekuliert werden. Auf die Frage, ob stark rückläufige Quoten die Maßnahme erfordert hätten, antwortete ZDF-Sprecher Walter Kehr gestern auf Anfrage unserer Zeitung ausweichend. Wahrscheinlicher ist wohl auch, dass der Mainzer Sender sein Image verändern und jüngere Zuschauer für sein Programm gewinnen will.

Einen Zusammenhang zwischen Formaten wie "Lustige Musikanten" und der Tatsache, dass der Sender die - im Vergleich aller großen Anbieter - ältesten Zuschauer hat, will beim ZDF aber niemand herstellen. Und auch Manfred Knöpke, Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlager und Volksmusik" (ADS), die sogar eine Klage erwägt ("nicht wegen der Einstellung der Reihe, sondern wegen der Begründung dafür"), betont: "Volksmusikfans sind nicht alt".

Es müsse Schluss sein mit dem Zielgruppendenken, schäumt Knöpke, Schluss mit dem Credo, dass die über 49-Jährigen automatisch für die Werbewirtschaft nicht mehr interessant seien: "Alle Marktforscher rücken davon ab, nur das ZDF nicht."

Der 62-Jährige fordert Ersatz für die eingestellten Formate, Sendungen, die ruhig "einen höheren Schlageranteil" haben dürften, und verweist auf den Altersschnitt der Fans dieser Musik. Der liege bei 41 Jahren.

Für Walter Kehr ist der Wunsch nach adäquaten Shows längst erfüllt: "Musiksendungen haben wir überreichlich im Programm." Was Beispiele angeht, bleibt der ZDF-Mann lieber im Ungefähren. Sein Haus versuche, Shows zu machen, die "ein möglichst großes Publikum erreichen." Fest stehe, dass es "kein Recht auf volkstümliche Musik" gebe, ebenso wenig übrigens wie auf Rock oder Jazz.

Dass es ein großes und dazu auch noch besonders treues Publikum für Stefanie & Stefan, Heino oder Judith & Mel gibt, weiß Carolin Reiber, bis vor zwei Jahren selbst in Diensten des Mainzer Senders, genau. Offenbar ganz im Gegensatz zu Programmdirektor und Unterhaltungschef. Sie selbst habe die Konsequenzen gezogen und sich verabschiedet, als sie gemerkt habe, dass ihre Sendungen "Grand Prix der Volksmusik", "Wunschkonzert" und "Superhitparade der Volksmusik" nicht mehr die Unterstützung der Chefetage gehabt hätten, so die 66-Jährige gestern gegenüber unserer Zeitung: "Aber man sollte sich in Mainz schon überlegen, was die Zuschauer wollen." Dass Manfred Knöpkes Schlagerfreunde nun auf die Barrikaden gehen wollen, findet die Münchnerin gut: "Die sollen sich ruhig einmal zu Wort melden!"

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