Voß: "Keine Extrawürste für Jauch"

- Hamburg - SWR-Intendant Peter Voß hat sich gegen Vorwürfe des Moderators Günther Jauch in Richtung ARD verwahrt. Mit einem Offenen Brief reagierte Voß auf ein Interview Jauchs im "Spiegel", in dem dieser den Senderverbund nach dem Scheitern der Verhandlungen für den Sonntagabend-Talk scharf kritisiert hatte. Der Intendant bekräftigte die Haltung der ARD, für Jauch keine "Extrawürste" zu braten.

Jauch hatte geäußert, seine direkten Gesprächspartner - NDR-Intendant Jobst Plog, WDR-Chef Fritz Pleitgen und ARD-Programmdirektor Günter Struve - seien "Platzhirsche, die sich zur Not auch allein auf die Lichtung wagen und ihrem Rudel zeigen, wer Herr im Haus ist. Aber das nachgeordnete Niederwild reißt mit dem Hintern ein, was die Chefs mit dem Kopf gerade erst aufgebaut haben." Dazu betonte Voß, dass der SWR "als zweitgrößter Sender bei allen Gemeinschaftsleistungen der ARD entsprechend seiner Größe mitbezahlen muss - also mehr als beispielsweise der NDR". Bei den Summen handele es sich "nicht um Peanuts", so dass er bei den Vertragskonditionen ein Wort mitzureden habe.

Der Vertragsentwurf, den er erstmals am 28. Dezember 2006 gesehen habe, sei "eben nicht unterschriftsreif" gewesen, schrieb Voß. So sei nicht vertraglich sichergestellt gewesen, dass Jauch "als politischer Moderator der ARD auf Werbung verzichten" würde. Zwar habe Jauch dem NDR mündlich erklärt, er sei dazu bereit, aber: "Was ist denn eigentlich ehrenrührig daran, dass man eine Zusage in einem Vertrag festhält?"

"Unsinnig, Christiansen bei Unterhaltung anzusiedeln"

Zu der - von Jauch abgelehnten - Unterstellung der Sendung unter die Aufsicht der Chefredakteure erklärte Voß, er habe es "immer für unsinnig gehalten, "Sabine Christiansen" bei der Unterhaltung anzusiedeln". Es habe der Sendung "nicht immer gut getan", dass sie "der professionellen Kritik der ARD-Chefredakteure entzogen" worden sei. Er - Voß - habe angeregt, dies zu ändern, und der Beschluss dazu sei einstimmig - "also mit den Stimmen von NDR und WDR" gefasst worden.

Trotz des großen Interesses der ARD an Jauch müsse dieser verstehen, "dass jemand, der für die ARD profilbildend arbeiten will, sich keine Extrawürste braten lassen kann, sondern gerade die Spielregeln akzeptieren muss, die letztlich unsere publizistische Unabhängigkeit garantieren". Jauch müsse nun ohne die ARD leben und werde "da sicher keinen bleibenden Schaden davontragen, und die ARD wird es umgekehrt auch nicht".

Die ARD-Fernsehdirektoren wollen an diesem Dienstag einen Personalvorschlag für die Nachfolge Sabine Christiansens als Moderatorin des Sonntagabend-Talks erarbeiten. Auf dieser Grundlage wollen die Intendanten am 6. Februar entscheiden.

Im Gespräch sind neben Frank Plasberg vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) unter anderen Sportexperte Gerhard Delling, "Tagesthemen"-Moderatorin Anne Will, ihr Ex-Kollege Ulrich Wickert, Sandra Maischberger und Reinhold Beckmann.

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