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Sex und Intrigen: Maria (Gerti Drassl), Nicoletta (Nina Proll), Caroline (Martina Ebm), Waltraud (Maria Köstlinger) und Sabine (Adina Vetter, v. li.) alias "Die Vorstadtweiber".

"Desperate Housewives" aus Wien

"Vorstadtweiber": Darum macht die neue ARD-Serie einfach Spaß

Wien - Die ARD zeigt von heute an die erste Staffel der Satire-Serie "Vorstadtweiber", die in Österreich ein Straßenfeger war. Lesen Sie hier, warum sich das Einschalten lohnt und worauf Sie sich gefasst machen müssen.

Es regnet, schluchzende Menschen stehen auf einem Wiener Friedhof – unverkennbar eine Beerdigung. Die Trauer ist nicht bei allen echt, und einige der Trauergäste haben offenbar Dreck am Stecken, denn sie werden noch an Ort und Stelle verhaftet. So beginnt die neue Serie "Vorstadtweiber", die heute um 20.15 Uhr im Ersten mit den beiden ersten von zehn Folgen an den Start geht. Darin geht es um fünf Freundinnen, ihre Familien, ihre Affären und illegale Geschäfte.

Die scheue Maria (Gertie Drassl) hat ziemlich viel Stress mit ihrer grantelnden Schwiegermutter Anna (Gertrud Roll), die noch immer der freien Liebe nachtrauert und nicht mehr so recht weiß, wer der Vater ihres geizigen Sohns Georg (Jürgen Maurer) ist. Der wiederum hat eine Affäre – mit dem Verkehrsminister Joachim Schnitzler (Philipp Hochmair).

Um diese Probleme kreist die Welt der "Vorstadtweiber"

Derweil schläft Simon (Johannes Nussbaum), der 17-jährige Sohn von Maria und Georg, mit seiner Nachhilfelehrerin Waltraud (Maria Köstlicher). Deren Mann Josef (Simon Schwarz) hat – bevor er später zu Tode kommt – ein Verhältnis mit Nicoletta (Nina Proll), deren Modeboutique ausgeraubt wird, woraufhin sie von ihrem schwulen Freund Francesco (Xaver Hutter) mit Hehlerware versorgt wird. Hadrian (Bernhard Schir) fühlt sich mit seiner jüngeren Gattin Caroline (Martina Ebm) so alt wie er noch gar nicht ist – ohne zu wissen, dass sie eine Affäre mit seinem besten Freund Bertram (Lucas Gregorowicz) hat. Die Einzige in dieser Truppe, die sich nicht durch die Betten "schnackselt", ist Sabine (Adina Vetter).

Irgendwie treibt es hier nahezu jede(r) mit jedem, und jeder wird irgendwie hintergangen. Das Beziehungsgeflecht ist unüberschaubar und macht die Geschichte ziemlich verworren. Hinzu kommt noch ein politischer Skandal um einen Autobahnausbau, der im niederösterreichischen Waldviertel tatsächlich geplant ist, und damit zusammenhängende Grundstückskäufe, in den ebenfalls irgendwie alle verstrickt sind. Korruption, Manipulation, Intrigen, Lug und Trug und eine Menge Leichen im Keller – das ist also das Grundthema dieser Serie, die trotz des irreführenden Titels nur in den sogenannten besseren Kreisen spielt.

"Vorstadtweiber" überzeugt mit pointierten Dialogen und bösem Humor

Wo es sonst – im Dauerbrenner "Um Himmels Willen" – seit Jahren um harmlose Scharmützel zwischen einer Nonne und einem Bürgermeister gibt, sind nun zur besten Sendezeit teilweise recht deftige Sexszenen zu sehen, und die Dialoge von Autor Uli Brée ("Paul Kemp") sind sehr pointiert und ebenfalls teilweise explizit. Von Arbeit halten die Wiener Damen nicht viel, dafür umso mehr von Sex. "Es sind allesamt Frauen, die an einem entscheidenden Punkt in ihrem Leben sind", sagt Nina Proll ("Dampfnudelblues") über die Serie: "Sie merken, dass der eingeschlagene Weg nicht mehr der richtige ist und stellen sich zum ersten mal in ihrem Leben die Frage: ,Wer bin ich eigentlich? Und wie soll das alles weitergehen? Bin ich mit dem richtigen Mann zusammen?‘ Mit Anfang, Mitte 40 die erste große Identitätskrise zu haben, beinhaltet auch eine gewisse Tragik."

Die ARD startet die unterhaltsame, teils böse Serie mit einer Doppelfolge, wie es der ORF ebenfalls gemacht hat, die weiteren acht Folgen laufen dann allerdings wöchentlich. Das mag manchen Zuschauer stören, denn die horizontale Erzählweise erfordert im Gegensatz zu abgeschlossenen Episoden schon ein gewisses Dranbleiben.

Kritiker sind sich uneins - aber in Österreich war "Vorstadtweiber" ein Straßenfeger

Die Hauptfiguren werden nahezu allesamt von renommierten Burgschauspielern gespielt, die offensichtlich viel Spaß am schnellen Tempo und an den brillianten Wortgefechten haben. In Österreich war die Serie ein Straßenfeger, die Kritiker waren sich nicht einig. Die fünf Ladies bräuchten den Vergleich mit der amerikanischen Erfolgsserie "Desperate Housewives" nicht zu scheuen, lobte "Die Presse". Sie seien "nicht nur mindestens so durchtrieben, sie sind vor allem witziger als die Bewohnerinnen der Wisteria Lane". Alle Männer in der Serie seien Schufte, kritisierte dagegen "Der Standard", und auch sonst "wird leider mnanches Klischee auf die Spitze getrieben".

Die zweite Staffel der "Vorstadtweiber" wird bereits gedreht, Autor Brée hat darüber hinaus schon Ideen für die Bücher zur dritten Staffel. Wenn es dann etwas übersichtlicher und gerne noch etwas abgründiger zugeht (und die ARD mit im Boot bleibt), dann könnte man sich durchaus mit diesen schlimmen Weibsbildern anfreunden.

Von Klaus Braeuer

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